Kampf der Konzepte, Teil 2

Visionen für ein Museum von morgen

David Chipperfield mit der Entwicklung eines neuen Eingangsgebäudes beauftragt. Zehn Jahre ist das her, die Planungen sind jedoch immer noch in einem frühen Stadium. Der Grund: Es gibt kein Geld sie fortzuführen. Aber seine Ideen sind gut erkennbar.

Museum K21 in Düsseldorf
Das Eingangsfoyer des Museums K21: eine Verbindung von Stahl und Glas

"Wir stellen uns das Gebäude vor allem massiv aber lichtdurchlässig vor, ungefähr wie Milchglas", erklärt Architekt David Chipperfield. "Es gibt zwei größere Baukörper, die herausragen und zum Volumen des Pergamonmuseums eine Verbindung herstellen. Sie treten schrittweise zurück, dem Verlauf des Kanals folgend. Der vordere Baukörper richtet sich dabei nach dem Lustgarten aus. Wichtig ist, dass das Gebäude in der Mitte niedriger bleibt, um die Silhouette des Neuen Museums sichtbar zu lassen."

Chipperfields Auftrag

Eine spannende Verbindung von alt und neu: Glas als typisches Material des 21. Jahrhunderts, benutzt mit Respekt vor der Vergangenheit. Viele Museen schaffen zurzeit neue Eingangssituationen. Ein Beispiel ist das K21, Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts in Düsseldorf: eine lichte Kuppel fürs Foyer, Weite für einen großzügigen Empfang, viel weiß, Glas und Stahl.

Das Deutsche Historische Museum in Berlin, versteckt in einem toten Winkel, ist der neue Haupteingang - eine Attraktion, geschaffen von Ioeh Ming Pei. Alt und neu werden eins im Spiel von Licht und Schatten. Die Materialien: Glas, Kalkstein und Granit. Kühle Eleganz. Architektur, die selbst zum Kunstwerk wird.

Einladung an die Besucher

"Es ist eine versteckte Stelle und ich musste mich als erstes fragen: Sollte der Eingang 'Hallo, aufgepasst, hier bin ich!' sagen oder sollte er lieber still und zurückhaltend sein", erzählt Ieoh Ming Pei. "Zuerst sagte ich mir: Weil er so klein ist und hinter dem Zeughaus steht, sollten wir vielleicht unauffällig sein, damit die Leute uns entdecken können. Aber dann dachte ich: Vielleicht haben wir eine Verantwortung zu sagen: Bitte kommen Sie her! Wir sind hier! Dafür habe ich mich dann entschieden."

Die Albertina in Wien: 16 Meter weit ragt das neue Eingangsdach über die Bastei hinaus. Darunter Aufzüge und dynamische Rolltreppen, die die Besucher fast physisch in das Gebäude ziehen. Auch innen erscheint die attraktive Verbindungen von neu und alt, viel Raum, der die Besucher elegant empfängt. "Es ist eigentlich auch ein anderer Vorgang, wie ein Besucher heute ein Museum betritt", meint Architekt Hans Hollein. "Er kommt nicht einfach durch eine kleine Sperre in heilige Hallen, sondern es ist eben auch ein Verweil notwendig, wo man sich trifft und sich Gruppen finden können." Das von vielen belächelte Ausrufezeichen ist für Wien vor allem nachts eine Attraktion.

Trend zum neuen Eingang

Es scheint ein neuer Trend zu sein: wenn schon kein neues Museum, dann wenigstens ein neuer Eingang. Geht es nur um Aufmerksamkeit oder doch etwas mehr? "Diese Neudefinition der Eingangsituation oder die Formulierung der Eingangssituation in neuen Museumsarchitekturen zielt sehr stark darauf ab, die Eingangssituationen nicht als Barrieren, an denen eine Kasse den Eintritt ins Museum erst ermöglicht, zu definieren, sondern eine Passage, in die man sich hineinbewegen kann und erst wenn man sich entschließt, die Sammlung anzuschauen, einen Obolus entrichten muss", sagt Michael Eissenhauer, Präsident des Deutschen Museumsbundes.

"Der Besuch des Cafés, des Restaurants, des Shops, des Forums, in dem sich diese neuen Architekturen meistens bewegen, muss frei ist und als Erlebnisort des Entspannens, des Wohlfühlens definiert werden. Von dort aus muss die Entscheidung getroffen werden können, ob man die Sammlung jetzt oder erst beim nächsten Mal anschauen will", so Michael Eissenhauer weiter.

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