Markante Wahrzeichen

Museum als Zentrum der Begegnungen

Weithin sichtbar soll er sein, der neue Eingang, Besucher schon aus der Ferne anlocken: Für die Museumsinsel plant Chipperfield ein sechstes Haus, einen sechsten Eingang in die Kulturgeschichte. Der "Berlin Cube" wirkt für sich: ein strahlender Ort bei Tag und bei Nacht.

David Chipperfield
David Chipperfield plant ein neues Eingangsgebäude für die Museumsinsel.

Wie sehr das Gebäude zu einem markanten Wahrzeichen werden kann, zeigt eine Analogie: Auch am Wasser gebaut und weithin sichtbar ist das Kunsthaus in Bregenz. Architekt: Peter Zumthor. Wie in Berlin geplant, hat das Bregenzer Kunsthaus eine Fassade aus undurchsichtigem Glas - hier wie da eine doppelte Haut. Anders als in Bregenz wird es in Berlin aber vor allem Ein- und Ausblicke vom Eingangsgebäude in die Umgebung geben.

Beispiele, die etwas hinken und Bilder, die unfertig sind - aber dies ist die einzige Möglichkeit, um einen Blick in die Zukunft zu werfen, solange der Bund, Finanzier der Museumsinsel, für das Eingangsgebäude einen Planungsstopp verhängt hat. Mehr als eine Milliarde Euro kostet die gesamte Instandsetzung der Insel. Unverständlich, dass da bei den 60 Millionen Euro für das Eingangsgebäude die Bremse gezogen wird.

Werben für den Masterplan

"Zunächst wurde das Eingangsgebäude als eine sehr vordringliche Maßnahme gesehen. So sieht es die Stiftung auch weiterhin. Aber der Finanzminister sieht natürlich seine Möglichkeiten und drängt eher auf die Sanierung der vorhandenen Bauten ", beschreibt Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung die derzeitige Diskussion. Die Verantwortlichen der Museumsinsel aber, allen voran der Generaldirektor, kämpfen weiter für ihr Projekt. Wann immer es eine Gelegenheit gibt, wird für den Masterplan geworben. Und das zu einem Zeitpunkt, wo sich bereits nichts mehr bewegt. Gibt es nicht vielleicht doch viele Gründe zu resignieren?

"Gar nicht! Es gibt auch so viel Einsicht und Zustimmung auf der Seite unserer Museumsfreunde, die sagen, das kann doch nicht sein, dass das nicht gebaut wird, was so einen sinnfertigen Nutzen hat", sagt Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin. "Das Neue Museum kann nicht funktionieren ohne ein Eingangsgebäude. Die ganze Insel kann nicht funktionieren." Fromme Wünsche oder realisierbare Visionen?

Das sechste Haus

David Chipperfield jedenfalls scheint den Ort für das zukünftige Eingangsgebäude regelrecht zu beschwören, sieht es schon vor sich: das sechste Haus auf der Insel mit seinem sechstem Eingang in die Kulturgeschichte. An andern Orten hat David Chipperfield schon Museen gebaut. 1997 zum Beispiel in Henley-on-Thamse "River and Rowing", ein Museum zur Geschichte von Ruderbooten in der Form eines umgedrehten Schiffsrumpfes. Mit Blick auf den Mississippi entsteht in Davenport, Iowa, das Figge Arts Museum aus Glas und Metall.

In Mailand die "Città delle Culture" Ansaldo, in der Mitte von Industrieanlagen eine organisch geformte Halle, die nachts alles überstrahlt. Sein für die BBC Schottland geplantes Gebäude zeigt, was für Chipperfields öffentliche Bauten typisch ist: ein atriumartiges Zentrum für Begegnungen, eine gestufte Sequenz von Räumen. Immer wieder besticht er durch schlichte Eleganz, selbstbewusste Einfachheit, klare Form.

Harmonie mit der Umgebung

"Ich bin nicht daran interessiert, exotische Raumschiffe zu bauen, die nichts mit der Umgebung zu tun haben, in der sie stehen. Ich frage mich immer: Welche architektonischen Ideen können eine Zugehörigkeit zu dieser Umgebung ausdrücken? Und das ist umso wichtiger, wenn man als Architekt in dem Land ein Fremder ist", erklärt David Chipperfield.

Bei Museen sei das heute oft kaum möglich. "Die sollen ganz besonders wirken, vor allem spektakulär sein. Sozusagen als Aufforderung: Guckt uns gefälligst an. Bilbao ist dafür ein sehr typisches Beispiel, das Museum dort braucht eigentlich gar keinen Inhalt, man soll es ansehen und begeistert sein."

Das Museum als Kunstwerk

Das Guggenheim Museum in Bilbao wurde 1997 von Frank Gehry errichtet. Es ist der Aufsehen erregendste Museumsbau der letzten zehn Jahre, die Attraktion des Baskenlandes und Anziehungspunkt für fast eine Million Touristen im Jahr. Eine Riesenblume aus Metall, schwebendes Titan, millimeterdünn - ein Kunstwerk für sich: Alles hier ist Raum und Licht, Klang und Inspiration. Das Guggenheim Bilbao ist auch ein vieldiskutiertes Beispiel, wenn es um die Frage geht: Inwieweit dominiert Architektur heute die in dem Gebäude gezeigte Kunst?

Spektakulär ist auch das Jüdische Museum in Berlin. Im September 2001 eröffnet, war es der architektonische Durchbruch für Daniel Libeskind. Ein Gebäude nach einem philosophischen Konzept errichtet, Ausdruck Schönbergscher Musik, jüdischer Geschichte und dekonstruktiver Architektur, Erinnerungsbau und Zukunftsvision in einem. Die Einrichtung und Ausstellung von Gegenständen der jüdischen Kultur ist nicht in den Augen aller Besucher gelungen, nicht immer ein symbiotisches Verhältnis von Hülle und Inhalt.

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