Museum der Skulpturen

Fertigstellung einer einzigartigen Sammlung

Bis kurz vor der Wiedereröffnung am 19. Oktober 2006 steht noch jede Menge Arbeit an. So hat auch die 'Flora', eine Wachsbüste Leonardo da Vincis noch nicht ihren endgültigen Platz gefunden. Sie ist eine der bekanntesten Skulpturen, die das Bodemuseum zu bieten hat. Die Geschichte dieser faszinierenden Dame aus Wachs ist voller Rätsel und Spekulationen.

Wachsbüste Flora im Bodemuseum
Unter Experten ist umstritten, ob "Flora" von Leonardo da Vinci stammt.

Mit dem Kauf der Flora-Büste dachte Wilhelm von Bode, dass ihm der spektakulärste Erwerb eines Werkes von Leonardo da Vinci gelungen sei. Allein ihr "Mona Lisa"-Lächeln war für Bode Grund genug, es zu glauben. Heute sind allerdings viele Kuratoren der Meinung, dass er sich getäuscht hat. Auch die Londoner Times schrieb in einem Artikel, dass der Sohn von Richard Cockle Lucas, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätig war, diese Skulptur gemeinsam mit seinem Vater angefertigt habe. Kunstwissenschaftler hingegen sind immer noch davon überzeugt, dass die Skulptur vom Meister aus der Toskana stammt.

Weniger ist mehr

Die schwersten Verluste, die das Bode-Museum getroffen haben, sind im Studiensaal dokumentiert. Hier stehen Kunstwerke, die nach Kriegsende beim Brand im Flakbunker Friedrichshain stark beschädigt wurden. 1945 wurden 12.000 Kunstwerke verschleppt und zum Teil vernichtet. 8000 wurden mittlerweile vor allem von Russland zurückgegeben, aber 4000 fehlen bis heute. Unvollständig sind auch die goldene Apostel- und Heiligenfiguren des Patroklus Schreins aus Soest. 16 waren es einmal, doch nach dem Krieg kamen nur sieben zurück - und mussten teilweise zurückgekauft werden. Im Museum werden die Werke, die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurden, in der Hoffnung ausgestellt, dass vielleicht doch noch das eine oder andere Kunstwerk seinen Weg zurück auf die Museumsinsel findet.

Auch im Wappensaal und den angrenzenden Räumen haben die Ausstellungsmacher ganze Arbeit geleistet. Skulpturen und Gemälde, Kleinkunst und Möbel geben einen Ausstattungsstil wieder, der dem von Bode gleicht. Auf den zweiten Blick gib es doch gravierende Unterschiede zu dem Raum von 1904: Im Jahr 2006 befinden sich im Wappensaal viel weniger Kunstwerke. Auch in den anderen Sälen hängen kaum Gemälde an der Wand. Diese neue, moderne Konzeption beschränkt sich auf das Wesentliche und soll die Aufmerksamkeit des Besuchers auf absolut Herausragendes lenken - auch wenn die bekanntesten Gemälde fehlen. Obwohl die Ausstellung kriegsbedingt nicht komplett ist, bewertet Generaldirektor Bernd Lindemann das Ergebnis positiv. "Die kräftige Oberstimme der Skulpturen dominiert ganz klar, das war nie so. Ein solches Skulpturenmuseum gibt es nirgendwo."

Raum für die Kunst

Im Sommer 2006 kehren auch die letzten Gemälde aus der nur wenige Kilometer entfernten Gemäldegalerie ins Bode-Museum zurück. Für die meisten hat es Jahre gedauert, bis sie aus dunklen Depots zurück ans Licht der Ausstellungsräume durften. Manches Gemälde hat dabei auch einen neuen Rahmen bekommen, der gewaltigste ist für das zentrale Bild im Gobelinsaal bestimmt: "Die Kreuzigung" von Andrea Vaccharo. Sechs Männer sind nötig, um das Werk aufzuhängen. Insgesamt 150 Gemälde werden im Bode-Museum ausgestellt, darunter auch große Formate, für die es anderswo keine Wände gab, an denen sie zur Wirkung kommen können.

Riesenbilderrahmen

Der Direktor der Gemäldegalerie beaufsichtigt die Zentimeter genaue Platzierung der Kunstwerke. Im Team wird dann entschieden, wie Bilder und Skulpturen am besten zusammen wirken. Dabei übernehmen die Gemälde eine dienende Funktion, da sie sich thematisch und ästhetisch in das Konzept der Skulpturen einfügen. "Im Raum der Bildhauerei des 18. Jahrhunderts haben wir auch entsprechend Bilder von Malern dieser Epoche, die dann ein sehr schönes Echo für die Figuren ergeben", erklärt Bernd Lindemann. Ein Beispiel von vielen, wie im neuen Bode-Museum Bilder und Skulpturen zu einem neuen Ganzen verschmelzen. In neun Jahren Bauzeit sind 64 Säle entstanden, die mit ihren einmaligen Kunstwerken viel Raum für 1500 Jahre Kunstgeschichte bieten.

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