Neuer Eingangstrend

Internationale Vorbilder für Berlin

Weltweit ziehen Museen aus den wachsenden Besucherströmen Konsequenzen. Die Touristen sollen sich informieren, organisieren und relaxen - Restaurants und Book-Shops gehören einfach dazu

Eingangsyramide im Louvre
Die Eingangs-Pyramide des Louvre: markant aber noch nicht optimal

Weltweit haben die Museen, die mit der Museumsinsel in Größe und Art der Sammlungen vergleichbar sind, aus den wachsenden Besucherströmen bereits Konsequenzen gezogen. So hat das British Museum in London einen neuen Innenhof bekommen, überdacht von einer eindrucksvollen Kuppel aus Glas. Architekt: Sir Norman Forster. Die Touristen können sich informieren, organisieren und relaxen, auch Restaurants und Book-Shops gehören zum Angebot.

Passage statt Barriere

Die Albertina in Wien: 16 Meter weit ragt das neue Eingangsdach über die Bastei hinaus. Darunter Aufzüge und dynamische Rolltreppen, die die Besucher fast physisch in das Gebäude ziehen. Auch innen erscheint die attraktive Verbindungen von neu und alt, viel Raum, der die Besucher elegant empfängt. "Es ist eigentlich auch ein anderer Vorgang, wie ein Besucher heute ein Museum betritt", meint Architekt Hans Hollein. "Er kommt nicht einfach durch eine kleine Sperre in heilige Hallen, sondern es ist eben auch ein Verweil notwendig, wo man sich trifft und sich Gruppen finden können." Das von vielen belächelte Ausrufezeichen ist für Wien vor allem nachts eine Attraktion.

Trend zum neuen Eingang

Es scheint ein neuer Trend zu sein: wenn schon kein neues Museum, dann wenigstens ein neuer Eingang. Geht es nur um Aufmerksamkeit oder doch etwas mehr? "Diese Neudefinition der Eingangsituation oder die Formulierung der Eingangssituation in neuen Museumsarchitekturen zielt sehr stark darauf ab, die Eingangssituationen nicht als Barrieren, an denen eine Kasse den Eintritt ins Museum erst ermöglicht, zu definieren, sondern eine Passage, in die man sich hineinbewegen kann und erst wenn man sich entschließt, die Sammlung anzuschauen, einen Obolus entrichten muss", sagt Michael Eissenhauer, Präsident des Deutschen Museumsbundes.

Platz und Komfort

Peis Pyramide für den Louvre in Paris ist ein neues Wahrzeichen für die Stadt, mehr Komfort für die Gäste, aber noch nicht die optimale Lösung. Die Pyramide ist der einzige zentrale Eingang für den ganzen Komplex. Das Ergebnis: Es gibt immer wieder lange Schlangen. Jüngstes Beispiel sind unter anderem die Vatikanischen Museen in Rom. Auch dort ist Kunst aus 6000 Jahren Menschheitsgeschichte zu sehen. Die Sammlungen sind prunkvoller als irgendwo sonst. Tausende wollen täglich hinein, müssen aber trotz neuer Eingangshalle oft draußen warten. Seit dem 11. September 2001 wird Sicherheit groß geschrieben.

Hinter den Kontrollen liegt die riesige Empfangshalle, Versammlungsort, Ruheort, Organisationsort in einem; genug Platz für 20 000 Menschen täglich; Treffpunkt für verschiedene Gruppen, die von hier aus aufbrechen. Eine Treppe höher ist viel Raum für Devotionalien und Souvenirs. Das neue Eingangsgebäude geht auf eine Initiative von Johannes Paul II. zum Heiligen Jahr 2000 zurück. 165 Meter lang ist die neue Rolltreppe, die spiralförmige Rampe daneben behindertengerecht. Das ganze Entree ist von einer gewaltigen Glasdecke gekrönt, lichtdurchflutet.

In Harmonie mit der Antike

"Der ganze Um- und Neubau ist mit Rücksicht auf die antiken Gebäudeteile geschehen. Alles wurde auf einer unterirdischen Ebene gebaut, um das nicht zu zerstören", sagt Francesco Buranelli, Direktor Vatikanische Museen. "Für die einzigen sichtbaren Veränderungen, die wir machen mussten, haben wir sehr leichte Strukturen gewählt, mit Eisen und Glas gearbeitet, um eine Harmonie mit der Ursprungsarchitektur herzustellen."

Im Belvedere-Hof dann die ersten Objekte der Papstsammlungen. Herrliche Skulpturen, allen voran der Laokoon, laden ein zum Rundgang durch viele Jahrhunderte Kunstgeschichte. Die Besucher sind nach sieben Kilometern Rundgang im Vatikan erschöpft aber wenig angestrengt. Gibt es dafür ein Rezept, das man sich abgucken kann?

"Wir haben im Restaurant eine Stunde lang Pause gemacht, das ist auch nötig, man kann nicht alles auf einmal aufnehmen", meint ein holländischer Tourist. Und eine Japanerin urteilt: "Es war sehr gut, vor allem gut gekennzeichnet, wo man hinmusste, wo die Ausgänge waren, die Toiletten, der ganze Service ist sehr effektiv."

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