Raubgut und Beutekunst

Deutsches Gold in russischen Museen

Im Zweiten Weltkrieg sind von den sowjetischen wie von den amerikanischen Truppen abertausende wertvolle Kunstschätze der Museumsinsel verschleppt worden. Wer hat sie aus den Berliner Bunkern geholt? Wo sind sie geblieben?

Im Jahr 2007 jährt sich zum 50. Mal, dass die Sowjetunion sich entschlossen hat, wesentliche Teile der nach dem Zweiten Weltkrieg von den "Trophäenbrigaden" der Roten Armee nach Russland mitgenommenen Kulturgüter der Berliner Museumsinsel zurückzugeben. Aber immer noch sind einige der wertvollsten Schätze nicht nach Deutschland zurückgekehrt.

Kunstwerke tauchen wieder auf

Goldreif aus dem Merowinger Schatz
Auch dieser Goldreif wurde in Moskau und Sankt Petersburg gezeigt.

Die große Ausstellung über das "Gold der Merowinger" in Moskau und Sankt Petersburg zeigte im Frühjahr und Sommer 2007 viele Schätze, die eigentlich auf die Museumsinsel gehören. Die so genannte "Beutekunst" ist heiß umstritten: Die Bundesrepublik möchte ihre Schätze wieder zurück haben, während Russland sie als Eigentum betrachtet, gleichsam als Entschädigung für das große Leid, das dem sowjetischen Reich durch Hitlers Truppen zugefügt wurde. Längst verloren geglaubte Kunstwerke tauchen nun wieder auf, seit Jahrzehnten unter strengster Geheimhaltung in russischen Museen und Klöstern verwahrt.

Goldkisten

Die brisante Frage: Werden die Kunstwerke je wieder auf der Museumsinsel zu sehen sein? "Mehr als eine Million Objekte", so der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Klaus-Dieter Lehmann, "werden immer noch vermisst. Allein 200.000 Objekte von musealem Rang sowie unzählige Bücher und Handschriften." Zu den bedeutendsten und schmerzlichsten Verlusten gehört der Inhalt der drei Goldkisten aus dem Flakbunker Zoo. Der Schatz des Priamos, das Eberswalder Gold und das Gold der Merowinger waren hier vom Museum für Vor- und Frühgeschichte in Sicherheit gebracht worden. Erst 1995 erfuhr die Welt, dass diese Objekte noch existierten, in Moskauer Geheimdepots. Einmalige, unersetzliche Fundstücke, die - jedenfalls völkerrechtlich nach der Haager Konvention von 1907 - nach Deutschland gehören.

Flakturm Zoo

Zusammenarbeit mit Russland

Aber schon seit Jahren gilt die deutsch-russische Beutekunst-Politik als gescheitert. Ein Duma-Gesetz von 1998 definiert die Schätze als Besitz von Russland. Die Staatlichen Museen Berlin sind daher einen neuen Weg gegangen: Sie haben jahrelang mit russischen Museen zusammengearbeitet, um zumindest das "Gold der Merowinger" endlich ans Tageslicht zu holen. Mit dem Ziel, herauszufinden, was noch existiert, es gemeinsam zu restaurieren, zu inventarisieren und der Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Dokumentation begleitet diesen Prozess der Zusammenarbeit bis hin zu den Ausstellungseröffnungen im Moskauer Puschkin-Museum im Frühjahr und der Eremitage in St. Petersburg im Sommer 2007: 1.100 Objekte, 700 davon aus dem Altbestand des Berliner Museums - also Beutekunst. Dabei wird der Weg der Beutekunst nach Russland nachvollzogen, von ihrem bis heute rätselhaften Verschwinden aus dem Flakbunker Zoo über die Zwischenstation in den Schlachthöfen von Berlin bis hin zu den geheimen Verstecken in russischen Klöstern bis in die 90er Jahre.

Rückgabe für viele Russen unvorstellbar

Die Mythen von der "Rettung der Kunstwerke" durch die Rote Armee werden dabei ebenso entmystifiziert wie in der Dokumentation aber auch deutlich gemacht wird, warum für viele Russen eine Rückgabe durch das Leid und die Verluste des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellbar ist. Besonders die Ereignisse während der Blockade von Leningrad mit ihren Auswirkungen auf die Kunstwerke aber auch auf die Menschen in der Eremitage wirken dabei bis heute nach.

Schon die Nazis hatten in großem Maßstab während des Krieges Kunst als Raubgut betrachtet und sie sich in großen Mengen und auf oft höchst fragwürdige Weise in den besetzen oder eroberten Gebieten angeeignet. Von Hitler und Göring mit ihren Helfern und für ihre jeweiligen Sammlungen angefangen, bis hin zu Rosenberg und seinem Einsatzstab ERR und Heinrich Himmler mit seinem "Ahnenerbe".

Himmler und Hitler

Die Auseinandersetzungen über Rückgabe oder nicht dauern bis heute an. Wenn das Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Jahr 2009 auf die Museumsinsel, ins Neue Museum, zurückkehren wird, werden die Wunden, die diese Zeit und ihre Auswirkungen geschlagen haben, sicher noch nicht verheilt sein.

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