Skulpturen oder Gemälde?

Das Bode-Museum wird wieder eingerichtet

Im Herbst 2003 ist die Renovierung des Bode-Museums etwa zur Hälfte abgeschlossen. In vier verschiedenen Depots werden Kunstwerke auf den Einzug in das Haus vorbereitet. In den Jahren, in denen das Museum geschlossen war, haben Experten über 300 Kunstwerke restauriert - doch welche ihren Platz hier finden, ist lange umstritten.

Altar von Andrea della Robbia im Bodemuseum
Der Altar von Andrea della Robbia wurde sorgfältig restauriert.

Auch in der Gemäldegalerie werden Kunstwerke für die Wiedereröffnung des Museums vorbereitet. Fehlstellen werden gekittet, Retuschen ausgeführt oder der Firnis gereinigt, sodass die Werke der Alten Meister hinterher wie neu erstrahlen. Nicht selten müssen aber auch die Leinwände repariert werden. Eine Brille mit zweieinhalbfacher Vergrößerung ist nötig, um Kett- und Schussfaden wieder zusammenzuflicken. "Für diesen Arbeitsgang braucht man Pinzetten und kleine Skalpelle, die auch im medizinischen Bereich eingesetzt werden", erklärt Gemälderestauratorin Cornelia Rüth. Die mühsame Arbeit lohnt sich aber: "Die Trunkenheit Noahs" von Andrea Sacchi, dem Hauptvertreter des römischen Barock, war wegen seines desolaten Zustandes 50 Jahre lang nicht zu sehen.

Liebhaberstücke

In der Basilika des Museums wird ein Altar von Andrea della Robbia, einem großen Künstler der florentinischen Renaissance, aufgefrischt. Der Besucher soll dabei Objekten, wie etwa Kakaobohnen, die zur damaligen Zeit einen enormen Wert darstellten, besondere Aufmerksamkeit schenken. In der Mitte ist der auferstehende Christus zu sehen, der von Engeln zum Himmel getragen wird. Das Ensemble ist zum ersten Mal seit 1943 wieder zusammengesetzt worden. Die Vorlage für die Arbeiten: ein schwarz-weißes Foto aus dem Jahre 1904.

Dass Wilhelm von Bode die Kunst der Renaissance besonders geliebt hat, zeigte sich in der Kollektion der Königlichen Museen. Sein großer Traum vom Renaissancemuseum wurde 1896 wahr. Seit 1956 trägt es den Namen seines Initiators. Nach der Wiedervereinigung ist die italienische Sammlung erneut eines der Highlights des Bode-Museums. Von der Frührenaissance bis zum Barock sind einige der bedeutendsten Künstler vertreten.

Stellprobe der Exponate

Monatelang beratschlagen der Direktor und Kuratoren in den Besprechungsräumen des Bode-Museums, welche der 8000 Objekte des Museums in die engere Auswahl kommen und wie sie aufgestellt werden. Für eine bessere räumliche Vorstellung werden kleine Modelle der Räume gebaut, in denen die Exponate dann probeweise Platz nehmen dürfen. Wie das Verhältnis von Skulpturen und Gemälden im Bode-Museum werden sollte, ist lange und teilweise heftig umstritten. Der Generaldirektor wünscht mehr Gemälde, während einige Kuratoren endlich Skulpturen, die seit den 90er Jahren nicht mehr zu sehen waren, den meisten Platz einräumen wollen.

Während der Diskussionen um die Platzierung der Kunstwerke wird im Saal des Hochbarock versucht, den Skulpturen Raum zu geben, sie für die Wahrnehmung und Wertschätzung attraktiv aufzubauen. Der Besucher soll genau hinsehen, doch den Ausstellungsmachern geht es genauso um interessante Bezüge und Sichtachsen. Auch an der Gestaltung der Wand um die berühmte Madonna von Anton Feuchtmayr tüfteln sie noch. Immer wieder probieren sie, welches andere Stück zur Madonna-Figur passen könnte, die ihren Körper in einer raffinierten Drehung präsentiert. Der Stoff ihrer Robe gibt mehr Preis, als er verhüllt. Um 1717 entstanden, ist diese Figur eine der ungewöhnlichsten sakralen Schönheiten des Bode-Museums.

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