Tiepolo Superstar

Der Venezianer und Byzanz ziehen Besucher an

Bereits fast zwei Jahre vor der eigentlichen Wiedereröffnung wird das Münzkabinett am 23. Oktober 2004 für zwei Tage zur Besichtigung freigegeben. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng, denn die Angst, dass eines der antiken Stücke abhanden kommen könnte, ist groß. Am Eingang können die Besucher einen Gang flankiert von 7260 Schubladen voller Münzen sehen.

Besucher stehen Schlange vor dem Bodemuseum
Der Tiepolo-Raum im Bodemuseum zieht zahlreiche Zuschauer an.

Im Münzkabinett wird die Geschichte der Münzprägung bis in die jüngste Vergangenheit gezeigt. Unter den ausgestellten Objekten befinden sich besonders wertvolle und leichte Münzen, kleine, sehr schwere Münzen, zum Beispiel ein Acht-Taler-Block aus Kupfer, der stolze 15 Kilogramm wiegt. "Es gibt nichts, was man mit Münzen nicht illustrieren oder beweisen könnte", erklärt Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts. Es gebe kein "Fleckchen der Erde, in dem nicht irgendwann auch Münzen geprägt" worden seien. Insofern sei das Münzkabinett eine "metallene Chronik der Menschheitsgeschichte".

Leben in Saus und Braus?

In der Ausstellung des neuen Bode-Museums ist die Sammlung des Münzkabinetts in vier Räumen vertreten. Insgesamt 4000 wertvolle Münzen und Medaillen werden präsentiert. Neben einem kostbaren Bleiglasfenster, auf dem der Weg der Münzherstellung dargestellt ist, steht eine Truhe aus der königlichen Münze Berlin. Sie ist mit 3000 Talern aus der Zeit von Friedrich dem Großen bis zu Friedrich Wilhelm IV. gefüllt. Historisch beginnt der Rundgang im Bode-Museum jedoch viel früher: mit der Zeit von Byzanz. Damit ist es das einzige Museum für byzantinische Kunst in Deutschland überhaupt, in dem Werke vom dritten bis zum 15. Jahrhundert zu sehen sind.

Dem weit verbreiteten Image eines nur am Prunk interessierten Byzanz will das Museum in Berlin entgegentreten. "Alle Byzanz-Ausstellungen sind mit Etiketten versehen, wie ', 'Schätze', 'Luxus' oder 'Glory', die den Eindruck vermitteln, als hätten die Byzantiner nur Juwelen produziert", erklärt Arne Effenberger. Der Direktor hofft nun, mit der Ausstellung ein richtiges Bild vom Leben in Byzanz zeigen zu können. Deshalb werden auch Alltagsgegenstände in den Mittelpunkt der Ausstellung gerückt, zumal sie so ungewöhnlich sind, wie ein tausend Jahre alter Spielautomat. Auch eine Madonna als Elfenbeinrelief, eines der ältesten Kunstwerke des Bode-Museums, gehört zur Byzanz-Ausstellung.

Viel versprechende Vor-Premiere

Wie ein roter Faden führen die Skulpturen der Gottesmutter durch die Jahrhunderte. Mal als schützende Frau dargestellt, unter deren Mantel sich die Menschen Hilfe suchend flüchten, mal als innig liebende Mutter, mal als Tochter. Die ungewöhnlichste Geschichte von allen hat die Dangoldsheimer Madonna. Ein Brettchen im oberen Teil des Rückens verdeckt eine kleine Aushöhlung. "Wenn ich das öffnen würde, würde ich ein Säckchen finden", erklärt Kunsthistoriker Hartmut Krohm. In diesem Säckchen befindet sich seit 400 Jahren eine Reliquie, mit der nach katholischem Glauben ein besonderer Segen verbunden ist.

Als am 28. November 2005 die Restaurierung abgeschlossen und der Schlüssel übergeben ist, haben Besucher drei Tage lang die Möglichkeit, sich das Kunstschloss in der Spree anzuschauen. Für rund 15 Millionen Euro wurden 70 Räume auf Vordermann gebracht. Die größte Attraktion ist der Tiepolo Raum. Jeden Tag bildet sich eine lange Menschenschlange vor dem Museum, denn die Besucher wollen den lange Zeit verschollenen Raum bewundern. Die 250 Jahre alten Fresken des Meisters aus Venedig werden zum meistfotografierten Objekt. Die ungebrochene Begeisterung der Besucher bei dieser Vor-Premiere lässt darauf schließen, dass die Wiedereröffnung einer voller Erfolg wird.

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