Umstrittene Kulturgüter

Ursprungsländer fordern alte Funde zurück

Das Museum für Vorderasiatische Kunst auf der Museumsinsel ist eine Fundgrube für Architekturen in Originalgröße, ob aus dem heutigen Syrien oder dem ehemaligen Hethiterreich. Doch immer wieder stellt sich die Frage, ob die Kunstwerke nicht in ihre Ursprungsländer gehören.

Löwe im Ischtar Tor
Das Ischtar Tor mit dem Löwen hat noch niemand zurückgefordert.

Ob Ausgrabungen aus Tell-Halaff oder aus dem Felsheiligtum Yazilikaya - das Besondere am Vorderasiatischen Museum ist die Art der Darbietung der Objekte, wie sie Ausgräber entwickelt haben. "In diese Architektur-rekonstruktionen sind dann Funde eingehängt worden", sagt Beate Salje, Direktorin des Vorderasiatischen Museums. "Unsere Objekte kann man nicht als Kunst betrachten. Es sind kulturhistorische Objekte, die in einem Gesamtzusammenhang gezeigt werden können."

Politische Dimension

Aber nicht alle Objekte sind unumstritten. Zum Beispiel die beiden Sphingen von Bogatzköy. Sie wurden 1906 in Anatolien gefunden und in Berlin restauriert. Von der rechten ging das Original nach Istanbul zurück, die andere blieb - so die Annahme Berlins - zu Recht und als Dank für die Restaurierung hier.

"Die türkische Seite bestreitet das und sagt, beide Sphingen sollten eigentlich wieder nach Istanbul zurück", so Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. "Aber die türkische Seite kann auch keinen Beweis dafür bringen, dass es sich so verhält. Alle Monate wieder haben wir eine Note, und wir beugen die Köpfe vor dem Auswärtigen Amt und versuchen die Sache zu klären."

Eine Frage der Moral

Auch andere Objekte werden immer wieder zurückgefordert, wenn auch ohne politisch relevante Dimension, sogar der Pergamonaltar, zum Beispiel vom Bürgermeister von Bergama. Aber hier ist klar: Die Verträge sind damals ohne Zweifel rechtmäßig zustande gekommen und haben bis heute ihre Wirkung nicht verloren. Das einzige, was auch Juristen zu bedenken geben können, sind moralische Fragen, etwa ob die Partner damals immer auf Augenhöhe waren.

"Man hat Verträge zu den damals gültigen Vorstellungen geschlossen", sagt Rainer Wahl, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht. "Die osmanischen Verantwortlichen haben teilweise Gegenleistungen bekommen, die wir heute nicht mehr für besonders groß und sinnvoll halten. Auch diese Idee des Machtgefälles ist keine juristische Frage. Aber sie führt dazu, dass man in allgemeinen kunstpolitischen Überlegungen dem Gedanken nähertreten kann, dass man das eine oder andere zurückgibt."

Verhandlungen mit Griechenland

Ohne jede Aufforderung ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz von sich aus immer wieder dazu bereit, Objekte zurückzugeben. Ein Beispiel seien zahlreiche Objekte aus der Ausgrabung in Olympia im 19. Jahrhundert, besonders im Hinblick auf die Olympiade 2004 in Griechenland, so der Präsident der Stiftung. "Wir haben mit Griechenland eine Abmachung getroffen, dass die Teile des Philipäons wieder zurückgehen und dafür langfristig Leihgaben aus griechischen Museen nach Berlin gegeben werden."

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