Von der Königin zur Herrscherin

Nofretete folgt Echnaton auf den Thron

Für viele Forscher übernimmt Nofretete eine neue Rolle: Auf einer Darstellung schmückt sie Echnaton mit dem Ehrengold, wie es sonst nur der Pharao mit seinem Gott tut. Wird sie zur eigenständigen Regentin an Echnatons Seite?

Echnaton
Echnaton

Als Hauptbeweis gelten Abbildungen in einigen Felsengräbern. Auf ihnen wird ein großes Fest dargestellt. Das Paar sitzt nebeneinander auf dem Thron, alle sechs Töchter stehen hinter ihm. Nofretete wird einer großen Volksmenge präsentiert, wie in einem neuen Amt. Für Dorothea Arnold vom Metropolitan Museum New York stellt eine Wilbour-Plaque, die sich in Brooklyn befindet, ein besonders wichtiges Indiz dar. "Für mich ist ganz deutlich, dass sie die Aktivere ist. Er hat dieses etwas resignierte, späte Gesicht und sie ein enorm aktives."

Mitregentin?

Andere Funde scheinen die These von einer Art Mitregentschaft zu erhärten: Zum Beispiel Stelen, auf denen zwei Könige opfern - und auch die Anzahl der Kartuschen darüber spricht dafür. Die sind nur leider leer geblieben. Sicher belegt ist, dass Echnaton im 17. Jahr seiner Regierung starb. Der steinerne Sarkophag aus seinem Grab steht heute im Garten des Ägyptischen Museums in Kairo. Als ob sie sein Vermächtnis bewahren will, ist an den Ecken Nofretete als Schutzgöttin dargestellt, deren Flügel den Sarg umspannen.

Noch ein Indiz dafür, dass sie Echnaton überlebt hat und ihm nachgefolgt ist, könnte ein kleines Relief sein, das Nofretete beim Erschlagen der Feinde zeigt. "Das ist ein festgelegtes religiöses Programm im Alten Ägypten", erklärt Zahi Hawass vom Ägyptischen Antikendienst. "Jeder König sollte das machen, um sich als Pharao zu bewähren, das war Teil seiner göttlichen Aufgabe. Deshalb ist diese Szene für viele Wissenschaftler der Beweis, dass sie nach dem Tod von Echnaton tatsächlich Königin wurde."

Echnatons Nachfolgerin?

Neuerdings nehmen immer mehr Ägyptologen an, dass tatsächlich eine Königin Echnaton auf den Thron gefolgt ist. Die jüngste Tutenchamun-Ausstellung zum Beispiel zeigt einen prachtvollen Eingeweidesarg aus dem Grab des Pharaos. Bei genauer Betrachtung sieht man, dass hier der Name des Eigentümers verändert worden ist. Vieles spricht dafür, dass zuerst ein anderer Name dort stand, ein vielsilbiger und bedeutungsvoller Name: Anchetcheperure - Neferneferuaton.

"Dass es sich um eine Frau mit dem Namen Ancheperure Neferneferuaton gehandelt hat, kann man auf Grund von Namens-Schreibungen nachweisen. Es gibt in dem Namen Ancheperura ein Feminin-T, nämlich Anchetcheperure", erklärt Andrea Gnirs, Ägyptologin an der Universität Basel. "Im Gespräch sind Meretaton, Kija und Nofretete, die als potenzielle Königin Neferneferuaton in Frage kämen. Auf Grund der wichtigen Position, die Nofretete zur Zeit der Regierung Echnatons am Hofe einnahm, würde es mir sinnvoll erscheinen, in Neferneferuaton Nofretete zu sehen."

Rückkehr auf die Museumsinsel

Wie bei so vielem aus der Amarna-Zeit liegt die letzte Wahrheit im Dunkeln. Vielleicht gibt die Wüste irgendwann die letzten Geheimnisse preis. Noch einmal 3000 Jahre wird die schöne Königin vom Nil jedenfalls nicht in Vergessenheit geraten.

Nach 70 Jahren kehrt die bunte Büste der Königin wieder auf die Berliner Museumsinsel zurück. Bis zum Jahr 2010 wird sie im Alten Museum zu sehen sein, nah dem Pantheon der griechischen Antike, in neuen lichtdurchfluteten Räumen, und wieder nah einer gewaltigen Kuppel - eine neue Attraktion für das Jahrhundertprojekt Museumsinsel.

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