Von Kleinasien nach Berlin

Archäologen graben die Stadt Pergamon aus

Einst stand der Pergamonaltar bei Izmir an der kleinasiatischen Mittelmeerküste über der Ebene von Bergama. Auch heute noch erlebt man dort die Wucht des gewaltigen Fundaments, kräftig genug, um den riesigen Altar zu tragen und ihn weithin sichtbar zu machen. Noch vor 140 Jahren lag Pergamon unter dem Schutt der Jahrhunderte.

Landschaft in Kleinasien
Ursprünglich stand der Pergamonaltar in der Nähe von Izmir.

Carl Humann, Hobbyarchäologe und Ingenieur beim Bau der Straße nach Istanbul, traf 1864 bei Izmir zufällig auf Arbeiter. Sie zerrieben Platten, auf denen Teile eines Reliefs abgebildet waren und verbrannten sie in Kalköfen zu neuem Baustoff. Der ehemalige Burgberg war zum Steinbruch geworden.



Prachtvoller Herrschersitz

Humann erwarb die Platten. Sie gehörten tatsächlich, wie Wissenschaftler in Berlin feststellten, zu dem in byzantinischer Zeit abgerissenen Pergamonaltar. Ab 1878 fand Humann noch über 70 Friesplatten und unzählige Fragmente, die in mittelalterliche Befestigungsmauern eingebaut worden waren. Per Fundteilung ging das meiste davon nach Berlin. Was blieb, war das ebenfalls von Humannn freigelegte Fundament und die Architekturteile. Bei den Arbeiten wurden aber noch zahlreiche Tempel und nicht zuletzt ein riesiges Theater entdeckt. Allmählich entstand ein Bild der hellenistischen Stadt Pergamon.

An die 40.000 Einwohner lebten hier, als 200 bis 100 vor Christus die Könige Eumenes II und Attalos II ihren Herrschersitz zur prachtvollen Residenz ausbauen ließen. Besonders eindrucksvoll ist das Athenaheiligtum mit seiner riesigen Bibliothek. Dazu kamen nicht weniger als fünf Palastanlagen, verschiedene Gymnasien und unterschiedliche Tempel - sowie als Krönung der Pergamonaltar, der vermutlich von 33 Bildhauern geschaffen wurde.

Wohnen in Pergamon

Die Arbeiten von damals sind abgeschlossen. Aber seit 30 Jahren hat ein anderer das Erbe von Humann und seinen Nachfolgern angetreten. Auch Wolfgang Radt gräbt in Pergamon, aber mit einem eigenen Ziel: "Wir haben mit der Fragestellung begonnen, wo haben die Leute hier eigentlich gewohnt und wie haben sie gewohnt?"

Der Archäologe und sein Team begannen an einer Straßenecke am Hang zu graben und hatten Glück. Sie fanden nicht nur Wohnhäuser, sondern auch noch verschiedene andere Gebäude des öffentlichen Lebens.

Ort der Geheimnisse

Der Höhepunkt von Radts Forschungen ist die Teilwiederherstellung des Trajaneums, eines Tempels aus der römischen Kaiserzeit - eine gefeierte Leistung für ihn und das Deutsche Archäologische Institut. Noch immer birgt dieser Ort Geheimnisse, die ans Licht der Gegenwart wollen. Von den Kunstwerken des Athenaheiligtums sind einige der wichtigsten heute Hauptattraktionen im hellenistischen Saal des Pergamonmuseums, zum Beispiel die Athena Parthenos. Zu ihren Füßen liegt ein prächtiges Mosaik, Teil der eindrucksvoll ausgestatteten Palasträume.

Gegenüber ist heute im Museum das repräsentative Eingangstor des Athenaheiligtums und seiner Bibliothek zu besichtigen. Der ganze Raum ist noch so, wie er vor 80 Jahren angelegt wurde, eine Fülle von Architekturbeispielen mit pädagogischer Absicht.

Staunen, Ästhetik, Lernen

Die Anordnung der Kunstwerke erinnert an eine Collage: Ein Objekt oder eine Gruppe von Objekten steht dicht neben der anderen, Säulenpaare stehen sich genau gegenüber. Das ganze funktioniere auf drei Ebenen, erklärt Heilmeyer. "Zuerst einmal das Staunen, dann die Ästhetik, die die Objekte in die richtigen Proportionen zueinander bringt und als drittes das Lernen über die Antike."

Überhaupt ist die Didaktik ein wesentliches Element für das noch heute aktuelle Ausstellungskonzept. Es wurde von dem damaligen Direktor des Antikenmuseums Theodor Wiegand und seinen Mitarbeitern entworfen. "Die Architekten haben ganz kleine Türen gemacht in diesem Haus", sagt Heilmeyer. "Das bedeutet psychologisch: Sie kommen durch eine kleine Tür - und Sie staunen."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet