Zum Restaurieren in den Keller

Eisendübel bedrohen den Pergamonaltar

Die Marmortafeln des Pergamonaltars müssen restauriert werden. Über 100 der überlebensgroßen Gestalten verschwinden in den Tiefen des Museums. Eine riesige Herausforderung - selbst für Silvano Bertolin, einen der erfahrensten Steinrestauratoren Europas.

Fries des Pergamonaltars
Auch der "Kampf der Götter" im Fries des Pergamonaltars ist gefährdet.

Bisher hat Bertolin Teile des Aphaia-Tempels aus Ägina wiederhergestellt, die Skulpturen des Prado und vieles andere mehr. Mit sicherem Instinkt spürt er in den Hunderten von Teilen die unsichtbaren Eisendübel auf, mit denen man vor Jahrzehnten die Fragmente zusammengesetzt hat. "Eisendübel vergrößern ihr Volumen durch Feuchtigkeit. Dann sprengen sie den Stein", sagt Bertolin. "Wenn sie damals Edelstahldübel genommen hätten, wäre wahrscheinlich nichts passiert."

Neuentdeckungen

Die zerlegten Teile werden für mehrere Tage ins Wasserbad gelegt, vor allem, um sie von dem Zement zu lösen, mit dem sie einst verklebt worden sind. Anschließend beginnt die Feinreinigung, dann wird alles erneut behutsam zusammengesetzt. Bei den vielen Bruchstücken, die noch von früher im Depot liegen, gelingt es dabei immer wieder, zu neuen Zuordnungen zu kommen. Wenn die Friesteile an ihren alten Ort zurückkehren, sehen sie manchmal ganz anders aus als vorher.

Ein Beispiel hierfür bietet die Aphrodite vom Fries der Nordwand. Bis zur letzten Restaurierung hatte sie einen Kopf. Bei der jetzigen Wiederherstellung haben die Experten festgestellt, dass der Kopf gar nicht zu ihr gehören kann, da er über die Plattenfuge ragt. Jetzt ist Aphrodite kopflos.

Politische Architektur

Eine andere Szene zeigt den Kampf der Götter gegen die Giganten. Der Fries ist um 170 vor Christus entstanden, als Dank an die Götter. Pergamon hatte nach einem jahrzehntelangem Kampf die feindlichen Barbaren, die Gallier, vernichtend geschlagen.

Der ganze Fries ist eine 120 Meter lange Momentaufnahme. Im Zentrum stehen Zeus und Athena. Zu beiden Seiten verschlingen sich Hunderte von Leibern in wütendem Kampfgetümmel ineinander. Die Giganten verzerren ihre Gesichter vor Schmerz - ein letztes Aufbäumen vor dem Untergang. Die Götter zeigen sich zwar ohne sichtbare Kraftanstrengung, aber nicht minder grausam in der Wahl ihrer Mittel. Das Ganze ist weniger Schmuck für einen heiligen Ort als politische Architektur. Vielleicht werden in den Katakomben des Pergamonmuseums noch weitere Dinge entdeckt, die zusammengehören.

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