Der Mensch vergisst, was er isst

Herausforderung Wissenserosion

Fisch und Chips

Dokumentation | planet e. - Der Mensch vergisst, was er isst

Am Ende des Jahrhunderts werden zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Sind sie zum Hungern verdammt? planet e. zeigt Menschen die versuchen, neue Wege zur Lösung des Hungerproblems zu gehen.

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Ein Kommentar von Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und Präsident der Stiftung NatureLife-International.

Wer kennt und erkennt noch die auf unseren Äckern reifenden Getreidesorten, die Gerste mit ihren langen Grannen oder den Hafer mit seinen wogenden Rispen? Wer weiß, wozu die verschiedenen Getreidesorten verwendet werden? Wie macht man einen Kartoffelsalat? Oder wer geht noch mit dem Großvater in den Weinberg oder zum Apfelauflesen und erhält so ganz nebenbei Informationen über die Tiere auf den Obstwiesen und die Wildpflanzen am Wegesrand?

Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und Präsident der Stiftung NatureLife-International
Claus-Peter Hutter, Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg

Viele Kinder und Jugendliche kennen heute mehr Handyklingeltöne als Vogelstimmen und mehr Automarken als Pflanzenarten. Immer weniger junge Menschen können dagegen von eindrucksvollen Naturerlebnissen berichten oder kennen typische heimische Nutzpflanzen und Nutztiere. Ähnliches gilt auch für ökologische Zusammenhänge und Kreisläufe. Gerade in der Generation der Heranwachsenden wird die sogenannte „Wissenserosion“ ganz besonders deutlich, die zunehmende Naturentfremdung und die schwindenden Kenntnisse in weiten Bereichen des Natur- und Alltagswissens.

Warum ist es so schlimm, wenn Kinder sich in der Natur nicht mehr so gut auskennen, dafür aber mit Technik oder Internet? Die Antwort ist einfach: Der Wissensverlust ist eine Ursache für andere Probleme oder für den Mangel an Problemlösungen. Fachkenntnisse und -wissen sind nämlich ebenso wie persönliche emotionale Erfahrungen Grundvoraussetzungen für die Ausbildung eines Bewusstseins - für Umweltbelange, für gesunde Ernährung, für die vielfältigen Zusammenhänge und Vernetzungen und somit auch für die nachhaltige Entwicklung.

Gerade von diesem Bewusstsein hängt ganz maßgeblich die Motivation und Bereitschaft einer Person ab, auch entsprechend zu handeln. Nachhaltigkeit braucht also das Problembewusstsein und die Handlungskompetenz des Einzelnen.


Bei einer nachhaltigen Ernährung kann es deshalb nicht allein darum gehen, den Hunger nach etwas Essbarem zu stillen. Es geht auch darum, Themen der Ernährung, der Nachhaltigkeit und der Umweltvorsorge zu verbinden. Es geht darum, die zahllosen Verknüpfungen zwischen unserem Essen, der landwirtschaftlichen Erzeugung, der Landschaft, der Natur, dem Klimaschutz oder dem Erhalt der biologischen Vielfalt aufzuzeigen. Es geht darum, durch eine umfassende Aufklärung letztendlich die Selbstkompetenz vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen zu stärken.


Wie in vielen Bereichen der Umweltvorsorge können wir zwar mit Innovation und Technik viel erreichen, stoßen aber meist irgendwann an den Punkt, wo auch die Menschen ihr Verhalten ändern müssen. Eine gewisse Einsicht ist dafür unabdingbar: Unsere schützenswerte Natur muss dafür erst einmal als solche erkannt, verstanden und geschätzt werden. Wenn wir nicht schon unseren Kindern und Jugendlichen eine Beziehung zu Natur und Umwelt vermitteln, finden wir künftig auch keine Erwachsenen mehr, denen Klimaschutz, Naturschutz, Umweltvorsorge, biologische Vielfalt und nachhaltige Entwicklung am Herzen liegen und die sich dafür engagieren!

von Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und Präsident der Stiftung NatureLife-International

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