Was nun, Stromkonzerne?

Dokumentation | planet e. - Was nun, Stromkonzerne?

Auf mindestens 47,5 Mrd. Euro werden die Kosten des Atomausstiegs geschätzt. 40 Mrd. Euro zahlen die Konzerne, den Rest der Steuerzahler. Der zahlt auch drauf, falls das Geld nicht reicht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.05.2017, 14:45

Ein Beitrag von Dr. Nadja Kaltwasser, Redakteurin des 3sat-Wirtschaftsmagazins "makro", zur Zukunft der Energiekonzerne.

Die großen Stromkonzerne klagen viel in der letzten Zeit, zum Beispiel vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Atomausstieg. Aber auch sonst beschweren sie sich: Die Energiewende untergrabe ihr Geschäftsmodell. Die beiden größten, E.on und RWE, hatten zuletzt deutliche Verluste verzeichnet.  Doch während die Energieriesen die Gründe für ihre Probleme in der Energiepolitik und den sinkenden Strompreisen sehen, glauben Kritiker, dass sie sich einfach nicht ausreichend den neuen Zeiten angepasst hätten.

Der Energie- und Wirtschaftswissenschaftler Uwe Leprich meint: „RWE hat viele wichtige Entscheidungen in den letzten 20 Jahren versäumt, nämlich die Weichenstellung Richtung erneuerbare Energien, die Weichenstellung Richtung dezentralere kleinere Anlagen, weg von den fossilen und zwar vor allen Dingen von der Braun- und Steinkohle. Und das rächt sich jetzt.“


Aufs falsche Pferd gesetzt

Und wohl nicht nur bei RWE. Nachdem „sauberer“ Strom immer günstiger wird, wird der konventionelle Strom für die Konzerne immer unrentabler. Die Stromkonzerne haben aufs falsche Pferd gesetzt: Bei RWE stammen nur 5 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, bei E.on sind es 15 Prozent. Bundesweit liegt der Anteil an „sauberem“ Strom deutlich höher. 2015 betrug er bereits 35 Prozent an der öffentlichen Nettostromerzeugung. Die „großen vier“ RWE, E.on, Vattenfall und EnBW haben Marktanteile verloren. Und der Börsenwert von E.on sank seit 2007 um rund 85 Prozent,  der von RWE sogar um ca. 90 Prozent.


Jetzt kommen noch die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Endlagerung des Atommülls. E.on und RWE wollen reagieren und haben sich entschieden, sich jeweils aufzuspalten. RWE bündelt die Zukunftsgeschäfte Vertrieb, Netze und Ökostrom in einer Tochtergesellschaft namens „Innogy“. Die soll nach dem Willen des Konzerns noch in diesem Jahr an die Börse gehen. E.on spaltet das konventionelle Geschäft in seine Tochter „Uniper“ ab, während der Mutterkonzern sich auf erneuerbare Energien, Vertrieb und das Netzgeschäft konzentriert. Auch Uniper soll an die Börse gebracht werden. Vattenfall und EnbW scheinen keine Pläne in Richtung einer Aufspaltung zu machen.


Es bleibt allerdings die Frage, ob es für neue Strategien nicht auch bereits zu spät ist.


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