Dreharbeiten mit Hindernissen

Verschlossene Türen und unerwartete Einblicke in Europas Atomkraftwerke

Hartmut Idzko berichtet über die Dreharbeiten zur Dokumentation "Risiko Atomkraft - Pannenmeiler in Europa"

Bei Recherchen über das Thema Kernkraft stößt man schnell auf besonders verschlossene Türen. Speziell als Fernsehjournalist fühlt man sich von den Pressestellen der Betreiberfirmen und Aufsichtsbehörden behandelt wie ein Wegelagerer, ein Bettler. Die Pressestellen leisten gute Presseverhinderungsarbeit. Sämtliche Anfragen um Drehgenehmigung wurden grundsätzlich abgelehnt. So geschehen in der Schweiz, in Frankreich und in Belgien. Und wehe, das Kamerateam stellt die Kamera außerhalb des Werksgeländes auch nur in der Nähe der riesigen Zäune und Mauern auf: Der Werkschutz ist schnell da und vertreibt mit zusätzlicher Hilfe der örtlichen Gendarmerie.

Drehabsage wegen "heute Show"- Witz

In Belgien wurden auch sämtliche Interviewanfragen abgewiesen. Besonders krass die Begründung der belgischen Atomaufsichtsbehörde: Da die „heute show“ des ZDF sich in einer Sendung über die Behörde lustig gemacht hatte, werde man nicht mehr mit dem ZDF zusammenarbeiten. Pressefreiheit in Europa.


Die „heute show“ hatte darüber Witze gerissen, dass ein ehemaliges Vorstandsmitglied des belgischen Kernkraftbetreibers „electrabel“ zum Chef der Atomaufsichtsbehörde gekürt wurde. Die Atomaufsichtsbehörde soll die Kernkraftwerke kontrollieren. Angesichts der Gefahr, die von den belgischen Kraftwerken wegen deren Altersschwäche ausgeht, ein handfester Skandal. Die Witze der „heute show“ waren dagegen richtig nett.

Einzelzellen nach Drohneneinsatz

Hartmut Idzko
Hartmut Idzko, Autor der Doku "Risiko Atomkraft - Pannenmeiler in Europa"

Zutritt zum Kraftwerk verboten, vom Zaun vertrieben, keine Interviews - doch wir brauchen Bilder. Also versuchten wir es aus großer Distanz mit einer kleinen Kameradrohne. In jedem Fotoladen erhältlich, liefern diese Dinger sendefähige Bilder.


Die Drohne war gerade wieder sicher gelandet, als wir plötzlich von sechs Uniformierten eingekreist wurden. „Mitkommen, sie sind verhaftet“ das harsche Kommando. Alle Erklärungsversuche, Pressedokumente, Ausweise scheiterten. Drohneneinsatz ist in Belgien verboten. Ganz schnell saßen wir in Einzelzellen der Polizeiwache. Nach vier Stunden durften wir wieder gehen. Keine weiteren Erklärungen. Nur die Kameradrohne ist futsch - sie wurde einbehalten als Beweisstück.

Pressearbeit in der Ukraine

Übrigens: In der Ukraine werden ausländische Teams anders behandelt. (Dabei hat die „heute show“ auch schon viele Witze über das Land gerissen.) Dort durften wir im Innern des größten Atomkraftwerks in Europa drehen, was wir wollten, man gab freimütig Auskunft, beantwortete jede noch so kritische Frage. Und das Kraftwerk hat sehr viele Probleme. So geht Öffentlichkeitsarbeit auch - selbst im Hochsicherheitstrakt Kernkraftwerk.

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