Nomaden der Lüfte in Not

Immer weniger Lebensraum für Storch & Co.

Störche

Dokumentation | planet e. - Nomaden der Lüfte in Not

Vorschau auf die planet e.-Doku über Störche in Rühstädt. Sendetermin der kompletten Doku: Sonntag, 24.05.2015 um 14.40 Uhr.

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Ein Kommentar von Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur.

Wer freut sich nicht, wenn er im Frühjahr die ersten Störche über die Wiesen staksen sieht? Wo Störche wie im Europäischen Storchendorf Rühstädt in größeren Kolonien brüten, ist die Kulturlandschaft noch intakt und von hohem ökologischen Wert. Weißstörche bevorzugen großflächige Feuchtwiesen, Flussniederungen mit zeitweisen Überschwemmungen und Sümpfe. Aber gerade diese wertvollen Lebensräume sind heute selten geworden. Jeden Tag verschwinden in Europa mehrere Hundert Hektar artenreicher Wiesen und Weiden! Feuchte Standorte werden entwässert, es wird gedüngt, gespritzt und Wiesen werden bis zu sechsmal im Jahr gemäht oder sogar zu Äckern umgebrochen. Auf der anderen Seite lassen Landwirte jene Standorte brach fallen, die sich für eine Intensivierung nicht eignen. Vor allem feuchte Standorte gehören dazu. Die für die europäische Kulturlandschaft so typischen Wiesenlandschaften verbuschen so zunehmend und verwandeln sich nach und nach in Wälder. Damit verlieren neben dem Storch auch zahlreiche andere Zugvögel ihre Lebensgrundlagen.

Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur.
Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur Quelle: EuroNatur


Doch nicht nur in den Brutgebieten wird der Lebensraum für die Zugvögel immer knapper. Auch auf dem langen Zug zwischen ihren Sommer- und Überwinterungsquartieren gibt es immer weniger intakte Rastplätze, wo die Nomaden der Lüfte ausreichend Nahrung finden und neue Kräfte für die Weiterreise tanken können. Wer schon einmal versucht hat, 1.500 Kilometer mit dem Auto zu fahren, ohne unterwegs zu tanken oder sich auszuruhen, weiß, dass das unmöglich ist. Doch dies ist genau das Szenario, dem Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Brutplatz und Winterquartier oft ausgesetzt sind. Ganz besonders brisant ist die Situation entlang des sogenannten Adriatic Flyway, der über den Balkan nach Afrika führt. Nach Untersuchungen von EuroNatur sind allein in dem schmalen Küstenstreifen entlang der östlichen Adria zwischen der Soca-Mündung bei Triest und der albanisch-griechischen Grenze in den vergangenen 60 Jahren drei Viertel der Feuchtgebietsflächen zerstört worden.

In den wenigen verbleibenden Feuchtgebieten konzentrieren sich Scharen von Vogeljägern. Studien der letzten Jahre zeigen, dass jährlich weit mehr als zwei Millionen Vögel entlang der Adriaküste in den sicheren Tod fliegen. Arten wie Uferschnepfe und Moorente drohen in Deutschland zu verschwinden, denn die Abschüsse auf dem Zugweg über die Balkanhalbinsel verringern jedes Jahr ihre Bestände. Selbst Vogelarten, die nicht auf der Abschussliste stehen, kommen nicht ungeschoren davon: Sie werden durch die Jagd bei ihrer Rast empfindlich gestört und verlieren so wertvolle Energiereserven für das Brutgeschäft. Viele Tiere überleben ihren Zwischenstopp nicht.

Störche
Zugvögel brauchen ein Netzwerk aus sicheren Lebensräumen. Quelle: dpa

Um die Artenvielfalt der Zugvögel in Europa zu erhalten, müssen wir ein Netzwerk aus sicheren Lebensräumen schaffen. Dies können wir nur erreichen, wenn wir die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern sowie zwischen staatlichen Institutionen, Naturschutzverbänden und den Menschen vor Ort stärken. Im Falle des Weißstorchs steht die von EuroNatur gegründete Initiative der „Europäischen Storchendörfer“ dafür exemplarisch. Sie schafft eine wachsende Allianz für den Schutz der Großvögel und setzt einen Gegenpol zum steigenden Lebensraumverlust für Weißstörche in Europa. Seit 1994 zeichnet die Stiftung Dörfer und Gemeinden als „Europäisches Storchendorf“ aus, in denen viele Störche leben und die sich vorbildlich für den Storchenschutz einsetzen. In Deutschland ist das im Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe Brandenburg“ gelegene Dorf Rühstädt seit 1996 Teil des Netzwerks.

von Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur

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