Herausforderungen in der Zoonosenforschung

Eine Virologin über ihren Traumberuf

Von der Laborarbeit in Deutschland bis zur Freilandforschung in entlegenen Gebieten der Welt: Dr. Isabella Eckerle berichtet über die vielfältigen Facetten ihrer Arbeit als Virologin.

Dr. Isabella Eckerle, Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Institut für Virologie in Bonn
Dr. Isabella Eckerle, Institut für Virologie Bonn

Als Forscherin auf dem Gebiet der Zoonosen entdecke und beschreibe ich neue zoonotische Viren – also jene Erreger, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler viele neue Viren in Tieren entdeckt. Für viele können wir noch nicht einschätzen, ob die Erreger tatsächlich eine Gefahr für den Mensch darstellen oder nur Tiere betreffen. Diese Frage ist ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit: Welche der Viren könnten in Zukunft eine Gefahr für den Mensch darstellen und beispielsweise eine Epidemie wie Ebola oder das MERS-Corona-Virus auslösen? Und welche Viren haben es vielleicht schon unbemerkt geschafft, Nutztiere oder sogar Menschen zu infizieren?

In unserem Institut in Bonn lege ich deshalb Gewebekulturen von Fledermäusen an, um zu untersuchen, wie sich neue Viren in ihrem natürlichen Wirt verhalten. Damit möchten wir verstehen, warum wir oft durch zoonotische Erreger stark erkranken, während die natürlichen Wirtstiere in der Regel nicht darunter leiden. Ebenso untersuchen wir Gewebe und Blutproben von verschiedenen Wild- und Nutztieren sowie von Menschen, die engen Kontakt mit den Tieren haben. Unser Ziel dabei: Hinweise auf eine mögliche Infektion finden.

Arbeit in entlegenen Gebieten

Training für den Umgang mit infektiösem Material in Ghana
Training der Mitarbeiter im Umgang mit infektiösem Material in Ghana

Die Proben, die wir untersuchen, stammen von Säugetieren wie Fledermäusen und Nutztieren aus den verschiedensten Regionen der Welt: zum Beispiel aus Süd- und Mittelamerika, außerdem Afrika. In Kooperation mit einheimischen Wissenschaftlern sammeln wir Proben, die wir in unserem Institut in Bonn analysieren. Obwohl wir sonst hauptsächlich im Labor arbeiten, besuchen wir deshalb regelmäßig die Projekte im Ausland. Forschungsarbeit in Ghana oder Gabun unterscheidet sich jedoch stark von der Arbeit, wie wir sie in Industrieländern gewohnt sind. Vor Ort sind wir oft mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Weite Transportwege, unzureichende Stromversorgung, fehlende Kühlmöglichkeiten und der Mangel von Laborreagenzien. Oft bewegen wir uns bei unserer Arbeit in unwegsamen, abgelegenen Gebieten wie etwa im Regenwald. Zudem kann ich auch krank werden und muss mich deshalb selbst mit Medikamenten und Impfungen vor verschiedenen Tropenkrankheiten schützen.

Die Arbeit ist anstrengend, und dennoch: Es ist auch aufregend in verschiedenen Regionen der Welt zu forschen und die vielfältigsten Aspekte von Infektionskrankheiten selbst untersuchen zu können. Besonders fasziniert mich, dass wir weit über die Grenzen der verschiedenen Disziplinen hinaus tätig sind – das heißt, Humanmediziner wie ich, Tiermediziner, Biologen und Ökologen arbeiten zusammen an gemeinsamen Fragestellungen. Das ist enorm wichtig, denn Infektionserreger unterscheiden nicht zwischen Mensch und Tier. Wir sind eine Säugetierspezies unter vielen und ein mögliches neues Ziel für zoonotische Viren – vor allem, weil wir überall auf der Welt in Vielzahl leben. Statt eine Spezies zu untersuchen, muss ich den Mensch in einen Kontext aus Umwelt und Wildtieren integrieren und verstehen. Die Arbeit als Virologin ist deshalb für mich der spannendste Beruf, den ich mir vorstellen kann!

Von Dr. Isabella Eckerle, Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Institut für Virologie in Bonn

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