Ausgebrummt - Insektensterben in Deutschland

Doku | planet e. - Ausgebrummt - Insektensterben in Deutschland

Das Insektensterben in Deutschland nimmt dramatische Formen an. Welche Folgen hat dies für die Umwelt, und welche Lösungen gibt es?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.09.2018, 16:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Das Sterben der Insekten löst eine Kettenreaktion aus. Auch die Vögel sind dann bedroht, weil es immer weniger Nahrung für sie gibt. Allein die Zahl der Vogelbrutpaare in agrarwirtschaftlichen EU-Gebieten hat sich in den vergangenen Jahren nach Angaben der Bundesregierung um 57 Prozent verringert. Einige Arten sind regional völlig verschwunden.

Sendezeit

Wer in den 80ern mit dem Auto auf Straßen zwischen Feldern und Wäldern fuhr, der hatte schnell ein Problem: Die Windschutzscheibe war voll mit toten Insekten, die Sicht schlecht. Heute ist dies nicht mehr so. Was sich erst mal wie eine positive Nachricht für Autofahrer anhört, ist in Wirklichkeit ein deutliches Zeichen für eine erschreckende Entwicklung: Insekten sterben aus.

Honigbiene an einer Obstblüte
Honigbiene an einer Obstblüte Quelle: imago/blickwinkel

Für den Menschen ein Problem. Ohne "Bestäuber" können zahlreiche Lebensmittel nicht mehr oder nur unter kostenintensiven Umständen produziert werden. Die Ernährung von Millionen Menschen ist in Gefahr. Es ist ein schleichender Prozess, aber die Entwicklung ist dramatisch.

Allein die Biomasse der Insekten Nordrhein-Westfalens hat sich, dies ergaben Messungen an 88 Standorten, um bis zu 80 Prozent verringert. Ein Wert, der sich allein auf die vergangenen 15 Jahre bezieht. Noch nie wurde ein solcher Verlust beobachtet – auch nicht zu Zeiten von DDT-Einsatz in der Landwirtschaft.

Und wo keine Insekten mehr sind, da sind auch bald keine Vögel mehr. Der Wiedehopf zum Beispiel ist kaum noch zu sehen. Professor Peter Berthold, Deutschlands wohl bekanntester Ornithologe, ist über die Situation schier verzweifelt. Seine Empfehlung an die Bevölkerung: "Hängen Sie das ganze Jahr über Meisenknödel auf, da sonst viele Vögel verhungern. Gerade im Frühling, wenn es auch noch den Nachwuchs zu versorgen gilt."

Doch wo liegen die Ursachen für das Insektensterben? "planet e." geht auf Spurensuche. Schnell wird klar: Es gibt nicht nur einen Grund. Ganz vorn dabei: die Intensivierung der Landwirtschaft. Immer größer werden die Flächen, immer mehr Monokulturen entstehen. Strukturreiche Landschaften werden vernichtet, Biotope zerstört. Auch der Einsatz von Pestiziden ist problematisch. Selten werden die realen Lebensverhältnisse bei Insekten berücksichtigt, dadurch wird die erlaubte Dosis viel zu hoch bemessen.

Menschliche Bestäuberin auf einem Birnbaum (China, Sichuan)
Menschliche Bestäuberin auf einem Birnbaum in Sichuan. Quelle: ZDF/Norbert Porta

Zusammen mit der Veränderung der Kulturlandschaften haben insbesondere die Spezialisten unter den Insekten wegen des Klimawandels kaum Zeit zur Anpassung und sterben aus. Der Einsatz großer Mengen von Dünger, die zunehmende Lichtverschmutzung in unseren Städten und der stetig anwachsende Verkehr geben den Insekten den Rest.

Wie Landschaften ohne Insekten aussehen, zeigt "planet e." beim Besuch in der chinesischen Provinz Sichuan. Diese ist nicht nur für ihre Pandas bekannt, sondern auch für ihre saftigen Birnen. Doch seit einigen Jahren fehlen die Bienen als Bestäuber. Menschen müssen ihre Arbeit übernehmen und bestäuben die Blüten mit kleinen Pinseln aus Entendaunen.

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Team

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