Das Windkraft-Dilemma

Doku | planet e. - Das Windkraft-Dilemma

Windkraft - sauber, aber hoch umstritten: Ärgernis im Landschaftsbild, Lärmhorror in Ortsnähe, Albtraum für Vogelschützer. Die Folge: Akzeptanzverlust. Wie geht es weiter mit der Windkraft?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.10.2018, 15:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Die Windkraft ist die umstrittenste der erneuerbaren Energien und zugleich lukrativ. Die EEG-Umlage garantiert über Jahre hohe Einkünfte. Künftig sollen die Bürger mehr von dem Geschäft profitieren. So will es die Politik.

Sendezeit

Die Bürger für die Windkraft gewinnen – das kann gelingen, wenn möglichst viele Menschen am Gewinn teilhaben können, und zwar mit sogenannten Bürgerwind-Gesellschaften. Sie werden bevorzugt genehmigt. Doch die Profis der Branche kennen Schlupflöcher. Nach Recherchen von "planet e." nutzen sie die Bevorzugung der Bürgerwind-Gesellschaften aus, um an lukrative Aufträge zu kommen – an den Bürgern vorbei. Nicht überall, wo Bürgerwind draufsteht, ist also auch Bürgerwind drin.

Gegenwind der Bürger

Das ärgert Susanne Kirchhof aus Schleswig-Holstein schon lange. Windräder seien kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern dienten allein dem Profit der Betreiber, kritisiert die Vorsitzende des Vereins "Gegenwind" in Schleswig-Holstein. Ihr selbst wurde ein Windpark vor die Nase gesetzt. Seither kämpft sie mit ihrer Familie gegen den Lärm und befürchtet gesundheitliche Folgen durch den nahe gelegenen Windpark. Der Bürger sei vollkommen außen vor, bemängelt Kirchhof die Umsetzung der Energiewende.

Zudem sei die Windkraft eine Energieform, die nicht sicher sei. Wenn kein Wind wehe, gebe es keinen Strom. Solange es nicht ausreichend Speichermöglichkeiten gebe, solle der Windkraftausbau gestoppt werden, ist Kirchhofs Meinung. Außerdem sei mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien der Strompreis rasant gestiegen. Die ärmeren Bevölkerungsschichten könnten sich die Energiewende kaum mehr leisten, mahnt die Kritikerin.

Ausnahmeregeln für Bürgerwind-Gesellschaften

In der Tat laufen die Kosten für die Energiewende seit Jahren aus dem Ruder. Dem steuert die Politik mittlerweile entgegen. Seit 2017 gibt es keine festen Umlagen mehr. Wer Windkraftanlagen bauen will, muss jetzt an Ausschreibungen teilnehmen. Wer den günstigsten Preis anbietet, bekommt den Zuschlag. Die Politik will damit die Windenergie an ein marktwirtschaftliches System heranführen. Künftig soll der Markt den Preis bestimmen. Damit erhofft man sich auch sinkende Strompreise. Doch diese Ausschreibungsrunden sind hart. Unternehmen müssen sämtliche Genehmigungen für ein Projekt vorweisen – ohne zu wissen, ob sie am Ende zum Zuge kommen oder nicht. Damit gehen sie ein hohes unternehmerisches Risiko ein. Planungskosten für einen Windpark gehen schnell in die Hunderttausende.

Für so genannte Bürgerwind-Gesellschaften gelten dagegen andere Regeln. Sie müssen keine Genehmigungen vorweisen und haben damit keine hohen bürokratischen Hürden. Das Ziel: die Bürger sollen sich an der Windkraft beteiligen und davon profitieren. Diese Regeln wirkten sich aus. In der ersten Ausschreibungsrunde kamen von 70 Projekten 65 Bürgerprojekte zum Zug. Auch in der zweiten Ausschreibungsrunde im August haben wieder viele Bürgergesellschaften Zuschläge bekommen. Ein großer Erfolg für die Politik. Das Ziel „Bürgerwind“ ist mit den Ausschreibungen erfolgreich. Doch nicht überall, wo Bürgerwind draufsteht, ist auch Bürgerwind drin. In der 2. Ausschreibungsrunde haben mehr als 40 Bürgerenergiegesellschaften einen Zuschlag bekommen, die denselben professionellen Projektentwickler haben. Über die Hintertür wird das Projekt Bürgerbeteiligung umgangen, um an lukrative Aufträge zu kommen, sagen Kritiker des Ausschreibungssystems. Es sei ein unfairer Wettbewerb – Äpfel würden mit Birnen verglichen.

Mehr Zeit bis zur Umsetzung

Bürgerenergiegesellschaften genießen neben der vereinfachten Bewerbung im Ausschreibungsverfahren ein weiteres Privileg. Sie haben länger Zeit. Bürgerenergiegesellschaften können viereinhalb Jahre warten, bis sie ihre Windräder bauen. Professionelle Investitionsgesellschaften haben nur zwei Jahre Zeit. Das wirkt sich auf das Preisgebot schon jetzt aus. Der technische Fortschritt wird es ermöglichen, dass Anlagen in vier Jahren wesentlich effektiver arbeiten können als in zwei Jahren.

Dieser Zeitvorteil für Bürgerenergiegesellschaften könnte auch zum Nachteil von Windkraftherstellern werden, befürchtet Matthias Zelinger vom Verband der Anlagenhersteller. Er erwartet in den nächsten zwei Jahren einen Produktionseinbruch, weil viele Gesellschaften bei der Realisierung der Windparks ihren Zeitkorridor ausreizen werden. Einige Hersteller haben bereits Stellenkürzungen angekündigt.
Viele in der Branche rechnen damit, dass die Hälfte aller Projekte erst gar nicht verwirklicht wird. Dann aber werden die Ausbauziele der Bundesregierung für die Energiewende bei weitem nicht erreicht.

Die Dokumentation beschreibt, in welcher Misere die Windkraft derzeit steckt und fragt nach Lösungswegen, damit die Energiewende schneller als bisher vorankommt.

Interviews mit den Protagonisten

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