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Deutschland im Abgas-Stress

Doku | planet e. - Deutschland im Abgas-Stress

Schon seit 2010 schreibt eine EU-Richtlinie saubere Luft in unseren Städten zwingend vor. Doch die Luft ist schlecht. Der Diesel soll daran die Hauptschuld tragen. Kann das stimmen?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.02.2019, 11:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2018

Tatsache ist: Rund 46 Prozent aller verkehrsnahen Messstationen stellten im Jahr 2017 eine zu hohe Stickstoffdioxid-Konzentration in der Luft fest. Noch immer also werden die Grenzwerte viel zu oft gerissen. Ursachen dafür gibt es aber viele.

Kurzfristig können die Grenzwerte nur durch ein Dieselfahrverbot erreicht werden, sagen Umweltschützer. Möglicherweise müssen Dieselfahrer nun ausbaden, was Politiker jahrelang versäumt haben. Düsseldorf beispielsweise hat einen Luftreinhalteplan, dennoch werden die Grenzwerte nicht eingehalten. "Die Stadt hat jahrelang nicht das Nötige getan, um den Verkehr zu reduzieren, um die Pendlerströme in der Stadt zu reduzieren", meint Dirk Jansen vom Umweltverband BUND. Die Grenzwerte bei Stickstoffdioxid wurden überschritten, obwohl die Hersteller von Dieselfahrzeugen geringe Abgaswerte angegeben haben. Dieser Widerspruch ist offenbar niemandem bisher aufgefallen.

Dicke Luft kommt auch aus Kraftwerken, Industrieschloten und Kaminen - mit Folgen, unter denen viele Menschen zu leiden haben. Karl-Heinz Schempershauwe ist einer von ihnen. Er wohnt in Gelsenkirchen, hat ein Leben lang Feinstaub und Abgase eingeatmet. Jetzt hat er Asthma. Ein besonders heftiger Anfall hätte ihn einmal fast das Leben gekostet. Besonders Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter der schlechten Luft. Aber auch Gesunden, die an viel befahrenen Straßen leben, droht Gefahr. Das haben Forscher wie Prof. Barbara Hoffmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Studien belegt: Menschen in dicker Luft sterben, statistisch gesehen, früher.

Dabei kann ein Dieselmotor der neuesten Generation, rein technisch gesehen, sehr sauber sein, wie Prof. Christian Beidl von der TU Darmstadt gegenüber "planet e." erklärt. Dass die Technik nicht schon früher verwendet wurde, hat laut Beidl mit Versäumnissen des Gesetzgebers zu tun, der die strengeren Abgasmessungen erst sehr spät eingeführt habe. Deshalb fahren Dieselfahrzeuge auf unseren Straßen, die nur auf dem Papier gute Abgaswerte haben - wie der Golf von Unternehmensberater Jörg Haag. Wie viele andere Kunden auch, fordert er von VW Schadensersatz. Er habe geglaubt, ein umweltfreundliches Auto gekauft zu haben. Nebenbei hat sein Wagen durch die Affäre massiv an Wert verloren.

Entscheidung über Fahrverbote

Am 22. Februar wurde vor dem Bundesverwaltungsgericht über Fahrverbote als mögliche Maßnahme zur Einhaltung der Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft verhandelt. Doch eine Entscheidung wurde noch nicht gefällt - nach mehrstündiger Verhandlung vertagte das Bundesverwaltungsgericht dies auf den 27. Februar.

Das Urteil könnte bundesweite Signalwirkung haben. Es geht vor allem darum, ob Diesel-Fahrverbote nach geltendem Bundesrecht überhaupt zulässig sind. Also ob Städte Verbote nach geltendem Recht eigenmächtig anordnen können - oder ob es neue, bundeseinheitliche Regeln geben muss, um Schadstoff-Grenzwerte einzuhalten.

Verhandelt wird über eine so genannte Sprungrevision der Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gegen Urteile der Verwaltungsgerichte in Stuttgart und Düsseldorf. Diese hatten nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Behörden verpflichtet, ihre Luftreinhaltepläne so zu verschärfen, dass Schadstoff-Grenzwerte möglichst schnell eingehalten werden. Sollte das Bundesverwaltungsgericht die Revisionen zurückweisen, würden die Richter Fahrverbote für zulässig erklären. Ob es diese dann auch tatsächlich gibt, liegt aber an den Städten und Bezirksregierungen.

Welche Automodelle erfüllen die Euro-6d-Abgasnorm, und ab welchem Zeitpunkt stehen sie im Handel zum Verkauf? Wir haben nachgefragt – hier die Antworten der Hersteller, die wir per E-Mail erhalten haben:

Interviews zur Situation in Düsseldorf

Seit der Klage der Deutschen Umwelthilfe steht Düsseldorf unter Druck. Genau wie mindestens 66 andere Städte bekommt sie die Stickstoffdioxidwerte nicht in den Griff, an zwei Messstellen liegen sie deutlich über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. Im Interview erklären Thomas Geisler, Oberbürgermeister von Düsseldorf, und Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), welche Maßnahmen aus ihrer Sicht nötig sind.

Interview mit Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann

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