Dicke Luft in den Städten

Doku | planet e. - Dicke Luft in den Städten

Es herrscht dicke Luft in Deutschlands Städten: Die zulässigen Grenzwerte werden nicht eingehalten. Mit drastischen Folgen: Vor allem Stickoxide und Feinstaub gefährden unsere Gesundheit.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.09.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Die Umweltzonen werden immer größer, doch die Luftschadstoffe lassen sich nicht effektiv genug eindämmen. Viele Bürger sind verunsichert, wie es weitergeht. Neue Konzepte müssen her, neue Antriebe für unsere Autos.

Verkehrsplaner landauf und landab rätseln: Warum haben die Umweltzonen in den Städten nicht zu durchschlagendem Erfolg geführt? Die Zahlen des Umweltbundesamtes sind ernüchternd: 2016 haben rund 57 Prozent der verkehrsnahen Messstationen in Städten den Grenzwert für Stickoxide überschritten.

Zöge man die strengeren Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation heran, wäre dies eine Bankrotterklärung für den deutschen Umweltschutz: 77 Prozent der 374 Messstationen in Deutschland halten die Empfehlungen der WHO nicht ein. Am Neckartor in Stuttgart lag die Stickoxid-Belastung bei durchschnittlich 82 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - und damit mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch Stationen in München, Reutlingen, Kiel, Köln und Hamburg überschritten den Grenzwert bei Weitem. Doch entfernt man sich 25 bis 35 Meter von den Messstationen, werden alle Grenzwerte eingehalten. Das ganze Städte flächendeckend unter den Luftschadstoffen leiden, trifft nicht zu. Die hohen Belastungen sind ausschließlich an bestimmten, sogenannten "Hot Spots" zu finden.

Gefährlich sind vor allem Stickoxide in hoher Konzentration. Die Gase sind unsichtbar und geruchslos. Sie stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar und können Kopfschmerzen, Schwindel und sogar Atemnot auslösen. Für Asthmatiker sind Stickoxide besonders problematisch. Bei zu hohen Konzentrationen steigt das Risiko für Schlaganfälle. Das Fazit: Menschen an viel befahrenen Straßen sterben rein statistisch deutlich früher als Menschen in frischer Landluft. Forscher wie Prof. Dr. med. Barbara Hoffmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben Fallzahlen in einer Studie mit 41.000 Probanden belegt.

Auch Feinstaub ist gefährlich

Die Ursachen für den Feinstaub sind vielfältig: Auch Ruß aus Kaminen, Staub aus der Landwirtschaft, von Baustellen, oder der Abrieb von Autobremsen und -reifen beeinflussen die Messwerte deutlich. Derartige Abriebe entstehen auch bei Elektroautos. Dieselmotoren tragen seit der Euro-5-Norm durch den Einsatz von Partikelfiltern nicht mehr nennenswert zur motorischen Feinstaubbelastung bei.

Dennoch stellt Zukunftsforscher Lars Thomsen aus Zürich in "planet e." die These auf, dass der Verbrennungsmotor sich nicht mehr lange halten wird, nicht nur, seit Volvo den Ausstieg aus der Dieseltechnologie verkündet hat. Er sieht in den nächsten vier Jahren einen Punkt erreicht, an dem mehr Elektrofahrzeuge verkauft werden als Autos mit Verbrennungsmotor. Andere Experten sehen das Ende des Verbrennungsmotors noch nicht nahen und fordern vielmehr eine grundsätzliche Neuorganisation unserer Verkehrssysteme. Der Grund: Es gibt einfach zu viele Autos. Der Individualverkehr braucht neue Ideen, damit die Großstädte nicht kollabieren.

Luftschadstoffe: Wir exportieren nach Osteuropa

"planet e." geht der Frage nach, wohin die alten Diesel eigentlich verkauft werden. Eine Antwort: In osteuropäische Länder, zum Beispiel nach Bulgarien. Dort ist es den Behörden egal, ob Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten werden. Sollte das der Fall sein, wird einfach die betreffende Messstation in den grünen Stadtpark verlegt - mit positivem Effekt für die Messwerte, aber zum Entsetzen der Umweltschützer. Während hierzulande die Schlacht um Diesel-Umtauschprämien tobt, landen unsere alten Autos mit hohem NOX- und Feinstaub-Ausstoß vor allem in osteuropäischen Städten.

Interview mit Prof. Barbara Hoffmann, Umweltmedizinerin an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

Interview mit Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin

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