Saubere Seen - leere Netze

Deutschlands Seen sind so sauber wie schon lange nicht mehr. Für Badegäste ist das schön – für Fischer nicht. Oft ist das Wasser so klinisch rein, dass Fische kaum noch Nahrung finden.

Die Gewässer in Deutschland enthalten immer weniger Phosphat. Das führt dazu, dass weniger Algen wachsen. Da Algen die Grundlage der Nahrungskette in den Gewässern bilden, finden letztlich auch die Fische als Folge der Reinheit weniger Nahrung. Die Fischer beklagen, dass ihre Netze immer öfter leer bleiben.

Dass der Phosphatgehalt in deutschen Gewässern sinkt, ist keine Laune der Natur. Viel Geld wird investiert, um vor allem mit der chemischen Reinigungsstufe von Kläranlagen einen großen Teil des Phosphats aus dem Abwasser zu entfernen. Der Grund für das Großreinemachen liegt in der Vergangenheit: In den 60er und 70er Jahren waren viele Seen in Deutschland hoffnungslos überdüngt: Durch Industrie, Landwirtschaft und phosphathaltige Waschmittel gelangten große Mengen Phosphat ins Wasser.

Der Nährstoff Phosphat wirkte wie ein Dünger und kurbelte alle Stufen der Nahrungskette an: Algen wuchsen unkontrolliert und boten viel Nahrung für Plankton und Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe. Diese wiederum dienten als Futter für eine große Zahl an Fischen. Doch zu viel Leben in einem See ist nicht gesund: Der Sauerstoffgehalt sinkt, und der See kann sich immer schlechter regenerieren. In letzter Konsequenz kann das Gewässer umkippen. Wiederkehrende Fischsterben, vor allem im Sommer während der Algenblüte, waren damals die für alle sichtbaren Folgen.

Fischer fordern mehr Phosphat im Wasser

Über Jahrzehnte hinweg wurde daraufhin der Phosphatgehalt mit viel Aufwand erfolgreich reduziert. Doch viele Berufsfischer beklagen, dass nun der geringe Phosphatgehalt in vielen Seen ein Problem ist: Sie fordern, den Phosphatgehalt zumindest ein wenig anzuheben. Die katastrophalen Zustände der 60er Jahre wünschen sie sich nicht zurück. Die Fischer plädieren aber dafür, einige wenige Mikrogramm Phosphat pro Liter mehr zuzulassen: Das würde mehr Futter für die Fische bedeuten, und das Wasser wäre trotzdem noch sauber und klar.

Politik und Wasserversorger sehen das allerdings anders. Dort ist man stolz auf das Erreichte. Von einer Erhöhung des Phosphat-Gehalts im Wasser will der zuständige Umweltminister von Baden-Württemberg, Franz Untersteller, nichts wissen. „Es ist wasserrechtlich nicht zulässig und widerspricht den Grundsätzen der Wasserbewirtschaftung. Es ist auch nicht sinnvoll, die nach erheblichen Anstrengungen erreichte sehr gute Wasserqualität durch künstliche Phosphatzufuhr mutwillig zu verschlechtern“, erklärt Franz Untersteller.

Nicht zuletzt sind ihm und anderen Politikern aber auch die Hände gebunden. Denn in der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist ein Verschlechterungsverbot festgeschrieben. Art. 4 WRRL bezieht sich dabei auf die biologischen, hydromorphologischen und physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten des Gewässerzustandes.

Fangerträge am Bodensee

Die Fischer am Bodensee beklagen vor allem den Rückgang der Felchen, einer für den See typischen und von Feinschmeckern geschätzten Maränen-Art. Doch auch die Fangerträge anderer Arten sind rückläufig. In der Fischereiforschungsstelle Langenargen untersuchen Wissenschaftler den Fischbestand und die Fischerei am Bodensee. In der folgenden Grafik haben die Forscher die Fangerträge in Relation zum Phosphor-Gehalt im Bodensee eingetragen.

Phosphat-Entfernung im Klärwerk

Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Martin Hahn setzt sich für die Forderungen der Bodensee-Fischer ein. planet e. hat den Politiker bei der Besichtigung eines Klärwerks am Bodensee begleitet, in dem er sich die verschiedenen Klärstufen zeigen lässt

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