Risiko Elektroauto - Stromnetz am Limit?

Doku | planet e. - Risiko Elektroauto - Stromnetz am Limit?

Sie sollen das Klima retten, die Luft rein halten und die heimische Fahrzeugindustrie zukunftssicher machen. Aber: Sind unsere Stromnetze für Millionen von Elektroautos überhaupt gerüstet?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.09.2018, 16:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Für die Politik sind Elektrofahrzeuge Hoffnungsträger im Kampf gegen steigende CO2-Werte und hohe Feinstaub- und NOx-Belastungen. Doch Experten warnen: Unsere Leitungsinfrastruktur droht durch den steigenden Stromverbrauch zu kollabieren.

Im Vergleich zu den rund 45 Millionen konventionellen Fahrzeugen, die in Deutschland gemeldet sind, liegen die Zahlen von zugelassenen Elektroautos derzeit bei gut 45.000. Doch das könnte sich schnell ändern. Die Automobilhersteller haben angekündigt, beim Elektroauto im großen Stil einzusteigen. Bis 2025 möchte Daimler zwischen zehn und 25 Prozent der Produktion auf Elektrofahrzeuge umgestellt haben. VW plant, ab diesem Zeitpunkt eine Million Elektroautos pro Jahr zu verkaufen. Die Autohersteller machen das auch, um den ab 2021 von der EU vorgegebenen Ausstoß von 95 g CO2/km für ihre gesamte Modellflotte einzuhalten. Kommt das alles so, wären schon in zehn Jahren einige Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen.

Stromnetze in Wohngebieten

Alle diese Fahrzeuge brauchen Strom, um ihre Batterien aufzuladen. Wenn viele E-Fahrzeuge gleichzeitig laden wollen, entstehen erhebliche Probleme für das Stromnetz, vor allem in Städten und Wohngebieten, weil unsere Stromnetze oft noch aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Kaum geeignet, massenhaft und gleichzeitig hohe Strommengen an Individualverbraucher zu verteilen.

Zwar hat das Bundesverkehrsministerium für den Ausbau der Ladenetze 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Aber Experten erwarten, dass für die zukünftige Elektromobilität deutschlandweit mindestens 70 000 normale Ladestationen und 7000 Schnelllader gebraucht werden. Die 300 Millionen Euro aus dem Dobrindt-Ministerium werden da nicht ausreichen. Offen ist, wer für den Ausbau der fehlenden E-Infrastruktur zur Kasse gebeten wird.

Schließlich fragen Fachleute, ob man überhaupt alle 45 Millionen Benziner- oder Dieselfahrzeuge durch Elektroautos ersetzen soll. Manche Verkehrswissenschaftler plädieren – nicht nur der fehlenden Strom-Infrastruktur wegen - dafür, die Anzahl der Autos radikal zu reduzieren.

"planet e."-zeigt unter anderem am Beispiel von Stuttgart, was zukünftig auf das Stromnetz einer Stadt zukommen könnte. Außerdem blicken wir nach Oslo, der Stadt mit den meisten Elektroautos weltweit. Dort kann man schon heute Lösungsansätze es für den Aufbau einer umfangreichen E-Infrastruktur beobachten.

Leitfaden zum Einbau von Ladestationen

Ein Elektroauto steht an einer Zapfsäule für Strom, aufgenommen am 29.04.2016 in München
Quelle: dpa

Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik hat zusammen mit weiteren Industrie- und Handwerdsverbänden (BDEW, ZVEH, ZVEI) einen Leitfaden für Verbraucher und Spezialisten entwickelt, der bei der Planung und Installation von Ladestationen für Elektromobilität helfen soll. Die Broschüre bietet Informationen und praktische Tipps sowohl für Privatleute als auch für Architekten, Netzbetreiber oder Installateure.

Internationale Automobil-Ausstellung

Vom 14. bis 17. September 2017 findet die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main statt. Innerhalb der IAA werden im Rahmen der New Mobility World Projekte zur Mobilität der Zukunft vorgestellt.

Interview mit Jörn Hansen, Rheinenergie AG

Insbesondere in Eigentümergemeinschaften, zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern, wirft der Einbau von Ladestationen Probleme auf. Die Stromversorgung der Häuser ist normalerweise nicht darauf angelegt, solch hohe Strommengen bereit zu stellen wie sie zum Laden mehrerer Elektroautos nötig sind. Zum anderen muss der Beschluss zum Einbau von Ladestationen in Eigentümergemeinschaften gemeinsam gefasst werden, auch dies kann eine nicht unerhebliche Hürde darstellen.

Jörn Hansen erklärt im Interview, welche speziellen Probleme bei Eigentümergemeinschaften auftreten und welche Lösungsansätze es dafür gibt.

Interview mit Prof. Dr. Andreas Knie, Geschäftsführer InnoZ GmbH

Alle Autos mit Verbrennungsmotor durch Elektroautos auszutauschen wird nach Ansicht von Prof. Andreas Knie jedoch nicht ausreichen, um den Verkehrssektor für die Zukunft zu rüsten. Im Interview spricht er über seine Visionen der Mobilität, und wie dies in Teilen schon heute umgesetzt wird.

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