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Talwärts - das Bröckeln der Berge

Kontrollgang oberhalb des Aletschgletschers

Zerstörte Häuser und Autos, Verletzte und Tote - die Folge von Steinschlägen und Bergstürzen in den Alpen. Touristen sind alarmiert, die Bergbewohner und die Tourismusindustrie sind besorgt.

Datum:
19.08.2018
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Was ist Zufall, und was ist die Folge der Klimaerwärmung? Wie viele Bergstürze drohen in den nächsten Jahren? Wie kann man die Risiken in den Griff bekommen? Prävention, zuverlässige Überwachungssysteme und Schutzbarrieren werden überlebenswichtig.

Der gewaltige Bergsturz am Schweizer Piz Cengalo im August 2017 mit acht Todesopfern hat drastisch vor Augen geführt, was Forscher schon länger beobachten: Die Instabilität der Berge nimmt zu, vor allem zwischen 2700 und gut 3000 Metern Höhe. Denn der Kitt der Berge, der Permafrost, beginnt zu schmelzen. Wasser sickert in die Felsklüfte, der Druck im Innern der Berge steigt, der Fels wird instabil - Felsstürze und Steinschlag sind die Folge.

Der Schweizer Bergbeobachter Peter Schwitter zeigt die dramatischen Folgen des Klimawandels am Beispiel des Aletschgletschers im Kanton Wallis. Weil das Gletschereis immer schneller schmilzt, fehlt der Bergflanke Moosfluh der Gegenhalt. Sie rutscht immer weiter ab; allein 2017 haben sich die Felsen um 65 Meter talwärts geneigt. Hier droht ein gigantischer Bergsturz; erste Wege auf der Moosfluh wurden für die Wanderer gesperrt.

Doch nicht alle Naturgefahren sind auf den Klimawandel zurückzuführen, denn die Berge sind immer in Bewegung. So wie im Tiroler Valsertal. Tausende Tonnen Felsmassen, Erdreich und Bäume sind an Heiligabend 2017 auf eine Straße in Vals gedonnert, nur knapp an Häusern und Kirchgängern vorbei. Die Talstraße ist verschüttet, mit Panzersperren versucht das österreichische Bundesheer, gefährdete Gebäude zu schützen. Ein Dorf im Ausnahmezustand.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, die Prozesse von Felsstürzen und Steinschlägen noch genauer zu verstehen - so wie Dr. Andrin Caviezel vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF). Für die Forschung "inszeniert" er am Flüelapass Steinschläge - nicht mit natürlichen Steinen, sondern mit speziellen Betonklötzen, in die er elektronische Sensoren baut und dann einen steilen Hang hinunterdonnern lässt. Die Forscher benötigen die Daten der Sturzbahnen für eine Software, die Steinschlag, Lawinen- und Murenabgänge simulieren kann. Mit ihrer Hilfe wollen sie künftig präziser vorhersagen, wie Steinschläge sich verhalten und welche Schutzmaßnahmen nötig sind.

Michael Mölk ist im Auftrag der österreichischen Bundesregierung zuständig für Schutzbauten in Siedlungsgebieten. Mit Hightech-Unterstützung, Drohnen-Flügen und immer aufwendigeren Schutznetzen versucht er, Menschen und Häuser vor plötzlichem Steinschlag zu schützen.

Die "planet e."-Autoren Patrick Zeilhofer und Volker Wasmuth zeigen in der Dokumentation "Talwärts - das Bröckeln der Berge" den aufwendigen Kampf von Behörden, Forschern und Anwohnern gegen den gefährlichen Steinschlag. Sie fragen: Können hochmoderne Überwachungstechnik und Schutzbauten die Naturgefahren in den Alpen bändigen? Oder müssen wir irgendwann Siedlungen, ganze Ortschaften aufgeben?

Blick hinter die Kulissen

Interview mit Prof. Michael Krautblatter, Technische Universität München

Interview mit Dr. Gunther Heißel, Landesgeologie Tirol

Weitere Infos und Links

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