Wal-Schutzkonferenz endet mit der Note „befriedigend“

Walfang-Nationen ignorieren Wal-Schutz

Eine Woche lang haben die 88 Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Portorož/Slowenien über Maßnahamen zum Schutz der Wale verhandelt. Die Bilanz fällt am Ende allerdings eher durchwachsen aus. Für einige Walarten könnte es sogar das endgültige Aus bedeuten.

Internationale Walfangkommission 2016

Alle zwei Jahre wird über den Schutz der Wale verhandelt. Das ist dringend notwendig, denn durch Bejagung, Beifang in der Fischerei, Schiffskollisionen und Umweltverschmutzung sind einige Walarten massiv vom Aussterben bedroht. Dazu zählen etwa kalifornischer Schweinswal, Grauwal, Grönlandwal und der chinesische Flussdelfin. Dass dadurch das ökologische Gleichgewicht in den Meeren empfindlich gestört wird, nimmt man in einigen Ländern billigend in Kauf. Große Erwartungen setzten daher Meeresbiologen und Tierschützer in die Konferenz der IWC.

Die positiven Beschlüsse

Walfang in Japan
Walfang in Japan Quelle: imago

Die Walfangnationen Norwegen, Island und Japan machen trotz eines seit 30 Jahren geltenden Walfangmoratoriums unvermindert Jagd auf Wale. Aus ‚wissenschaftlichen‘ Gründen – so ihr Argument. Nikolaus Entrup von der Organisation „Ocean Care“ nimmt seit 16 Jahren an der IWC-Konferenz teil. Seine Rechercheergebnis ist ernüchternd: „In den letzten Jahren hat sich Norwegen still und heimlich zur Walfangnation Nummer eine einwickelt und tötet mehr Wale als Japan und Island zusammen“. Das Fleisch der gejagten Wale findet jedoch in Norwegen kaum noch einen Absatzmarkt. So gelangt es in den Export nach Japan. Allein im September diesen Jahres waren das 175 Tonnen. Das pseudowissenschaftliche Jagen soll jetzt laut Beschluss einer strengeren Prüfung unterzogen werden. Dazu wird eine Arbeitsgruppe der IWC jedes einzelne Fangprogramm analysieren, um festzustellen, ob es auch den Anforderungen an ein wissenschaftliches Programm genügt. Positiv wird die offene Kritik während der Konferenztage gegenüber Norwegen und Island bewertet. Dies hatten die beiden Länder bislang so noch nicht zu spüren bekommen.

Zudem wird eine weitere Arbeitsgruppe eingerichtet, um den Wal-Beifang in der Fischerei zu reduzieren. Jährlich verenden mehr als 300.000 Kleinwale, Delfine und Tümmler in Fischernetzen.  Auch durchs Meer treibende Geisternetze oder Netzteile werden den Meeressäugern zum Verhängnis.

Eine unerwartete Unterstützung für mehr Artenschutz bekam die IWC-Konferenz heute in den frühen Morgenstunden aus Hobart/Australien: Dort haben sich die Mitgliedstaaten der internationalen Kommission zur Erhaltung lebender Meeresressourcen darauf geeinigt, im antarktischen Rossmeer ein 1,5 Millionen Quadratkilometer großes Schutzgebiet auszuweisen. Die ausgewiesene Zone im Rossmeer bildet die größte geschützte Meeresfläche der Welt und ist so groß wie Frankreich, Deutschland und Spanien zusammen.

Negative Entscheidungen

Meeresschutzexperten und Umweltschützer kritisieren, dass nur wenige Staaten ihre zuständigen Minister zur IWC-Konferenz entsandten. Viele Vertreter waren rhetorisch schwach, formulierten daher keine strengeren Forderungen. Deutschland hat sich sehr gut in die Verhandlungen eingebracht und wurde gleich durch zwei Ministerien vertreten: das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie das Bundesumweltministerium.

Walfang in Japan
Walfang in Japan Quelle: imago

Eine verpasste Chance für den Walschutz sieht der renommierte Walexperte Nicolas Entrup im ‚Nein‘ für ein Walschutzgebiet im Südatlantik. Die Forderung der Anrainerstaaten wie Brasilien, Argentinien, Uruguay und Südafrika erlangte nicht die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit. Japans Einfluss wog dabei schwer. Denn das Land verfolgt Wirtschaftsbeziehungen mit afrikanischen Ländern wie etwa Ghana und der Elfenbeinküste. Japanische Fischereiflotten haben vor der Westküste Afrikas Fanglizenzen erworben. Dadurch will man – so die japanischen Konferenzteilnehmer – den Hunger bekämpfen. Dass dabei mehrere Tausend Wale als Beifang in den Netzen landen, wird verschwiegen.

Müssten die Walexperten eine Note für den Verlauf und die Ergebnisse der 66. IWC-Tagung vergeben, wäre es nicht mehr als ein ‚befriedigend‘. Die nächsten zwei Jahre müssen die Arbeitsgruppen ihre Hausaufgaben machen und bei der nächsten IWC-Konferenz 2018 in Brasilien Erfolge vorlegen.     

                   

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