planet e.: Saubere Seen - leere Netze

Film von Franca Leyendecker und Daniela Hoyer

Dokumentation | planet e. - planet e.: Saubere Seen - leere Netze

Deutschlands Seen sind so sauber wie schon lange nicht mehr. Für Badegäste ist das schön – für Fischer nicht. Oft ist das Wasser so klinisch rein, dass Fische kaum noch Nahrung finden.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.04.2017, 14:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

Gewässer enthalten immer weniger Phosphat. Das führt dazu, dass nur wenige Schwebstoffe wie Algen und Plankton die Sicht trüben. Die Schattenseite der Reinheit: Fische finden weniger Plankton zum Fressen. Die Netze der Fischer bleiben immer öfter leer.

Es ist keine Laune der Natur, dass der Phosphatgehalt in deutschen Gewässern sinkt. Viel Geld wird investiert, um mit der chemischen Reinigungsstufe von Kläranlagen einen großen Teil des Phosphats aus dem Abwasser zu entfernen. Der Grund für das Groß-Reinemachen liegt in der Vergangenheit: In den 60er und 70er Jahren waren viele Seen in Deutschland hoffnungslos überdüngt. Das Wirtschaftswachstum und die steigende Bevölkerungszahl sorgten dafür, dass Industrie, Landwirtschaft und Haushalte mit ihren Abwässern große Mengen Phosphat in die Seen spülten. Der Nährstoff Phosphat wirkte wie ein Dünger und kurbelte alle Stufen der Nahrungskette an: Algen wuchsen unkontrolliert und boten viel Nahrung für Plankton und Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe. Diese wiederum dienten als Futter für eine große Zahl an Fischen. Zu viel Leben in einem See ist jedoch nicht gesund: Der Sauerstoffgehalt sinkt, der See kann sich nicht mehr regenerieren. In letzter Konsequenz kann der See umkippen. Deshalb gilt: Zu viel Phosphat in einem See ist gefährlich. Doch inzwischen ist in vielen Seen das Gegenteil ein Problem. Berufsfischer fordern, den extrem niedrigen Phosphatgehalt zumindest ein wenig anzuheben. Sie wünschen sich nicht die katastrophalen Zustände der 60er Jahre zurück. Sie möchten lediglich, dass der Phosphatgehalt um einige wenige Mikrogramm pro Liter erhöht wird. Das würde mehr Futter für die Fische bedeuten - das Wasser wäre trotzdem noch sauber und klar. Doch die verantwortlichen Politiker weigern sich. Zu tief haben sich die schlimmen Zustände der Vergangenheit ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Phosphat ist zum Angstwort geworden. "planet e." über den bizarren Streit um Deutschlands Seen.

Stab

  • Kamera - Robert Dinges, Jean Schablin, Johann Schejkal
  • Autor - Franca Leyendecker, Daniela Hoyer

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