Expedition unter Extrembedingungen

Ein Drehbericht von Alexandra Sorgenicht

Forscherin Boetius und Filmautorin Sorgenicht
Forscherin Antje Boetius und Filmautorin Alexandra Sorgenicht Quelle: ZDF/Stefanie Arndt

Bereits mehrere Monate vor dem Start des „Abenteuers Tiefseeforschung“ treffe ich die berühmteste deutsche Meeresbiologin und Tiefseeexpertin, Antje Boetius. In ihrem kreativ-chaotischen Büro in Bremen erzählt sie mir begeistert von der einzigartigen Forschungsreise. Mit dem größten deutschen Eisbrecher, der "Polarstern", soll es im arktischen Sommer tief ins Packeis gehen. Sie will beweisen, dass es dort schwarze Raucher gibt. Diese faszinierenden Tiefseephänomene, bei denen 360Grad heißes Wasser aus dem Meeresboden strömt, waren bis dato nur aus den warmen Regionen bekannt. In der eisigen Tiefsee wurde ihre Existenz für unmöglich gehalten.

Heiße Quellen in der Arktis?

Der beschwerliche Weg durch's Eis
Der beschwerliche Weg durch's Eis Quelle: ZDF

Es war reiner Zufall, dass auf der letzten Expedition in die unwirtliche Arktis erste Hinweise auf diese heißen Quellen gefunden wurden. Seitdem plant die Professorin gemeinsam mit dem Alfred Wegner Institut, den endgültigen Beweis zu liefern. Sie will Bildaufnahmen aus der Tiefsee bringen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit für eine getriebene Forscherin wie Antje Boetius. Sie fiebert der Expedition förmlich entgegen. Auch ich bin nach dem mitreißenden Gespräch voller Vorfreude.

Alexandra Sorgenicht beim Dreheinsatz in der Arktis
Alexandra Sorgenicht beim Dreheinsatz Quelle: ZDF/Michel Watelet

Am siebten Juli 2014 geht es dann endlich los, die Polarstern sticht in See. Prof. Antje Boetius ist die Fahrtleiterin der Expedition. Unermüdlich flitzt sie die fünf Stockwerke der Polarstern hoch und runter, sie muss und will über die Arbeitsabläufe aller Teams immer zu 100% informiert sein. Ihre Aufgabe ist komplex. Die Teams arbeiten rund um die Uhr, Antje koordiniert die Einsatzpläne. Abhängig von den äußeren Bedingungen ändert sie diese häufig, auch kurzfristig. Auf einem Forschungsschiff gibt es keinen vorhersehbaren Tagesablauf, und das schließt die Nächte mit ein. Das Motto hier lautet: schlafen können wir zu Hause! Antjes Energie und Begeisterung steckt uns alle an. Denn wir haben nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung, in dem wir in einem eisbedeckten Ozean, auf 4500 Meter Tiefe etwas finden müssen, dessen Existenz nur vermutet wird...

Klimawandel aus der Tiefsee

Schwarze Raucher sind für die Forscherin unter anderem deshalb so wichtig, weil an ihnen Mikroorganismen leben, die ohne Sauerstoff Methan verzehren können. Das extrem toxische Klimagas war seit Jahrmillionen als Methanhydrat im Meeresboden gefroren und dadurch ungefährlich. Durch die Erwärmung des arktischen Ozeans löst es sich in den letzten Jahren in großen Mengen in das Meerwasser und steigt auf, in die Atmosphäre über der Arktis.

Antjes Team nimmt außerdem genaue Messungen der Eisdecke vor, denn in den letzten dreißig Jahren hat das Eisvolumen des Nordpolarmeers um zwei Drittel abgenommen. Die Wissenschaftlerin erzählt mir, dass es ihr ein tiefes Bedürfnis ist, Bewusstsein für die Gefährdung der Meere zu wecken. Sie liebt den Ozean seit frühester Jugend. Ihr Großvater, ein erfahrener Seemann und einer der wenigen Überlebenden der legendären Hindenburg Katastrophe hat sie mit seinen Geschichten inspiriert. Sie wusste schon als junges Mädchen, dass für sie nur eine Karriere als Abenteurerin und Naturforscherin in Frage kommen würde.

Seitdem hat sich die Welt verändert und Antje ist nicht nur Entdeckerin sondern auch Klimadokumetatorin. Sie liebt ihre Arbeit und weiß genau, wie dringend sie auch ist. Am Ende dieser vierwöchigen Expedition wird ihr gelungen sein was zwischendurch viele nicht mehr für möglich hielten. Sie hat mit Begeisterung und unermüdlicher Hartnäckigkeit die Tiefseeforschung einen Riesenschritt nach vorne gebracht!

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