Der grüne Hammer

Dokumentation | planet e. - Der grüne Hammer

Beim Weltklimagipfel in Paris haben 195 Staaten ein neues Abkommen gegen die Erderwärmung beschlossen. Der Vertrag verpflichtet erstmals alle Länder zum Klimaschutz und tritt 2020 in Kraft.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.12.2016, 22:45

Am 13.12.2015 wurde auf dem UN-Klimagipfel in Paris ein weltweit gültiges Klima-Abkommen beschlossen. Das Klima-Abkommen hat ein neues Zeitalter eingeläutet. Für die Umwelt, aber auch für die Industrie. Alte Branchen, wie das Ölgeschäft, werden umdenken müssen. Anderen steht ein ungeahnter Boom bevor.

Wer auch immer die Idee hatte, Laurent Fabius mit einem grünen Hammer auszustatten – es war eine guter Einfall. Ein treffenderes Symbol für das Finale der bisher wichtigsten Klimakonferenz der Welt kann es kaum geben. Denn dieser letzte Hammerschlag, der allen zeigt, dass der Vertrag von Paris nun von 196 Vertragsparteien angenommen ist, dieser Hammerschlag verändert die Welt.


Größte Überraschung: USA

Der Strategiewechsel deutete sich schon vorher an. Spätestens, als plötzlich Ländervertreter gemeinsam am Tisch saßen, die bis dahin nicht wirklich miteinander reden wollten. Die große Allianz der ambitionierten Klimaschutzstaaten:

Quer durch die Länderlandschaft hindurch, Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer. Mexiko, Ghana, die EU, Deutschland, die kleinen pazifischen Inselstaaten und - wohl die größte Überraschung - die USA. Nie zuvor auf einer der vorherigen 20 Klimakonferenzen hat sich der Chef-Verhandler der Amerikaner öffentlich zusammen mit einer solchen Ländergruppe gezeigt. Es hat sich also was verändert.
Gut, dass die USA und China vor der Konferenz bilaterale Gespräche geführt haben. Gut, dass der G7-Gipfel auf Schloss Elmau wichtige Klimathemen auf die höchste politische Agenda gesetzt hat. Gut, dass die Nichtregierungsorganisationen, also die Umwelt- und Klimaschutzorganisationen, nicht nachgelassen haben Druck auf die Politik auszuüben. Und, nicht zuletzt, gut, dass Medien Klimaschutzfragen stets kritisch begleitet haben. Und nun also der grüne Hammer.


Gates-Milliarden in erneuerbare Energien

Microsoft-Gründer Bill Gates hat es ja in Paris gesagt: Er und ein paar Milliardärsfreunde stecken einen Teil ihrer Milliarden fortan in erneuerbare Energien. John Kerry, der amerikanische Außenminister, hat vor Annahme des Abkommen berichtet, dass schon rund 650 Milliarden Dollar Finanzzusagen als Investment in erneuerbare Energien und in die sogenannte green economy zusammengekommen seien. Nicht von irgendwem, sondern von Weltkonzernen und den großen Investment- und Entwicklungsbanken. Neue Märkte also tun sich auf.

Nicht nur die globale Finanzwelt wird das zur Kenntnis nehmen müssen, um sich dann schnellstens umzuorientieren. Und das wird sich mittelfristig auf den Ölpreis auswirken, das derzeitige Preisniveau von 35 bis 38 Dollar pro Barrel mag eine Ahnung davon geben.

Wenn Ölmilliarden nicht mehr so üppig fließen, geraten die OPEC-Staaten finanziell ins Hintertreffen. Deswegen gehörten sie zu den Bremsern von Paris. Die jetzt absehbaren geopolitischen Veränderungen, die sich aus dem nach und nach wegbrechenden Ölgeschäft ergeben, werden politische Analysten ab sofort beschäftigen.

Technologie-Boom steht bevor

Gleichzeitig darf angenommen werden, dass die Technologien rund um erneuerbare Energien vor einem bisher ungekannten Boom stehen. Nie zuvor haben sich 195 Länder plus die EU dazu bekannt, fortan die Energieversorgung ihrer Volkswirtschaften auf Wind-, Sonnen- und Biomasseenergie auszurichten. Sozusagen im Gleichschritt in Richtung globale Energiewende. Die Effekte werden sich in kurzer Zeit zeigen.

Also war Paris eigentlich eine Wirtschaftskonferenz. Und eine Friedenskonferenz obendrein. Im Angesicht all der Krisen dieser Welt, des Terrors, der Kriege, der Flüchtlinge: Wer hätte es für möglich gehalten, dass sich die Weltstaatengemeinschaft auf eine gemeinsame Ausrichtung ihrer Politiken einigt – in einem überlebenswichtigen Sektor. Das war übrigens schon immer Merkmal der Klimakonferenzen, stets haben die Staatenvertreter friedlich diskutiert und verhandelt. So zeigt Paris auch, dass es möglich ist, Probleme im Gespräch, in der kritischen Auseinandersetzung und in konstruktiven Verhandlungen zu lösen. Auch, wenn es viele Jahre dauert.

Neues Zeitalter bricht an

Paris ist auch der Einstieg in ein neues Zeitalter. Die alte Trennung in Industrie- und Entwicklungsländer ist nicht mehr haltbar. Nur alle gemeinsam, jeder nach seinen Kräften bei gerecht verteilten Lasten und Vorteilen, geleitet durch die Akzeptanz eines fairen Umgangs miteinander und die Bereitschaft, das alles in aller Öffentlichkeit so zu zeigen, nur so können alle gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Erde das bleibt, was für alle Menschen unverzichtbar ist: ein lebenswertes Zuhause. Um das hinzubekommen, dafür, ja dafür hat es ihn gebraucht: den grünen Hammer von Paris.

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