Auf der Flucht vor Dürre, Stürmen und Wassermangel

Vom Klimawandel vertrieben

Sie fliehen vor Flutwellen, Stürmen oder Buschbränden. Wassermangel und in der Folge Dürren machen ihre Äcker unfruchtbar und lassen das Vieh verdursten. Die Folgen des Klimawandels haben zwischen 2008 und 2014 rund 166 Millionen Menschen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Und die Zahl steigt. Ein Beitrag von Volker Angres, Leiter der ZDF Umweltredaktion.

Raubbau an den letzten verbliebenen Wäldern treibt die Erosion voran. Wenn der fruchtbare Boden verloren ist, haben viele Menschen keine Existenzgrundlage mehr. Die voranschreitende Klimaveränderung gilt als ein verschärfender Grund, warum immer mehr Menschen vertrieben werden.


Umweltflüchtlingsproblem ignoriert

Noch bleiben die meisten von ihnen im eigenen Land. Aber einer Studie des Norwegischen Flüchtlings-Rates und dem Internal Displacement Monitoring Centre in Genf vom September 2014 zufolge nimmt die Zahl der Menschen, die aufgrund des Umweltdrucks in andere Länder einwandern, dramatisch zu. Besonders betroffen ist der afrikanische Kontinent. So nahm eine lang anhaltende Dürre in den Jahren 2011 bis 2012 vielen Menschen in Somalia und Äthiopien jede Überlebensperspektive. Die meisten von ihnen waren Viehhalter und Kleinfarmer. Mit dem, was sie gerade noch tragen konnten, wanderten sie nach Kenia, Ägypten oder sogar bis in den Jemen.


Die Zahlen lassen sich nur schätzen, einige hunderttausend seien es, so die Wissenschaftler. Die Studie zeigt auf, dass Umweltflüchtlinge stets sozial und politisch diskriminiert werden. Viele Faktoren kommen zusammen: Die Flüchtlinge gehören anderen ethnischen Gruppen an, sie sind arm und auf Hilfe angewiesen in Ländern, deren Bevölkerung ebenfalls arm ist und vom Hunger bedroht wird und sie haben in der Regel keine Ausbildung. Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge oftmals überhaupt keine Ausweisdokumente oder Gesundheitszeugnisse mit sich führen - in Anbetracht von Epidemien wie  zum Beispiel Ebola durchaus ein beunruhigender Faktor.

Und genau das ist die Empfehlung der Flüchtlingsforscher: In den nationalen Aktionsplänen zum Klimawandel sollen die am schwersten betroffenen Länder eine geplante Umsiedlung der Menschen als aktive Schutzmaßnahme aufnehmen und darüber mit anderen, den aufnehmenden Staaten verhandeln. "Wir können nicht warten, bis Menschen keine Option mehr haben, außer zu fliehen", sagt Professor Walter Kälin von der Nansen-Initiative. Eine entsprechende Passage müsse auch in das neue Weltklima-Abkommen hinein, das im Dezember 2015 in Paris verabschiedet werden soll.


2050: 350 Millionen Menschen auf der Flucht?

Flüchtlinge auf Eseln im Sudan
Dürre in der Sahelzone Quelle: reuters

Die von Norwegen und der Schweiz im Oktober 2012 gegründete Nansen-Initiative - so benannt nach dem ersten Flüchtlingskommissar des Völkerbundes, Fridtjof Nansen - hat sich zum Ziel gesetzt, den rechtlichen Schutz von Menschen zu verbessern, die von Naturkatastrophen zur Flucht ins Ausland gezwungen werden. Umwelt- beziehungsweise Klimaflüchtlinge genießen bisher nicht denselben Schutzstatus wie politische Flüchtlinge.


Neben den beiden Gründerländern gehören auch Australien, Bangladesch, Costa Rica, Kenia, Mexiko und die Philippinen der Initiative an. Nach erstem Unwillen ist auch Deutschland im Mai 2013 der Initiative beigetreten. Der rechtliche Schutzstatus ist das eine. Das andere: Viel mehr muss getan werden, damit bedrohte Menschen ihr Land erst gar nicht verlassen müssen. Die gute alte Frage der Entwicklungszusammenarbeit stellt sich nun neu. Dringender denn je. Denn in dem Maße, wie die globale Klimaerwärmung voranschreitet, wird sich auch das Problem der Umweltflüchtlinge verschärfen. Auf mindestens 350 Millionen Menschen könnte der Flüchtlingsstrom bis 2050 angeschwollen sein.

Von Volker Angres, Leiter der ZDF Umweltredaktion

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