Unterwegs mit dem "Wolkenprofessor"

Der Autor Raimund Waltenberg berichtet über die Dreharbeiten zur planet e.-Dokumentation "Abenteuer Wolkenforschung.

Obwohl Wolken uns wie selbstverständlich begleiten, gehören sie zu den kompliziertesten Gebilden auf unserem Planeten. Sie sind „global player“ im irdischen Wettertheater und damit gleichzeitig entscheidender Klimagestalter. Wer von Klimawandel spricht, muss ihren Einfluss berücksichtigen, aber den Wissenschaftlern bereitet das größte Probleme. Die einen Wolken kühlen die Erde, die anderen wärmen sie auf, und das in verschiedenen Situationen unterschiedlich stark. Es klingt vielleicht banal, aber folgende Fragen gehören immer noch zu den großen Rätseln der Wissenschaft: Was sind Wolken? Wie funktionieren Sie? Was machen sie mit unserem Klima?

„Wolkentorpedo“ über der Nordsee

Wer die Wolkenrätsel knacken will, muss erfinderisch sein, denn so einfach kommt man nicht an die Daten, beispielsweise die Zusammensetzung von dünnen Schleierwolken in zehntausend Metern Höhe. So entstand die Idee, hohle militärische Schleppkörper, die als Zieldarstellung für Kampfpiloten an langen Drahtseilen unter Jets hängen, mit Messinstrumenten zu füllen. Nach Probeflügen und einem Genehmigungsmarathon ist es soweit. „Wolkenprofessor“ Stephan Borrmann darf mit dem Messflugzeug samt „Wolkentorpedo“ über der Nordsee fliegen. Ganz dicht dabei: unsere Kamera.

Im Extremeinsatz über der Nordsee und am arktischen Eismeer

Raimund Waltenberg, Autor der ZDF-Umweltredaktion
Raimund Waltenberg, ZDF-Umweltredaktion

Die nächste Reise geht an den hintersten Winkel Kanadas: Eine mobile Messstation soll direkt am Rand des arktischen Eismeeres aufgestellt werden. Allein der Transport gestaltet sich nervenaufreibend. Das Zeitfenster, bevor die Eisstraße auf einem gefrorenen Fluss schmilzt, ist nicht groß und der Container mit den Messgeräten hängt irgendwo auf der Strecke fest. Am Ende sitzt Stephan Borrmann als Projektleiter im Spezialflugzeug „Polar 6“ und kann doch noch seinen eigenen Messcontainer, überfliegen. So wird gleichzeitig am Boden und in der Luft gemessen. Für den Mainzer „Wolkenprofessor“ ist das, nach einigen Problemen und vielen Forschungs-Anstrengungen, ein überwältigendes Erfolgserlebnis. Ein Erlebnis, das er mit der Elite deutscher Klimaforscher teilt, denn die Kampagne im Kanadischen Inuvik ist eine der aufwändigsten der vergangenen Jahre.


Gleich sieben der führenden deutschen Forschungsinstitute sind beteiligt, nahezu die gesamte Spitze der deutschen Wolken- und Klimaforschung: Universität Leipzig (LIM), Max-Planck-Institut für Chemie (MPI), Johannes Gutenberg Universität Mainz (IPA), Karlsruher Institut für Klimaforschung (KIT), Forschungszentrum Jülich (FZJ), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), welches mit seinen Spezialflugzeugen die Grundlage für die Forschungsflüge stellt.


Dabei gibt es eine Weltpremiere, denn zum ersten Mal werden die beiden Flugzeuge „Polar 5“ und „Polar 6“ gemeinsam bei einer Kampagne eingesetzt. Bislang waren sie einzeln unterwegs, jeweils in der Arktis und Antarktis. Dieses Mal sind so ausgerüstet, dass sich ihre Messungen während der Wolkenflüge ergänzen. Das ermöglicht den Forschern bisher noch nie dagewesene Vergleichsdaten. Die Flugzeuge sind auch aus einem anderen Grund einzigartig und abenteuerlich. Es sind zwei der legendären Douglas DC-3 Oldtimer. Den Deutschen sind sie vor allem als „Rosinenbomber“ der Berliner Luftbrücke nach dem 2. Weltkrieg bekannt. Die robusten Flugzeuge haben andere Triebwerke bekommen, Zusatzheizungen auch an den Tragflächen, moderne Flug- und Messtechnik und schließlich die Namen „Polar 5“ und „Polar 6“. Nun fliegen sie gemeinsam über das arktische Eismeer.

Auf dem Weg zur nächsten Herausforderung

Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen weiteren außergewöhnlichen Einsatz:
Stephan Borrmann und sein Team bauen ein neues Messinstrument. Es soll dann in einem, für die Wissenschaft umgebauten, ehemaligem russischen Spionageflugzeug, in der Stratosphäre eingesetzt werden. Die „M55 Geophysica“ ist in der Lage, höher als jedes andere Flugzeug zu messen, in über 20 Kilometern Höhe. Passagiere können nicht mitfliegen, selbst der Pilot braucht einen speziellen Druckanzug mit integriertem Helm, ähnlich wie ihn Astronauten haben. Diese Forschungsflüge werden eine weitere Herausforderung sein, auf dem Weg zur Lösung der Wolkengeheimnisse.

von Raimund Waltenberg, ZDF-Umweltredaktion,

Autor der Dokumentation "Abenteuer Wolkenforschung"

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