Die Hüter des Nebelschatzes

Wie eine Flusslandschaft überleben kann

Sie wird gesäumt von riesigen Ackerflächen, auf denen Mais in Monokultur heranwächst: Die Nebel. In der intensiven Landwirtschaft werden Gülle und Kunstdünger zur Ertragssteigerung eingesetzt, dennoch ist der Fluss in Mecklenburg-Vorpommern einer der artenreichsten Flüsse Deutschlands. Am Internationalen Tag der Biodiversität zeigt "planet e.", welche Herausforderungen gemeistert werden müssen, um die faszinierende Artenvielfalt zu erhalten.

Es sind Menschen wie Sebastian Lorenz, die mit ihrem Engagement für Natur und Umwelt helfen, den wertvollen Flusslebensraum der Nebel zu sichern. Glücklicherweise bekommt er dafür aktive Unterstützung - etwa von dem Fischwissenschaftler Arno Waterstraat oder dem Biologen Volker Thiele. Ihr gemeinsames Ziel: "Wir sind die Hüter des Nebelschatzes", sagt Sebastian Lorenz schmunzelnd. Auf dem Wasser und in der Luft belegen Fisch- und Seeadler, Silberreiher, Entenvögel und der schillernde Eisvogel die Erfolge der Flussschützer. Seltene Arten wie die Flussmuschel, das Flussneunauge und die Krustenrotalge Hildebrandia sind zudem Beweise für allerbeste Wasserqualität.



Mit Gülle, Kunstdünger, Insektiziden und Pestiziden ist die hoch subventionierte Landwirtschaft Gefahrenquelle Nummer eins für die Qualität des Flusswassers. Die meisten Bauern setzen nach wie vor auf riesige Agrarflächen. Dabei gefährden gerade Maismonokulturen die Artenvielfalt. Mais, der hauptsächlich für die Energiegewinnung in Biogasanlagen angebaut wird - auf Feldern, die in trockenen Sommern mit Flusswasser beregnet werden müssen. Sebastian Lorenz ist ständig unterwegs, spricht mit den Landwirten, um auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Sein Ziel: Verständnis für das sensible Fluss-Ökosystem wecken und dabei erreichen, dass der Fluss so wenig wie möglich belastet wird. Einer seiner wichtigsten Verbündeten ist die Stadt Rostock. Denn die Nebel mündet in die Warnow – und aus ihr gewinnt Rostock das Trinkwasser für die Stadtbewohner. Eine verseuchte Nebel wäre eine Katastrophe für die Hansestadt.

Nur Paddel- und Elektroboote

Die herrlichen Wasserlandschaften der Nebel erwecken natürlich auch Begehrlichkeiten für den Tourismus. Nur Paddelboote und ein elektrisch angetriebenes Flachbodenschiff sind im Moment erlaubt. Die defekte Schleuse vor der Wasserentnahmestelle des Rostocker Wasserwerks wirkt wie ein Schutzschild. Sie verhindert, dass sich die Träume der Freizeitkapitäne erfüllen, den Fluss mit ihren Motorbooten zu erobern. "Hoffentlich wird sie nie repariert", wünscht sich Sebastian Lorenz.

Über Jahrhunderte hat der Mensch in das Gewässer eingegriffen, Mühlen und Wehre gebaut, Flussabschnitte kanalisiert, Moore entwässert und den ungehinderten Lauf im Fluss unterbrochen. Mit Fischtreppen wird jetzt der Weg von der Ostsee bis in die Quellregionen für Wanderfische wieder durchgängig gemacht. Für Sebastian Lorenz ist auch das ein wichtiger Erfolgt für den Erhalt der Artenvielfalt.

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