2. Weltkrieg: "Unternehmen Bernhard"

Das Geheimnis der falschen Pfundnoten

Im Jahr 1959 berichtete der "Stern" unter dem Titel "Geld wie Heu" über den sensationellen Fund falscher britischer Pfundnoten im österreichischen Toplitzsee. Neun Kisten mit Falschgeld wurden damals sichergestellt.

Stern-Reporter Wolfgang Löhde war auf eine heiße Spur gestoßen - die größte Geldfälschung der Geschichte. Die Nazis ließen unter dem Tarnnamen "Unternehmen Bernhard" 130 Millionen englische Pfund drucken. Eine heiße Fährte führte an den Toplitzsee.

Geldfälschung im KZ Sachsenhausen

Das Magazin Stern fand mit Hilfe eines hochrangigen und zwielichtigen ehemaligen SS-Angehörigen heraus, dass während des Zweiten Weltkrieges das Falschgeld im KZ Sachsenhausen gedruckt wurde. Die gefälschten Pfundnoten sollten die britische Wirtschaft schwächen.


Der Auslandsnachrichtendienst der Nazis brauchte dringend Devisen. Daher wurde die Fälscherwerkstatt im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin eingerichtet. Sturmbannführer Bernhard Krüger war technischer Leiter im Reichssicherheitshauptamtes. Er war zuständig für Pässe und Dokumente, er war der Cheffälscher von SS-Reichsminister Heinrich Himmler. Krügers Vorname Bernhard wurde Codewort des Unternehmens. Je länger der Krieg dauerte, umso mehr Geld wurde benötigt und umso schneller liefen die Druckmaschinen.

Drucken unter Todesangst

Im Konzentrationslager Sachsenhausen arbeiteten die Häftlinge in den Blöcken 18 und 19 an der größten Geldfälschung der Geschichte. Hier gehörten Erschießungen zum grausamen Alltag der SS. Die Häftlinge im Fälscherblock wussten, falls nicht rechtzeitig Rettung käme, waren auch sie Todeskandidaten. Bis zur Befreiung am 22. April 1945 starben im KZ Sachsenhausen wahrscheinlich 100.000 Menschen.

Jack Plappler kam mit 18 Jahren ins KZ Sachsenhausen. Plappler, ein gelernter Maler, war der jüngste im Fälscherblock, die anderen waren eher Spezialisten: Drucker, Grafiker, Typografen. Anfangs, 1942, waren es 26 in der Baracke, zwei Jahre später arbeiten über 140 Männer an den Druckmaschinen. Sie stellten perfekte Fünf-, Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Pfund-Blüten her. Ausschuss zu produzieren, um möglichst viel Zeit zu gewinnen, war für sie überlebenswichtig.

Der Cheffälscher von einst gibt Auskunft

Hans Fricke fand den Mann, den die Alliierten für den Hauptdrahtzieher der ganzen Aktion hielten: Bernhard Krüger. Er berichtete, wie einfach es damals gewesen sei, den Code der Englischen Bank zu knacken. Er habe einfach in der Reichsbank per Hand sämtliche Seriennummern der Noten aufschreiben lassen und jede Note nur einmal nachgedruckt, mit richtigem Wasserzeichen auf dem richtigem Papier. Die Sicherung der ganzen Banknote sei auf das Wasserzeichen aufgebaut gewesen.

Doch das Taucherteam fand nicht nur gefälschte britische Pfundnoten, sondern auch jede Menge Kriegsmaterial aus der Nazizeit - Minen, Bomben, Raketen. Der kleine abgelegene Bergsee eignete sich bestens für Versuche mit Unterwassersprengstoff. Hans Fricke fand auch heraus, dass die deutsche Kriegsmarine am Toplitzsee eine neue Unterwasserrakete entwickelte.

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