3D-Welten für den Alltag

Die Zukunft der Multimedia-Kommunikation

Diplom-Ingenieur Klaus Schenke ist Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnnik in Berlin. Weil wir heute noch Displays für "einäugige Fabelwesen" benutzen, forscht er an neuen Kommunikationstechnologien wie einem 3D-Display.

Georgina Gater spricht mit ihrem Sohn über ein holographisches interaktives Display. Quelle: ZDF/Marc Schubert


Frage: Herr Schenke, wo liegt zurzeit Ihr Forschungsschwerpunkt?


Klaus Schenke: In enger Kooperation mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft erforscht und entwickelt die Abteilung Interaktive Medien - Human Factors innovative Konzepte und Anwendungen für die Multimedia-Kommunikation der Zukunft. Unser Ziel ist die Entwicklung von Endgeräten, Systemen und Anwendungen, die einen attraktiven und nutzerfreundlichen Zugriff auf multimediale Daten und interaktive Dienste ermöglichen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir an Endgeräten der Datenautobahn mit 3D-Bildwiedergabe von virtuellen Umgebungen und Video-Kommunikation, autostereoskopischen Displays (3D ohne Stereobrille), 3D-Mixed-Reality-Darstellungen (nahtlose Vereinigung von virtueller und natürlicher Realität) und an nutzerfreundlichen Mensch-Maschine-Schnittstellen, zum Beispiel an Lösungen für die berührungslose Gesteninteraktion.

Klaus Schenke


Frage: Welchen Nutzen hat Ihre Forschung für die Zukunft und für den Alltag der Menschen?


Schenke: Die heutigen Fernseher und Computermonitore unterstützen nicht das für den Menschen wichtige, räumliche Sehvermögen - wir nutzen also derzeit immer noch Displays für einäugige Fabelwesen. Mithilfe der räumlichen Darstellung kann man sich besser in komplexen Darstellungen orientieren. Außerdem gibt es durch die dritte Dimension beeindruckende zusätzliche ästhetische Gestaltungsmittel: Denken Sie zum Beispiel an Spiele, Filme und die Fotografie. Ich kann mir aber auch einen Gang durch ein virtuelles Kaufhaus in 3D vorstellen oder mir die Umgebung meines Urlaubszieles vor der Reise in 3D ansehen.


Frage: Was betrachten Sie im Rahmen Ihrer Forschung als größte Herausforderung?


Schenke: Zurzeit gibt es noch kein 3D-Display, das alle wünschenswerten Vorteile auf sich vereinigt. Die "eierlegende Wollmilchsau" unter den 3D-Displays müsste die folgenden Kriterien erfüllen: hohe örtliche und zeitlich Bildauflösung, hohe Bildqualität (Helligkeit, Kontrast und Stereotrennung), 2D/3D umschaltbar, Flachdisplay, für eine und viele Nutzer gleichermaßen optimiert,360-Grad-Rundumsicht, geringer Energieverbrauch, sehr preiswert Solch ein Gerät zu entwickeln, das wäre eine Herausforderung. Zurzeit ist kein Ansatz bekannt, der alle Forderungen gleichermaßen erfüllt.


Frage: Die Entwicklung von Displays, die 3D-Bilder dem Betrachter nur vortäuschen, klingt beinahe nach Science-Fiction. Wann könnte sie Wirklichkeit werden?


Schenke: Es gibt bereits heute 3D-Displays mit hoher Bildqualität. Sie basieren auf dem Stereoprinzip: Sie stellen zwei verschiedene Perspektiven - je eine für jedes Auge - dar, die wie beim natürlichen räumlichen Sehen vom Menschen im Gehirn zu einem Raumbild verschmolzen werden.


Frage: Warum ist die Darstellung von Dingen oder Situationen in 3D gegenüber einer zweidimensionalen besser?


Schenke: Mithilfe der räumlichen Darstellung kann man sich besser in komplexen Darstellungen und virtuellen Welten orientieren. Man bekommt einen besseren und schnelleren Eindruck von räumlichen Zusammenhängen und Gegebenheiten.

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