Abenteuer in Syrien

Ein Elektriker auf archäologischer Expedition

Am 4. Juli 1900 kommt Alfred Rust in Hamburg zur Welt. Aufgewachsen in einem ärmlichen Viertel Hamburgs durchlebt er eine entbehrungsreiche Kindheit. Vom Vater verlassen, muss Alfreds Mutter die Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten. Die Rusts leben nur wenige Schritte von der Universität entfernt. An ein Studium des wissbegierigen Jungen ist jedoch nicht zu denken. So oft er nur kann, flieht Alfred hinaus in die Natur.

Alfred Rust und sein Freund Kuno Schladetzki während ihrer Fahrradtour durch Syrien. (Spielszene)
Alfred Rust und sein Freund Kuno Schladetzki während ihrer Fahrradtour durch Syrien. (Spielszene) Quelle: ,ZDF/Chrisoph Schmidt

Schon früh muss Rust die Schule verlassen und beginnt eine Lehre zum Elektriker. Doch insgeheim träumt der junge Mann von einem Leben als Forscher. Immer wieder streift er durch das Hamburger Umland, sammelt alles, was ihm aufsehenerregend erscheint. In den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs muss Rust noch zum Fronteinsatz nach Frankreich. Nach dem Krieg wird in Hamburg eine Volkshochschule eingerichtet. Rust belegt dort neben seiner Ausbildung Kurse in Biologie und Vorgeschichte an der Volkshochschule, die der Kieler Professor Gustav Schwantes leitet. Der Prähistoriker gilt als unumstrittene Koryphäe. Vier Jahre besucht Rust die Vorlesungen von Schwantes. Er wird später Rusts Förderer und Freund fürs Leben.

Mysteriöse Steine im Tunneltal

Bei einem seiner zahllosen Streifzüge durch die Umgebung entdeckt Rust 1928 mysteriöse Steine im Ahrensburger Tunneltal. Noch hat er keine Ahnung, dass sie den Anfang seiner Forscherkarriere markieren. Als Rust Schwante die Steine zeigt, bestätigt er die Besonderheit der Funde und ist begeistert von Rusts Neugier und Spürsinn. Die Steine sind mit großer Wahrscheinlichkeit prähistorische Werkzeuge. In den Ferien besucht Rust Museen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Schwantes rät ihm, auch fremde Regionen zu entdecken um Erfahrung zu sammeln. Der Rat seines väterlichen Freundes lässt Rust nicht länger zögern. Sein Entschluss steht fest: er will Archäologe werden. Doch noch fehlt ihm dazu das Rüstzeug. Erst wenn er genug archäologisches Wissen gesammelt hat, will Alfred Rust weiter in heimischen Gefilden suchen.

Am 1. September 1930 treten Rust und sein Freund Kuno Schladetzki die abenteuerliche Reise mit dem Fahrrad an. In den ersten sieben Wochen ist ihre Fundausbeute eher bescheiden. Nach einem Stopp in Istanbul durchqueren sie die anatolische Hochebene. Hitze und Trockenheit fordern ihren Tribut. Die Expedition wird zur Qual. Ihr Reise-Budget ist so mager, dass sie mit einer Mark täglich auskommen müssen. Es reicht gerade für Fladenbrot und Weintrauben. Zu trinken gibt's aus Bächen und Wasserlöchern. Nach Wochen im Sattel schwinden die Kräfte. Alfred leidet unter starken Krämpfen. Zwar schafft er es gerade noch die anatolische Hochebene zu durchqueren, doch in Syrien verschlimmert sich sein Zustand dramatisch. Der seit Wochen andauernde Durchfall bringt Alfred Rust an den Rand des Todes. An Weiterreise ist nicht zu denken.

Archäologisches Meisterstück in Syrien

Felsen bei Jabrud, Syrien
Felsen bei Jabrud, Syrien Quelle: ZDF/Christof Schmidt

Beduinen zeigen den Beiden den Weg zu dem einzigen Krankenhaus in Nebek, einem kleinen Dorf nord-östlich von Damaskus. Der völlig ausgezehrte Rust hat großes Glück. Dänische Ärzte helfen hier der einheimischen Bevölkerung. Die Diagnose lautet: Amöbenruhr. Er hatte verdorbenes Wasser getrunken. Um Haaresbreite entgeht er dem Tod. Es dauert Wochen, bis Rust wieder auf den Beinen ist. Doch selbst vom Krankenbett aus forscht er weiter. Seine Ärzte gestatten dem drängenden Rust einen Besuch der nahen Felsen im Skifta-Tal. Das Plateau - so sein erster Gedanke - müsse schon zu Urzeiten ein idealer Rastplatz gewesen sein. Was Rust dort findet, ist eine archäologische Sensation. Mit einheimischen Helfern legt er eine elf Meter hohe Profilwand frei. Rust entdeckt ein ganzes Arsenal uralter Relikte. Die Feuerstein-Werkzeuge weisen große Ähnlichkeiten mit den von ihm bei Ahrensburg gefundenen Steinen auf. Rust ist am Ziel. Er hat sein archäologisches Meisterstück gemacht.

Ohne die Entdeckung des Hamburger Elektrikers wäre der Ort heute vermutlich nur ein unbeachtetes Stück ödes Land. Doch die im Skifta-Tal freigelegte Profilwand ist heute noch eine der bedeutendsten Fundstellen des Vorderen Orients. Die Artefakte helfen, die frühe Besiedlung der Region zu rekonstruieren. Seit dieser Forschung gilt der Fahrradfahrer aus Hamburg für die moderne Wissenschaft als seriös und glaubwürdig. Nachdem Alfred Rust und Kuno Schladetzki mehrere Monate lang gegraben haben, kehren sie im Frühsommer 1931 nach Hamburg zurück. Mehr als 10.000 Kilometer haben sie hinter sich gebracht. Die Studienreise hat Rust das nötige Rüstzeug verschafft. Jetzt ist er bereit, sein wirkliches Ziel in Angriff zu nehmen. Die Suche nach den Eiszeit-Nomaden Norddeutschlands.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet