"Aber paradiesisch ist Goa immer noch"

Drehbericht der Film-Autorin Gisela Graichen

Trotz strapaziöser Dreharbeiten und gefährlicher Situationen mit giftigen Tieren erlebt man auf Goa immer wieder traumhafte Momente: mit Hummer und Kingfisher.

Gisela Graichen hinter einem Spinnennetz Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Die Spinne ist handtellergroß, ihr fetter Körper grün-braun mit gelben Streifen. Mit langen behaarten Beinen, die nur auf mich lauern. Zwischen den wuchernden Lianen im dichten Dschungel sind Tier und fein gesponnenes Netz kaum zu erkennen. Mit Sidh, dem portugiesisch-indischen Bauforscher, stolpere ich den schmalen, durch mächtige Baumwurzeln holperigen Pfad hinunter. Direkt auf die Spinne zu.

Möglichst locker dreinschauen

Ich sehe sie nicht. Konzentriere mich auf den Weg, um nicht zu straucheln und nicht gerade auf eine Schlange zu treten. So wie gestern um Haaresbreite. Dabei noch ein "kluges" Gespräch mit Sidh führen, denn die Kamera läuft. Und dann noch möglichst locker dreinschauen. Wer die amerikanische Dauerserie "Lost" kennt, weiß, wovon ich rede. Nur, dies hier ist echt.

Dreharbeiten im Dschungel von Goa Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Wir sind zu Dreharbeiten in Goa, an der Westküste Indiens. Im 16. Jahrhundert verlockendes Paradies für europäische Entdecker, Eroberer, Händler, Missionare und Abenteurer. Im vorigen Jahrhundert für Hippies und Baghwan Jünger, heute für Touristen. An der Küste mit dem breiten feinen Sandstrand und dem klaren, warmen Arabischen Meer, in dem schon Sindbad der Seefahrer tauchte, entstehen immer neue Hotelpaläste mit jeglichem Luxus. Einige Anlagen sind so stark von russischen Touristen belegt, dass Hinweisschilder nur noch in kyrillisch geschrieben sind.

Lobster fast geschenkt

Aber paradiesisch ist Goa immer noch. Ein paar Althippies und Aussteiger leben hier das ganze Jahr über am Strand. Die Fischer landen mit prall gefüllten Netzen an, der frische Fisch wird gleich in kleinen Essbuden am Strand zubereitet. Für umgerechnet drei Euro gibt es einen großen herrlich gewürzten Red Snapper und eine vor Kälte beschlagene Flasche Kingfisher, das richtig gut schmeckende einheimische Bier. Und im Vergleich zu den Preisen im Hamburger Hafen ist der Lobster fast geschenkt. Dabei die Füße im Sand, wenige Meter von der rauschenden Brandung entfernt, die Hitze des Tages lässt nach, die Sonne geht als dicker roter Ball am Horizont unter, wie gesagt: das Paradies.

Gisela Graichen und Dr. Taher, Ausgrabungsleiter von St.. Augustin Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Leider nicht für uns. Peter Prestel, der Regisseur, ruft zum vierten Mal: "Schon ganz schön, aber...". Was das bedeutet, wissen wir: den Pfad wieder hochkraxeln und auf "bitte" ins Bild kommen und ganz frisch und neu interessiert und locker beim Gehen das Gespräch führen. Das Baumwollhemd klebt am Rücken, die Haare kräuseln sich in schwülfeuchter Luft, die Spinne wartet, endlich ist Peter zufrieden.

Hügelbesteigung, die Fünfte

Doch Kameramann Steffen Böttrich nicht, die Schärfenverlagerung hat nicht geklappt. Also zum fünften Mal von vorne den zugewucherten Hügel hoch, einstmals der Heilige Hügel der versunkenen Weltmetropole Old Goa, im 16.Jahrhundert Hauptstadt der portugiesischen Kolonie, mit mehr Einwohner als London oder Lissabon und mehr Kirchen als Rom. Heute ragen die Kathedralen über den dichten Dschungel.

Dreharbeiten in den Ruinen von Goa Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Einen knappen Meter vor einem Lianen umwucherten Baum, hinter dem die Kamera steht, ist mit der Fußspitze ein Kreuz in den Pfad geritzt. Hier sollen wir stehen bleiben und unser Gespräch weiterführen. "Wo ist diese Großstadt geblieben?" frage ich und deute mit ausholender Bewegung in den Dschungel. "Unter uns liegt..." setzt Sidh zu einer Antwort an, da höre ich nur noch Kameraassistent Maximilian Schecker schreien: "Vorsicht!"

Spinne vorne, Graichen dahinter

Direkt vor der, wie einer der indischen Begleiter sagt, hochgiftigen Spinne verharrt mein Arm reglos. Deswegen also die Schärfenverlagerung. Spinne im Vordergrund, Graichen dahinter, auf das Netz zulaufend. So begeistert waren Peter und Steffen von der Einstellung, dass sie mit einer unvorsichtigen Bewegung von mir einfach nicht rechneten. Das kostete die beiden spät abends gleich mehrere Kingfisher...

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