Abgaben und Regeln

Die Geschichte des Gauklers Adam (2)

Bei allem Fortschritt in der Landwirtschaft, immer waren es die Bauern, die alle Lasten zu tragen hatten. Die Kirche verlangte von ihnen den Zehnt; die Grundherren Abgaben auf Getreide, Stroh und Vieh - also auf alles, wa die Bauern produzierten. Bis zur Hälfte ihres Ertrages hatten sie abzugeben. Zu Sankt Martin verlangte es die Herrn obendrein nach Martinsgänsen. Gaukler Adam berichtet vom Alltag der Bauern:

"Ob die fetteste Gans oder die schönsten Äpfel - dem Herrn immer nur das Beste. Die Bauern selbst hungern oft, leben von Kräutern, Wurzeln und Baumrinde."

Streit um die Schuld

"Auf dem Markt hörte ich Streit. Ein Bauer brachte dem Vogt weniger als er forderte. Das war nicht mit anzusehen, wie er aus dem armen Kerl das Letzte herauszupressen suchte. Ich beschloss, die Sache in die zu Hand zu nehmen und ließ mir erklären, woran es mangelte. Der Vogt sollte schon kriegen, was er wollte. Ein Ei und noch ein Ei und die Schuld des Bauern war getilgt. Eines aber war für ihn, er sollte schließlich nicht verhungern."




"Die Hochzeit im Dorf war vorbei, für uns Gaukler war hier nichts mehr zu holen. Wir verließen das Dorf und zogen weiter. 'Je enger der Käfig, um so schöner die Freiheit.' Wir Vaganten wollen keinen Herrn über uns und niemandes Knecht sein. Auch wenn wir nie wissen, was uns der nächste Tag bringen wird. Schließlich haben wir die Füße für ein unstetes Leben bekommen. 'Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen,' heißt es. Da tanze ich lieber für volle als für hungrige Mägen. Wir besuchten ein Burg."

Tanz auf dem Seil

"Ich führte einen Seiltanz im Hof der Burg auf. Luft hat keine Balken. Hier ist es echt gefährlich! Heilige Jungfrau - steh' mir bei. Ihr Chordamen, Ritter, Edelfrauen: Verlasst euch drauf! Ihr Schnapphähne schwarz und braun: Nehmt was euch in die Augen sticht - Barone, Bauern, nasse Knaben. Ich vergnüg' euch, was ihr begehrt, das sollt ihr haben. Alle wollen sie dabei sein, wenn ich zeige was ich kann. Ihr Lohn ist uns gewiss, er muss mehr als lange reichen. Ihre Scheunen sind zwar voll, trotzdem klagen sie, dass es ihnen an Geld mangelt. Aber wer wollte nicht mit ihnen tauschen, wenigstens haben sie ein festes Dach über dem Kopf."




"Wie üblich, uns ließ man nur, was vom Tisch des Herrn übrig blieb. Wenn wir ihn gut unterhalten hatten. Und weiß Gott, das hatten wir. Ich hatte Kopf und Kragen riskiert. Es stand uns auch klingende Münze zu. Doch was bekamen wir? Die abgelegte Kleidung der Herrschaften. Kleider machen zwar Leute. Aber sie zu tragen, war uns sowieso verboten. Zum Teufel mit ihnen. Undank ist der Welten Lohn. Mehr als einen vollen Bauch und das prächtige Gelumpe hatten wir nicht bekommen. Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?!"




Ins Land der Schweizer

"In der Gesellschaft, die wir unterhielten, gab es auch schöne Damen. Ich setzte mich neben eine von ihnen - und dachte, die Nacht mit ihr wäre mir. Doch am anderen Morgen fand ich mich alleine wieder. Alles hatten sie mir genommen. Selbst meine Schuhe. Nun gut: 'Wer barfuß geht, den drücken die Schuhe nicht.' Den Alten der Gesellschaft hatte ich unterschätzt. Ich zog alleine weiter. In das Land der Schweizer. Sie lieben die Freiheit und ziehen ihren Hut nicht vor den Herrn. Vielleicht hatte ich dort mehr Glück."




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