Abwendung von Königin Katharina

Ohne männlichen Thronfolger ist die Dynastie in Gefahr

Seit Heinrich im Jahre 1509 als 18-Jähriger den Thron bestiegen hat, schwärmt das englische Volk von ihm. Der junge Heinrich hat die Aura eines Popstars: Frauen begehren ihn, clevere Berater stützen ihn. Heinrich liebt es, sich als wahrer Ritter in Szene zu setzen. Sein Volk und seine Königin sind stolz auf ihn.

"Immerwährendes Fest"

In den ersten Jahren seiner Herrschaft nimmt sich Heinrich wenig Zeit zum Regieren. Stattdessen führt er ein prächtiges, zügelloses Leben.
Seine Frau Katharina berichtet ihrem Vater, dem spanischen König: "Das Leben am Hofe ist ein immerwährendes Fest." Er liebt das italienische Maskenspiel - das man in England noch nie zuvor gesehen hatte. Heinrich überrascht seine Hofgesellschaft mit immer neuen Inszenierungen. Die tief religiöse Katharina nimmt die Streiche ihres sechs Jahre jüngeren Ehemanns mit Humor.

Doch nach vielen Jahren einträchtiger Ehe geschieht etwas, was nicht nur Ehe und Königreich, sondern ganz Europa in eine Krise stürzen wird: Heinrich verliebt sich in die Hofdame Anne Boleyn. Es scheint nicht nur Schwärmerei zu sein, sondern bitterer Ernst. England stehen unruhige Zeiten bevor. Seit 17 Jahren ist Katharina nun englische Königin. Aber sie hat Heinrich nur eine Tochter - und keinen Sohn geschenkt. Ohne männlichen Thronfolger ist die Tudor-Dynastie in Gefahr.

Lieber Jagen als Regieren


Noch mit Mitte Dreißig verbringt Heinrich die meiste Zeit auf der Jagd - oft reitet er mehrere Pferde am Tag bis zur Erschöpfung. Die Regierungsgeschäfte überlässt er zum Großteil seinen treuesten Beratern. Er ist ein so leidenschaftlicher Jäger, dass er manchen Eber oder Hirsch einen ganzen Tag lang verfolgt. Oft kehrt er erst spätabends in den Palast zurück.

Im Jahre 1526 ist Heinrichs größte Leidenschaft die gerade 20-jährige Anne Boleyn. Nur ein einziges Mal in seinem Leben ist der für seine Schreibfaulheit berüchtigte König so entflammt, dass er eigenhändig Liebesbriefe schreibt. Er bittet sie, ihn zu erhören, er zählt die Stunden bis zum Wiedersehen und er bietet ihr seine Liebesdienste an: "Ich muss unbedingt Antwort erhalten, da ich vor mehr als einem Jahr vom Pfeil der Liebe getroffen wurde und nicht weiß, ob ich gescheitert bin, oder einen Platz in Eurem Herzen gefunden habe."

Flammende Liebesbotschaften an Anne

Schon bald erhält die Angebetete nicht mehr nur Briefe, sondern auch selbst erlegtes Wild: "Da meine Allerliebste abwesend ist, kann ich ihr wenigstens etwas Fleisch senden, das stellvertretend für mich steht ... An meinem, so wage ich zu prophezeien, werdet Ihr Euch bald - so Gott will - erfreuen; ich wünschte mir, es wäre schon jetzt."

Anne ist geschmeichelt - aber sie hält den König hin. 17 von Heinrichs Liebesbriefen an Anne sind überliefert. Es ist spannend zu sehen, wie Heinrichs höfisches Werben allmählich in Leidenschaft umschlägt: Fleht er anfangs noch auf Französisch - der Sprache der höfischen Liebe - um Antwort, bedrängt er die Geliebte bald ganz direkt auf Englisch: "Ich wünsche mich - besonders am Abend - in den Armen meines Schatzes, dessen hübsche Brüste ich bald zu küssen hoffe" - schreibt der König "Henry Rex".

Vergebliches Werben

Doch alle Küsse bleiben Phantasie. Schon nach den ersten Annäherungsversuchen des Königs hat sich Anne vom Hof zurückgezogen und weigert sich, seine Geliebte zu werden. Anne Boleyn, Tochter aus niederem Adel, ist durch ihre Erziehung am französischen Hof zu einer weltläufigen jungen Frau geworden. Mit ihrem kultivierten Charme bezaubert sie ihre Umgebung. Anne pokert hoch: Sie will nicht, wie andere vor ihr, vorübergehende Geliebte sein, um dann gegen eine neue Favoritin eingetauscht zu werden. Heinrichs Werben bleibt umsonst. Anne Boleyn will mehr: Sie will Königin werden.

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