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Ägypten, das Geschenk des Nil

Von der Sahara bis zum Roten Meer

Ägypten: ein Land, das schon ganze Generationen in seinen Bann gezogen hat. Selten war die Entwicklung einer Zivilisation so eng mit der Geologie und dramatischen Klimaänderungen in ferner Vergangenheit verknüpft wie hier. Dirk Steffens erkundet die frühen Wurzeln der Hochkultur in der Sahara und folgt dem Lauf des Nil, der für Ägyptens Geschichte, Gegenwart und Zukunft eine beherrschende Rolle spielt.

Ägyptische Malerei mit Sonnengott Ra
Ägyptische Malerei mit Sonnengott Ra Quelle: ZDF

Westlich des Nil erstreckt sich der trockenste Teil der Sahara. Forscher vermuten, dass genau in diesem lebensfeindlichen Umfeld die Wurzeln der ägyptischen Hochkultur liegen. Mithilfe von Satellitenbildern spürten sie Hinterlassenschaften von frühgeschichtlichen Siedlern mitten in der Wüste auf. Wie konnten die Menschen hier überleben?

Nil - Motor der Zivilisation

Flug über Sanddünen der Sahara
Dünenüberflug Sahara Quelle: ZDF


Felszeichnungen von Giraffen und Krokodilen, die in der Sahara entdeckt wurden, stützen auf verblüffende Weise die Theorie, dass die größte Warmwüste der Erde einst eine grüne Savannenlandschaft mit Flüssen und Seen war. Durch einen dramatischen Klimawandel vor rund 7000 Jahren fielen die feuchten Gebiete trocken, die Vegetation verdorrte. Das Versanden ihres Paradieses trieb die Menschen nach Westen, an den Nil. Dort, so vermutet man, trafen verschiedene Völker mit unterschiedlichen Kulturen und Fertigkeiten zusammen - möglicherweise der Motor für die Entwicklung der späteren Hochkultur.

Ägypten sei ein Geschenk des Nil, schrieb der griechische Historiker Herodot 430 vor Christus. Und heute noch muss man ihm recht geben: Der gewaltige Strom verwandelte die Wüste an seinen Ufern in eine rund 1000 Kilometer lange fruchtbare Oase. In regelmäßigen Überschwemmungen hat er hier jahrtausendelang nährstoffreichen Schlamm abgelagert. Dieser stammt vom weit entfernten Oberlauf des Blauen Nil im äthiopischen Hochland. Heute verhindert der Hochdamm bei Assuan die jährliche Nilschwemme - eine einschneidende Veränderung des Lebens in Ägypten. In Zukunft soll das in den 1960er-Jahren begonnene Großbauwerk den Traum von der grünen Wüste wahr werden lassen.

Monumente für die Ewigkeit

Der Nil brachte im alten Ägypten nicht nur die Landwirtschaft mit seiner fruchtbaren Ladung zum Blühen, er stellte auch die Logistik bereit, um Lasten mehrere Hundert Kilometer weit zu transportieren - beispielsweise tonnenschwere Steinblöcke, die zum Bau der Pyramiden von Gizeh gebraucht wurden. Kein Bauwerk der Erde hat zu mehr Spekulationen Anlass gegeben als die Cheopspyramide. Wie hat man die gigantischen Steinquader vor rund 4500 Jahren ohne Einsatz von Rädern exakt in Position gebracht? Über die übermenschlich anmutenden Leistungen beim Bau der Pyramiden und ihre ausgeklügelte Konstruktion haben die Forscher in letzter Zeit neue Erkenntnisse gewonnen.

Sphinx, zwei Pyramiden im Hintergrund
Sphinx, zwei Pyramiden Quelle: Terranoa

Wie ein mächtiger Beschützer der Pyramiden erscheint dem Betrachter das zweite Wahrzeichen Ägyptens: Viele Mythen ranken sich um den mächtigen Sphinx. Noch immer ist unklar, wie die legendäre Gestalt überhaupt entstand. Eine Spur führt in die Weiße Wüste, eine Landschaft, der bizarr geformte weiße Felsen eine eigentümliche Schönheit verleihen.

Wettlauf der Kolonialmächte

Die Kultur Ägyptens übte schon vor 200 Jahren eine magische Anziehungskraft auf Europäer aus. Abenteurer und Forscher zogen los und fanden in dem geheimnisvollen Land am Nil Gold und Kunstschätze im Überfluss. Um die großen Rätsel der alten Kultur zu ergründen, war es jedoch unumgänglich, die altägyptischen Schriftzeichen, die Hieroglyphen, zu verstehen. Französische und britische Wissenschaftler wetteiferten auf diesem Gebiet um Ruhm und Anerkennung. Mithilfe des legendären Steins von Rosetta gelang es um 1820 endlich, den geheimnisvollen Code der Hieroglyphen zu knacken und damit einen Zugang zur Lebenswirklichkeit und Vorstellungswelt der alten Ägypter zu erhalten.

Neben dem Nil war auch das Rote Meer schon zu Zeiten der Pharaonen ein wichtiger Handelsweg. Heute ist es durch den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden. Der Kanal verkürzt die Wege für die Schiffe erheblich, die Handelsgüter aus Vorderasien und Asien auf die Märkte Europas und der USA bringen. Einst war er ein Symbol kolonialer Vorherrschaft. Frankreich und Großbritannien waren die Hauptaktionäre der Gesellschaft, die den Kanal betrieb. 1956 verstaatlichte der ägyptische Präsident Nasser den Kanal, während Frankreich und Großbritannien versuchten, die Kontrolle über den Kanal zurückzugewinnen: Die Suezkrise hielt die Welt in Atem.

Grünes Wunder

Das Rote Meer ist ein geologischer Hotspot und eines der jüngsten Meere der Erde. An ihm lässt sich die Geburt eines Ozeans studieren. Afrika und die Arabische Halbinsel driften an dieser Stelle der Erdkruste immer weiter auseinander. Weltberühmt ist das Rote Meer als Tauchrevier - vor allem wegen seiner farbenprächtigen Korallen.

Grün fluoreszierende Koralle
Fluoreszierende Koralle Quelle: ZDF

Aufgrund besonderer Strömungen wird im Sommer die Wassertemperatur im Süden des Meeres so hoch, dass sie für die meisten Korallenarten nicht mehr verträglich ist. Doch mit einer raffinierten Strategie haben sich die Bewohner des Roten Meeres daran angepasst: Bestimmte Korallen können blaues Licht absorbieren - sie leuchten dann grün. Mit einer Spezialausrüstung und etwas Glück können Taucher das faszinierende Schauspiel der fluoreszierenden Korallen im Roten Meer beobachten.

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