Ägypten-Reise als persönlich größter Triumph

Anmerkungen zu Jean-François Champollion

Dass Champollion über Jahrzehnte ein immenses Arbeitspensum bewältigte und sich selbst von massiven Anfeindungen nicht beirren ließ, sondern stur seinen Weg verfolgte, offenbart ihn als ungebrochenen Einzelkämpfer - mutig und aufgeschlossen.

Selbst die kniffligsten Probleme schreckten ihn nicht ab. Mit Geduld und Sorgfalt trug Champollion sämtliche erreichbaren Quellen zusammen.

Streng logische Schlüsse

Er listete das gesammelte Material auf, klassifizierte und analysierte es, bevor er aus der Beweiskette seine streng logischen Schlüsse zog. Während seine Konkurrenten beim Hieroglyphen-Puzzle zwar magere Erfolge an Einzelbeispielen erzielten, glänzte er als erster Mensch seiner Zeit mit dem Lesen vollständiger ägyptischer Texte. Den Durchbruch hatte er allein mit seiner systematischen Methode geschafft.

Einerseits wuchs Champollion als Kind der Revolution auf, die Religion aktiv unterdrückte. Andererseits bildeten ihn Männer aus, die vor dem Umsturz Mönche oder Priester waren. Das verlieh dem hoch intelligenten Knaben eine Bandbreite des Denkens, die ihm das Verständnis der Hieroglyphen erleichterten. Seine Kollegen neigten stets zur Fraktionsbildung und Polarisierung und trugen ihre Thesen - für oder gegen die Kirche, für oder gegen Napoleon - dogmatisch vor.

Verbannung im eigenen Land

Champollion hingegen wog die Argumente ab und zog seine eigenen Schlüsse, was sich in akademischen Fragen als Segen, in Zeiten politischer Umbrüche aber als riskant zeigte. So wandelte sich Champollion vom Gegner zum glühenden Anhänger Napoleons. Das brachte ihn bei der monarchistischen Reaktion in Misskredit, ja sogar in die Verbannung und trug ihm lebenslang den Hass und die Feindschaft vieler Royalisten ein.




Als der Gelehrte nach vielen Rückschlägen 1824 endlich den "Abriss des hieroglyphischen Schriftsystems der Alten Ägypter" veröffentlichen konnte, erkannten weite Kreise seine große Leistung an. Champollion wurde zum Kustos der Ägyptischen Sammlung des Louvre ernannt und mit Ehrungen überschüttet. Seinen persönlich größten Triumph sah er in der Reise nach Ägypten. Dort konnte er in endlosen Hieroglyphentexten schwelgen und sie zum Erstaunen seiner Begleiter und der Einheimischen fließend übersetzen.

Von Strapazen gezeichnet

Als er nach 16 Monaten in Hochstimmung wieder in Frankreich eintraf, hatten ihn die Strapazen deutlich gezeichnet. Nur noch zwei Jahre war es ihm vergönnt, als Professor den ersten Lehrstuhl für Ägyptologie am Collège de France zu führen. Am 4. März 1832 starb der geniale Kopf an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von nur 41 Jahren und wenigen Monaten. Sein treuer Bruder Jacques-Joseph vollendete schließlich die "Ägyptische Grammatik" und gab das Werk 1836 posthum heraus.




Jean-François Champollion hat seinen Lebenstraum verwirklicht und sich mit einer wissenschaftlichen Großtat unsterblich gemacht. Er schenkte der Welt das Wissen über die Pharaonen und ihre versunkene Kultur. Seine spektakuläre Leistung öffnete ein Kapitel der Menschheitsgeschichte, das über Jahrtausende mit sieben Siegeln verschlossen war.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet