Alarmierte Allianz

Britisch-norwegischer Widerstand und amerikanisches Aufrüsten

In den Monaten nach der Besetzung des Kraftwerks Norsk Hydro mühen sich deutsche Physiker, die Fördermenge an Schwerem Wasser zu erhöhen. Doch zunächst tröpfelt es nur milliliterweise aus der Hochkonzentrieranlage.

Das Heeresamt in Berlin drängt. Und die deutschen Offiziere vor Ort reagieren nervös, sie verlangen 5000 Kilo noch im selben Jahr.

Drastische Forderungen

Fünf Tonnen bedeutet eine 500-prozentige Steigerung der Produktion. Von den drastischen Forderungen alarmiert, setzt der norwegische Herstellungschef eine Funkmeldung an den SOE, den englischen Geheimdienst, in London ab. Die Befürchtung über den Bau einer deutschen Atombombe löst Entsetzen aus. Der SOE plant eine Kommandoaktion gegen die Norsk Hydro.

Eine Gruppe norwegischer Widerstandskämpfer formiert sich - heute bekannt als "Die Helden der Telemark". Drei Jahre nach Kriegsende setzt ein Kinofilm die Ereignisse in Szene. Ein seltenes Zeitdokument, denn die Widerstandskämpfer von einst spielen sich darin selbst. Knut Hansen ist der letzte, noch lebende Partisan. Genauso wie seine Kameraden und viele andere, begriff auch er erst nach dem Krieg die wahre Bedeutung des Auftrags. Allerdings vergehen noch Monate, bis London den mutigen Männern grünes Licht gibt. Die Engländer wollen noch warten. Sie hoffen, ihr enger Verbündeter gewinnt das Wettrennen um die Atombombe.

Gigantisches Unternehmen

Als die Amerikaner im Dezember 1941 in den Krieg eintreten, beauftragen sie ihre Physiker unter dem Decknamen "Manhattan Project" mit dem Bau einer Kernwaffe. Die Generäle kamen zu dem Schluss: Mit konventionellen Mitteln dauert es noch Jahre, bis Deutschland kapituliert. Nur eine atomare Waffe kann den Krieg sofort beenden. Mit einem gigantischen Budget von drei Milliarden Dollar und 200.000 Beschäftigten startet eine der größten Unternehmungen der Geschichte. Ganze Städte werden für die Arbeiter aus dem Boden gestampft. Es gilt, den Vorsprung der deutschen Physiker aufzuholen.



Doch das Blatt hatte sich inzwischen gewendet. 1942 gerät Hitlers Blitzkrieg ins Stocken. Seine Militärs verlangen mehr Panzer und Munition. Das Heeresamt stuft das Atomprojekt auf Laborniveau herunter - noch bevor die erste Kettenreaktion gelingen konnte. Im Haus der Forschung in Berlin referiert daraufhin die Elite der deutschen Kernphysik über die Ergebnisse ihrer Forschung. Eine Maßnahme, um die Staatsgelder nicht ganz zu verlieren. Auf dem Programm standen: "Die Gewinnung von Schwerem Wasser" von Paul Harteck, "Energiegewinnung aus der Uranspaltung" von Werner Heisenberg und "Die Kernphysik als Waffe" von Erich Schumann. Die populären Vorträge zeigten Wirkung.

Verbessertes Verfahren

Die Physiker erhalten eine Galgenfrist. Den Anspruch von Goebbels können sie aber nur dann erfüllen, wenn genügend Schweres Wasser zur Verfügung steht. Es gelingt, das Verfahren zu seiner Gewinnung noch einmal zu verbessern. Noch im selben Jahr fördert die Fabrik zum ersten Mal ernstzunehmende Mengen.

Die Ausbeute wird sofort in Heisenbergs Labor nach Leipzig transportiert. Mit seinem Kollegen Robert Döpel nimmt der Wissenschaftler den Modellreaktor "L-IV" in Betrieb - auf der Basis von 164 Kilogramm Schwerem Wasser und 750 Kilogramm Uran. Ein wichtiger Schritt. Helmut Rechenberg, der letzte Doktorand von Werner Heisenberg, hat den Versuch unter die Lupe genommen.

Das Missgeschick findet über einen Agenten seinen Weg nach London - und zwar als Falschmeldung. Heisenberg habe die Kettenreaktion erzielt und schon gleich einen Reaktorunfall verursacht. Für die Engländer höchste Zeit zu handeln. Von Schottland aus starten Lastensegler Richtung Oslo. An Bord Verstärkung für die Widerstandskämpfer. Die Flugzeuge aber zerschellen in den norwegischen Bergen. Die Aktion endet im Desaster. Bei den Überlebenden finden die Deutschen eine Karte, mit einem Kreis um die Fabrik in Vermork. Die geplante Sabotage ist aufgeflogen. Auf die Gefangenen wartet die Todesstrafe. Die Exekution erfolgt sofort.

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