Als das Abendland unterging

Norwegens Küsten sind durch Tsunamis bedroht

Auf dem Meeresgrund westlich von Norwegen kann man mit wissenschaftlichen Methoden Spuren von Gletschern sichten, die nach Vermutungen der Forscher vor 8.000 Jahren eine Katastrophe verursachten: Ein Tsunami überrollte Europas Atlantikküsten und veränderte die Gestalt des Kontinents für immer.

Großbritannien und Kontinentaleuropa über Landbrücken verbunden (Animation)
Einst war England durch Landbrücken mit dem Festland verbunden.

Bis vor 8.000 Jahren war Großbritannien über Landbrücken an das Festland Europas angebunden. Die heute versunkene Landmasse Doggerland in der südlichen Nordsee verband gegen Ende der letzten Eiszeit die Britischen Inseln mit dem heutigen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Hier herrschten für mittelsteinzeitliche Jäger und Sammler lange Zeit paradiesische Verhältnisse. Das Klima war gemäßigt, Wälder, Seen und Küsten ermöglichten den Menschen reiche Beute an Wild und Fisch.

Die Storegga-Rutschung

Doch eine folgenschwere Naturkatastrophe sollte diesem Steinzeit-Idyll ein Ende bereiten. Aus dem Nichts brach eine über 20 Meter hohe Tsunamiwelle über die Inselbewohner herein, die die Nordseeküsten überflutete. Den Menschen blieb kein Entrinnen. Und die Landkarte Mitteleuropas wurde für immer verändert: Durch den Tsunami verloren die Britischen Inseln ihre Verbindung zum Festland.

Schuld an diesem Verhängnis sind Norwegens Gletscher. Über Jahrtausende haben die talwärts rutschenden Gletscher Unmengen an Gesteinsmaterial mit sich gerissen und am Meeresboden aufgetürmt. Am Rande des Norwegischen Kontinentalschelfs, dort wo sich der Ozeanboden wie ein Abgrund um mehrere Hundert Meter absenkt, häuften sich immer größere Geröllhalden auf. Mit dem Schmelzen der Gletscher nach dem Ende der Eiszeit hob sich Skandinaviens Festland, befreit vom Gewicht des Eises, nach oben. Vor rund 8.000 Jahren war der kritische Punkt erreicht, und die Gesteinsmassen am Kontinentalhang rutschten schlagartig in die Tiefe. Die gewaltige Energie der so genannten Storegga-Rutschung erzeugte einen Tsunami, der sich heute in den Ablagerungen an Europas Atlantikküsten nachweisen lässt.

Gefahr für die Fjorde

Dirk Steffens hilft beim Dreh, Messstangen als Frühwarnsysteme in der Fjordwand zu installieren.
Dirk Steffens half beim Anbringen von Messstangen an der Fjordwand.

Immer noch schwelt die Gefahr von Tsunamis in Europa. Besonders gefährdet sind die norwegischen Fjorde. Von den mehrere Hundert Meter steilen Felswänden können immer wieder riesige Klippen abbrechen. Auch über dem Geirangerfjord, einem der schönsten und spektakulärsten Fjorde Norwegens, schwebt ein Damoklesschwert. Vor Jahrzehnten raste bereits eine 64 Meter hohe Flutwelle durch den Fjord und tötete 70 Menschen, als ein Millionen Tonnen schwerer Felsbrocken abbrach und in die Tiefe stürzte.

Ein solcher Felssturz könnte sich mit ähnlichen Folgen jederzeit wieder ereignen. Daher wurden Messstangen mit Sensoren als Frühwarnsysteme installiert. Sie registrieren millimetergenau kleinste Bewegungen der Fjordwand. Geht eine Warnung über verdächtige Felsbewegungen bei der Frühwarnzentrale ein, können sich die Menschen zumindest einen kleinen Vorsprung vor der tödlichen Monsterwelle verschaffen.

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