Als "Lucy" laufen lernte

Zur Animation in "Geheimnis Mensch"

Computeranimationen können heute fast alles. Geschöpfe der Vergangenheit oder der fernen Zukunft ziehen über die Bildschirme. Fantasiewesen bevölkern seit langem Traumlandschaften und virtuelle Architektur. Alles - vom kleinsten Quark bis zu den gigantischen Weiten des Weltraums - kann heute per Computer übersichtlich und naturalistisch ins Bild gesetzt werden.

Lucys ungewöhnliche Art der Fortbewegung war jedoch durchaus dazu geeignet, die Computer zum Qualmen zu bringen. Die Animationsspezialisten der Firma Mac Guff Ligne hatten hier eine besonders harte Nuss zu knacken. Natürlich war es kein Problem, ein Wesen zu entwickeln, das sowohl Züge des Menschen als auch der Menschenaffen in sich vereinigte. Das "Compositing", die Kombination des in Südafrika gedrehten Hintergrundes mit der im Computer errechneten virtuellen Lucy, gehörte ebenfalls zur Routine.

Rätselhafte Bewegungsabläufe

Alles andere als einfach war es jedoch, den virtuellen Australopithecus Lucy zum Laufen zu bringen. Man hatte an alles gedacht: Die Künstlerin Monique Luyton hatte eine Gipsskulptur angefertigt, die Lucys 3-D-Computermodell das rechte Volumen verleihen sollte. Die Bewegungsabläufe der frühen Afrikanerin blieben allerdings rätselhaft. Einige Informationen über Lucys Gehweise konnten die wissenschaftlichen Berater beisteuern: Die Urafrikanerin hatte bereits ein breites und flaches Becken, das eher dem Becken einer Menschenfrau ähnelte als dem einer Schimpansin.

Die Form des Hüftgelenks legt nahe, dass die Oberschenkel der kleinen Urfrau von der Hüfte zum Knie einwärts gestellt waren. Damit standen die Unterschenkel unterhalb des Körperschwerpunktes und Lucy blieb auch beim Gehen stets stabil. Allerdings konnte sie wohl noch nicht nach Menschenart locker dahinschlendern oder gar elegant flanieren, sondern wuchtete stets ihren Oberkörper parallel zu ihren Beinen nach vorn.

Das "Motion Capture"-Verfahren

In einem Pariser Studio übten schließlich einige Darsteller den etwas behäbigen Entengang von Lucy und ihrer Familie so lange, bis sie in zwar ungewohnter, aber fließender und natürlich wirkender Weise voran schritten. Ihre Bewegungsabläufe wurden mithilfe des "Motion Capture" -Verfahrens auf die 3-D-Modelle von Lucy & Co. übertragen. Bei dieser Methode kennzeichnet man möglichst viele bewegungsrelevante Punkte auf dem Körper des Akteurs mit Leuchtmarkierungen. Eine Kamera zeichnet die Bewegungsabläufe auf und liefert dem Animateur auf diese Weise alle Daten, die er benötigt, um sein 3-D-Modell natürlich zum Laufen zu bringen.

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