Alte Rätsel, neue Erkenntnisse

Forscher arbeiten an der Lösung der letzten Geheimnisse der Maya

Viele Rätsel um die Maya-Kultur konnten erst weit nach ihren Entdeckungen gelöst werden. Dazu gehören die Hieroglyphen auf einer Treppe in Copan, das Kanalsystem in Palenque und die Opferbeigaben in den Cenotes.

Treppe der Copan-Pyramide Quelle: ZDF

Als 1870 in Honduras eine Pyramide freigelegt wurde, trauten die Entdecker ihren Augen nicht. Eine Treppe führt die Pyramide von Copán hinauf von der jeder einzelne Stein eine komplexe Hieroglyphe trägt. Der längste Text der Maya, der bisher gefunden wurde. Die Forscher ahnten, dass ihnen die Zeichen etwas über diese Stadt sagen könnten, doch sie konnten das gigantische Kreuzworträtsel nicht lösen. Generationen von Wissenschaftlern versuchten seither, die Treppe zum Sprechen zu bringen. Erfolg hatte erst David Stuart, der seit mehr als 20 Jahren in Copán forscht.

Aus Zeichen werden Texte

Ein Erdbeben riss die Treppe 1773 auseinander. Stuart muss deshalb viele der Steinblöcke neu zusammensetzen. Per Bildbearbeitungsprogramm verschiebt er die Inschriften solange, bis aus den einzelnen Zeichen wieder Texte werden. So entlockt der Wissenschaftler der Treppe immer mehr Details.

Pakal Quelle: ZDF

1951 gelang es Archäologen, einen Schacht zum Grund der Pyramide in Palenque zu graben. In 25 Metern Tiefe wurde die Ruhestätte des mächtigen Herrschers Pakal freigelegt. Er herrschte 70 Jahre in Palenque und ließ seine Architekten fantastische Gebäude errichten. Doch die neueste Forschung hat entdeckt, dass Pakal nicht nur hervorragende Architekten hatte, sondern auch Ingenieure, die anderen Kulturen in Mittelamerika weit voraus waren. Die Ingenieurskunst der Maya liegt versteckt unter Tage. Ein bislang kaum erforschtes Kanalsystem durchzieht Palenque. Der US-amerikanische Archäologe Kirk French ist einer der Ersten, der in den Untergrund gegangen ist, um die Kanäle zu untersuchen.

Eine geniale Idee

Die besondere Lage Palenques macht aus den wenigen Rinnsalen der Trockenzeit Hunderte von Bächen und Flüssen in der Regenzeit. Regelmäßig wurde das Zentrum der Stadt überschwemmt. Das Wasser bedrohte die wichtigsten Tempel Palenques, auch den Königspalast auf dem großen Platz. Da hatten Pakals Ingenieure eine geniale Idee. Sie verlegten die Flüsse unter die Erde. So wurden sie nicht nur der Überschwemmung Herr, sondern Palenque bekam mit den Kanälen eine unterirdische Wasserversorgung, die neben den Tempeln der Elite auch die normalen Haushalte erreichte.

Computeranimation Wasserkanäle Quelle: ZDF

Durch die Überbauung der Kanäle gewannen sie außerdem 25 Prozent mehr Platz, den sie für den Bau ihrer eleganten Paläste dringend benötigten. Die Einheimischen der vorspanischen Zeit nannten die Stadt "Land der festen Häuser". Mayaforscher nennen Palenque heute "das Paris der Maya".

Überlebenswichtige Wasserströme

Inzwischen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass vor 65 Millionen Jahren der Einschlag eines gigantischen Meteoriten in der Karibischen See zur Bildung der "Cenotes" geführt hat. Die Gesteinsbrocken des Meteoriten durchbrachen den Kalksteinboden und gaben Zugänge zu den unterirdischen Wasserreservoirs frei. Andere Hochkulturen schöpften Wasser aus Nil, Euphrat oder Indus, die Maya hatten die Cenotes. Unter dem karstigen Boden der Halbinsel fließen Tausende von Wasserströme, überlebenswichtig für die Bewohner im östlichen Yucatán.

Tauchen in einer Cenote Quelle: ZDF

Die Cenotes der Halbinsel Yucatán sind auch heute trotz modernster Technik ein anspruchsvolles Tauchgebiet. Archäologen dringen immer tiefer in die kilometerlangen verschlungenen Wassersysteme vor. Denn die Höhlen halten für die Forscher wissenschaftliche Schätze bereit, zu denen Grabräuber bisher nicht vorgedrungen sind. Das kristallklare Wasser hat die Knochen und Opferbeigaben über die Jahrhunderte gut konserviert - eine unangetastete Zeitkapsel. Während Konsul Thompson Anfang des 20. Jahrhunderts sich in den Cenotes noch wahllos bediente, gelten heute strenge Regeln. Objekte und Knochen dürfen nur dann geborgen werden, wenn sie für die Spezialisten der mexikanischen Altertumsbehörde bestimmt sind.

Bearbeitete Knochen

Seit vielen Jahren arbeitet die deutsche Archäologin Dr. Vera Tiesler in Mérida. Sie hat Tausende von Knochen aus den Cenotes untersucht. Die jüngsten Funde aus Yucatán bieten aber auch der erfahrenen Spezialistin etwas Neues. Besondere Merkmale weisen darauf hin, dass die menschlichen Knochen noch nach dem Tod des Opfers bearbeitet wurden. Religiöse Rituale, die die Wissenschaftler als "Totenbehandlung" bezeichnen.




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