Am Ende stand der Exodus

Jahwes Gelübde führt Israeliten in das verheißene Land

Das Alte Testament präsentiert eine Fülle an wundersamen Begebenheiten, Sprüchen, Liedern, Prophezeiungen, Gesetzen, philosophischen Gedanken und mehr oder weniger historischen Ereignissen. Doch kaum eine Geschichte des Alten Testaments wirkt so nachhaltig im Gedächtnis der Menschheit wie die Schilderung der "Zehn Plagen".

Rauswurf aus Ägypten
Rauswurf aus Ägypten Quelle: ZDF

Kein Wunder, denn die Story hat es in sich. Innerhalb von einem knappen Jahr bricht über Ägypten eine Welle von Katastrophen herein, die Gott als grausames Zeichen seiner Allmacht heraufbeschwört. Selbst im Vergleich zum 21. Jahrhundert mit seinen weltweiten Mega-Desastern überbieten die Biblischen Plagen alles bisher da Gewesene. Verunreinigungen, Verwüstungen, Seuchen und Tod - jede Plage erreicht ein beispielloses Ausmaß und trifft die Menschen im Land am Nil härter als die vorherige. In fünf Kapiteln von insgesamt vierzig zeichnet das 2. Buch Moses (Ex. 7-12) ein dichtes Horrorszenario, das die Grundfesten des Pharaonenreiches bis ins Mark erschüttert. Am Ende der spektakulären Schau sollte der Exodus das Schicksal der Israeliten mit einem Schlag verändern.

Bündnis Abrahams mit Jahwe

Abraham
Abraham Quelle: ZDF

Das Motiv für den göttlichen Rachefeldzug wurzelt in einem Bündnis, das Gott Jahrhunderte zuvor mit Abraham einging. Damals versprach ihm Jahwe, wie der Weltenlenker in der hebräischen Urfassung immer wieder genannt wird, aus seinen Nachkommen werde ein großes Volk erwachsen. Es erhielte eine Heimat, die "von dem Strom Ägyptens bis an den großen Strom Euphrat" reiche. Dieses Gelübde erneuert der himmlische Vater gegenüber den Erzvätern Isaak und Jakob, den das Alte Testament als Begründer der Israeliten würdigt.

Gott erinnert sich an seine Zusicherung, als er hört, das auserwählte Volk fristet in Ägypten ein unwürdiges Dasein als Sklaven. Er will die Exilanten aus ihrer Fron befreien und in das verheißene Land führen, "darin Milch und Honig fließt". Der Retter weiß aber, dass sein Vorhaben dem Willen des Pharao entgegensteht und dass er nur mit Wundern den Auszug der Gemeinschaft herbeiführen kann.

Ein Ägypter überwacht die Fronarbeit von Israeliten
Ein Ägypter überwacht die Fronarbeit von Israeliten Quelle: ZDF

Konfliktbeladenes Verhältnis

Der bevorstehende Konflikt, so steht es in der hebräischen Schrift, wird noch verschärft, denn Gott verhärtet das Herz des Pharao. Der unerbittliche Regent ist neu auf dem Thron. Dass Israeliten und Ägypter einst friedlich nebeneinander lebten, wie die Bibel berichtet, davon besitzt er keine Kenntnis. Denn das liegt lange vor seiner Zeit. Der Machthaber sieht nur, dass sich die Immigranten immer weiter vermehren, "so dass von ihnen das Land voll war". Da der Herrscher fürchtet, die Fremden könnten sich im Kriegsfall mit dem Feind verbünden, bürdet er ihnen Schwerstarbeit auf. Unter dem Joch bauen sie die Städte "Pithom und Ramses", fertigen Tonwaren und Lehmziegel im Akkord und schuften tagaus tagein auf den Feldern.

Doch damit nicht genug: Um die wachsende Bevölkerungszahl der Einwanderer einzudämmen, befiehlt er ihren Hebammen, alle männlichen Säuglinge sofort nach der Geburt zu töten. Nur die Töchter sollen verschont bleiben. Die Geburtshelferinnen aber weigern sich. Daher setzt der Herrscher seine Untertanen auf die unschuldigen Kinder an. Im Nil sollen sie ihr nasses Grab finden. Dem ägyptischen Glauben nach verhindert der Tod eines Stammhalters das Fortbestehen der Familienlinie und führt zur Schwächung des Staates. Ist das Königshaus vom Tod eines Thronfolgers betroffen, dann droht sogar ein Machtwechsel, der das ganze Reich ins Chaos stürzen kann.

Geeigneter Anführer gesucht

Aus Sicht des Pharao ist die Tötung der israelitischen Söhne demnach eine wirksame Maßnahme, die Zuwanderer allmählich auszurotten. Für Gott hingegen bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss die Nachfahren Abrahams, Isaaks und Jakobs außer Landes bringen. Allerdings braucht der Allmächtige für die erfolgreiche Umsetzung des Exodus einen geeigneten Anführer. Er findet ihn in Moses, dem Mann aus Ägypten.

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