Am Ufer des Niger

Schlüssel zum Ziel

Barths Karawane durchquert die Wüste wie alle Karawanen: sie schwimmt wie in einem Ozean, navigiert in weglosem Gelände mit Hilfe von Kompass und Sternen. Wer sich im Gebiet der endlosen Dünen verirrt, stirbt einen sicheren Tod.

Im Sandmeer ist der Führer so wichtig wie der Kapitän auf hoher See. Mit seinem Wissen ist er Herr über Leben und Tod, über Gelingen wie Verderben der Reise. Er darf nie einen Fehler machen.

Gesetz der Wüste

Abseits der Piste erregen unzählige Steinhaufen Barths Aufmerksamkeit: Gräber aus der Steinzeit. Die Sahara ist die älteste von Menschen bewohnte Region der Welt. Barth hatte bereits früh das wichtigste Gesetz der Wüste gelernt: Der Reisende muss immer wissen, wo der nächste Brunnen ist. Davon hängt das Überleben der Karawane ab - ob Mensch oder Kamel. Das Tier ist ein Wunder der Anpassung: Es vermag 14 Tage ohne Wasser schwere Lasten zu tragen, um dann am Brunnen in wenigen Minuten 135 Liter Wasser zu trinken.

Im Frühjahr 1851 bricht die Karawane wieder auf. Der Weg führt in die Fürstentümer grausamer Despoten am Tschadsee. Barth dringt Tausende von Kilometern nach Süden vor. Er begleitet Sklavenjäger auf ihren Kriegszügen und sieht Dinge, die noch kein Europäer gesehen hat. Ein ganzes Jahr später erreicht Barth nach unbeschreiblichen Strapazen den Niger, den großen Fluss am Südrand der Sahara. Seine Fluten trennen die Wüste von der fruchtbaren Savanne. Für Barth ist er der Schlüssel zum Ziel:

Mikrokosmos des Lebens

In der Stadt Gao wird der deutsche Forscher noch heute auf besondere Weise geehrt. Eine Pontonfähre trägt seinen Namen. Sie ist die einzige Verbindung zwischen den dicht bevölkerten Flussufern. Wie durch ein Nadelöhr müssen Menschen und Tiere an Bord. Die Passagiere bringen Handelsprodukte zum Markt und nehmen die eingetauschten Waren mit nach Hause. Viele Sprachen werden hier gesprochen, die Fähre ist ein Mikrokosmos des Lebens am großen Strom. In Mopti entstehen seit Menschengedenken mit großem Geschick Flussschiffe. Barth hatte ein in Malta aus schwerem Mahagoni-Holz gefertigtes Boot durch die ganze Sahara schleppen lassen. Für den Transport mit Kamelen war es zerlegt worden; am Tschad-See wird es neu zusammengesetzt und kommt erfolgreich zum Einsatz.

Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger sind für Barth die Völker Zentralafrikas keine unterschiedslose Masse von Wilden. In vielen Dörfern stellen die unverheirateten Frauen dem Reisenden nach. Ein besonders hartnäckiges Fulbe-Mädchen macht ihm sogar einen Heiratsantrag. Barth lehnt dankend ab. Viel mehr begeistern ihn die exotischen Bräuche und rätselhaften Riten der Schwarzafrikaner. Die Zeremonie auf dem Kultplatz soll dem Verstorbenen einen Weg ins Jenseits weisen. Und gleichzeitig stellen die Tänzer die Entstehung des gesamten Universums dar. Alle Dinge haben hier eine doppelte Bedeutung, die nur dem Eingeweihten bekannt ist. Für einen fremden Eindringling wie Barth ist der verborgene Sinn nicht zu entschlüsseln. Das Volk der Dogon glaubt, dass erst mit der menschlichen Sprache auch der Tod auf die Welt kam. Sie haben für ihre Vorfahren Totem-Masken angefertigt, damit die toten Ahnen im Heute anwesend sein können. Barth fühlt sich bedroht - eine Verkleidung als islamischer Wunderheiler soll ihn vor religiösen Fanatikern schützen.

Bedrohung für Mensch und Tier

Tagelang ist der Forscher einer weithin sichtbaren Landmarke, den steil aufragenden Hombori-Bergen, gefolgt. Die Dörfer an ihrem Fuß sind für ihn prächtige Beispiele einer lebendigen Bauernkultur gewesen. Doch die katastrophale Dürre hat die einst stolzen Rindernomaden zu Bettlern gemacht. Für die Wüste war der Niger lange Zeit ein unüberwindbares Hindernis. Doch längst türmen sich hohe Dünen auch im Süden des großen Stroms auf, eine Bedrohung für Mensch und Tier.

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