Angelsachsen in England

Geburt einer neuen Nation

Im Norden machte ein anderes germanisches Volk von sich reden: die Angelsachsen. Auf ihre Spuren stießen Archäologen im Nydam-Moor in Dänemark.

Abertausende Lanzen, Schwerter und Schilde wurden um 360 im Moor versenkt. Heute weiß man, sie waren Dankesopfer der Angelsachsen für ihren Kriegsgott Odin. Eine interessante Entdeckung machte der Archäologe Michael Gebühr: Was bisher für Korrosion gehalten wurde, sind in Wahrheit Spuren mörderischer Kämpfe. An einer Lanze war die Spitze umgebogen - an einer Schneide fand er Scharten tödlicher Hiebe. Indizien für eine äußerst kriegerische Zeit Mitte des 4. Jahrhunderts.

Der Waffenfund im Nydam-Moor ist der größte und bedeutendste der Völkerwanderungszeit. Um die Kriegsgötter gnädig zu stimmen, versenkten die Angelsachsen ihre wertvolle Beute im Moor, zusammen mit einem Kriegsboot. Denn sie waren nicht nur raue Krieger, sondern auch geübte Seefahrer. Eines ihrer Schiffe ist in Schleswig zu sehen. 1860 wurde es im Nydam-Moor entdeckt. Der Poller mit dem germanischen Götzengesicht wurde erst 140 Jahre später gefunden.

Seetüchtiges Kriegsschiff

Das Nydam-Boot ist das einzig vollständige, erhaltene Schiff der Völkerwanderung. Der Rumpf aus Eichenbohlen ist 23 Meter lang, mit Moos abgedichtet. Es war ein seetüchtiges Kriegsschiff, gerüstet für die Überquerung der Nordsee und die Suche nach einer neuen Heimat, wie der Schiffsarchäologe Flemming Rieck sagt.

Geführt von den Brüdern Hengist und Horsa, Urenkeln Wodans, kamen sie mit drei Kielen über das Meer. Hengist, so die Sage, sei der Stammvater der Angelsachsen. Nach England kamen sie aber nicht, wie oft zu lesen ist, als Eroberer: Es waren die Briten selbst, die sie um das Jahr 430 als Söldner herbeiriefen. Doch die Völkerwanderung übers Meer begann schon viel früher: Bereits seit dem 3. Jahrhundert wanderten Jüten, Angeln und Sachsen in kleinen Gruppen ein. Als aber Rom um 400 die Insel aufgab, waren die Briten auf die Hilfe der germanischen Krieger angewiesen.

König von East Anglia

Im Norden der Insel befinden sich noch Überreste des Hadrian's Walls. Nach Abzug der römischen Legionen lag es an den Angeln und Sachsen, das Land zu verteidigen. Man könnte sagen, es ist der Beginn der englischen Nationalgeschichte.

Dass sie schnell Herren des Landes wurden, davon zeugen die Grabhügel von Sutton Hoo. Hier wurde 625 Redwald bestattet, der König von East Anglia. Als Erinnerung an die Völkerwanderung der Angelsachsen über das Meer, ließ er sich in einem Schiff beisetzen. Die Abdrücke des Boots blieben unter dem Grabhügel erhalten. Solche Schiffsgräber kennt man sonst nur aus Skandinavien. König Redwald machte es zu einer Art Testament, sagt der Archäologe Martin Carver. Funde aus König Redwalds Grab: ein Trinkhorn mit kunstvollen Silberbeschlägen für Gelage im Jenseits. Redwald hatte sich taufen lassen. Aber angesichts des Todes bekannte er sich wieder zu den germanischen Göttern.

Nach germanischer Tradition

Zeugnis des Prunks und des Reichtums der frühen Könige der Angelsachsen, die sich Britannien untertan machten: eine prächtige Gürtelschnalle aus purem Gold, fast ein Pfund schwer. Aus Gold und Edelsteinen Bilder von Fabeltieren, Göttern und Dämonen, Schmuck nach germanischer Tradition.

Mit den heidnischen Motiven demonstrierte Redwald die Unabhängigkeit der Angelsachsen vom christlichen Kontinent. Und auch mit der römischen Kultur hatten die Angelsachsen nichts im Sinn: Die Romanisierung hatte sie in Nordeuropa nie erreicht. Sie waren und blieben Germanen. In West Stow wurde 1965 eine Siedlung angelsächsischer Einwanderer ausgegraben und rekonstruiert. Ihre Häuser bauten sie aus Holz wie einst in ihrer Heimat in Dänemark und Norddeutschland. Die römische Zivilisation interessierte die Angelsachsen nicht, die Städte ließen sie verfallen.

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