Angriff auf die "Widerstandsnester"

Vespasian und Titus stürmen Jotapata nach 47 Tagen

Nach der Blamage der 12. Legion will das Römische Reich ein Exempel statuieren und zieht außergewöhnlich starke Militärkräfte zusammen. Nach Vespasians Plan und Befehl rücken die 5. und 10. Legion von Norden her aus Syrien vor.

Vespasian und Titus in den Ruinen von Jotapata

Gleichzeitig führt Vespasians Sohn Titus die 15. Legion aus Ägypten heran. Ziel ist zunächst die phönizische Hafenstadt Ptolemais. Einschließlich verschiedener Hilfstruppen versammelt der Feldherr ein Heer von etwa 60.000 Mann. Vespasian plant, den jüdischen Widerstand systematisch aufzurollen. Erstes Opfer der gewaltigen Streitmacht ist Gabara. Die Stadt wird gebrandschatzt. Alle Bewohner mit Ausnahme der Kleinkinder werden getötet. Vespasian will den Aufstand der Juden ersticken.

Stadt Gabara brennt

Widerstand nach römischem Vorbild

Nächstes Angriffsziel ist Jotapata, denn hier leitet der Kommandant von Judäa, Josephus, den Widerstand. Das auf einem steilen Felsen gelegene Jopata ist eine natürliche Bergfeste, die außer im Norden auf allen Seiten durch tiefe Schluchten geschützt ist. Für den Angriff wählt Vespasian die römische Standardmethode: Nach Einsatz der Bogenschützen rücken die Fußtruppen vor. Doch Josephus hat die Kriegskunst des Gegners studiert und seine Männer nach römischem Vorbild trainiert. Es kommt darauf an, die richtigen Waffen zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.

Auf römischer Seite herrscht Kampf-Routine. Mühelos blocken die gedrillten Soldaten den jüdischen Abwehrschlag ab und setzen zum Sturm an. Mit langen Leitern wollen die Römer die Stadtmauern überwinden. Im richtigen Winkel angelegt, lassen sich diese Aufstieghilfen von Hand nicht mehr umwerfen. Trotz heftigster Gegenwehr erklimmen bereits die ersten Legionäre die Mauerkrone. Doch die Aufständischen erweisen sich als zähe Kämpfer. Mit speziellen Holzgabeln gelingt es den Juden, die Leitern wegzustoßen - ein kleiner Sieg.

Römische Bogenschützen

Ausgereifte Belagerungstechnik

Doch so schnell gibt sich Vespasian nicht geschlagen. An Möglichkeiten und Methoden mangelt es den Römern nicht. Ihre Belagerungstechnik ist ausgereift. In ihrem gigantischen Marschgepäck haben sie stets für jeden Zweck das richtige Werkzeug dabei. Nun wollen sie die Mauern zum Einsturz bringen.

Militärische Routine

Doch mit zentnerschweren Steinblöcken und kochendem Öl knacken die Verteidiger selbst die bewährte Schildkröte. Mit ihrer Unerschrockenheit verblüffen die jüdischen Kämpfer die Römer. Doch Josephus weiß, dass Jotapata nicht zu halten ist - der 47. Belagerungstag ist bereits angebrochen. Und für Vespasian steht seine Reputation auf dem Spiel. Mit einer handverlesenen Todesschwadron nutzt Titus die Dämmerung, um die sturmreif geschossene Nordmauer zu erreichen.


Fast geräuschlos erklimmt das Vorauskommando unter Titus voran das bröckelnde Befestigungswerk. Die Wächter sind von den wochenlangen Entbehrungen so ermattet, dass sie die Eindringlinge zunächst nicht bemerken. Jetzt heißt es, zum Stadttor vorzudringen, um die vor den Mauern lauernden Legionen hereinzulassen. Ehe sie reagieren können, sind die Torbesatzungen niedergemacht - militärische Routine für die erfahrenen Kriegshandwerker Roms. Der Rest ist ein Kinderspiel.

Für Jotapata öffnet sich das Tor zur Hölle, denn die Römer wollen auch hier ihre Macht demonstrieren. Im Häuserkampf haben die Aufständischen keine Chance. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch das letzte Widerstandsnest fällt. Militärisch kann Josephus nichts mehr ausrichten. In einer kaum bekannten Zisterne findet der kluge Anführer fürs Erste Unterschlupf mit 40 seiner Getreuen, wohl wissend, dass die Gruppe ohne Proviant kaum Überlebenschancen hat.

Römisches Angebot

Die Römer brauchen nicht lange, um den Aufenthaltsort von Josephus zu ermitteln. Sie schicken Nikanor vor, einen römischen Freund des Priesters aus Jerusalem, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. Doch Josephus und seine Männer lehnen ab. Nikanor schwört, dass Vespasian gewillt sei, dem Kommandanten das Leben zu schenken. Das Angebot löst wütende Diskussionen unter den restlichen Rebellen aus. Doch Josephus gelingt es, das Vertrauen seiner Mitkämpfer zurückzugewinnen.

Flavius Josephus mit seinen Vertrauten in der Zisterne

Für die Rebellen gibt es nur einen einzigen ehrenvollen Ausweg: Selbstmord. Nach vergeblicher Überzeugungsarbeit, dass dies ein Verstoß gegen das Gebot Gottes sei, erklärt sich Josepus schließlich mit dem kollektiven Selbstmord einverstanden. Er schlägt ein spezielles Verfahren vor: Um gegen Gott keinen Frevel zu begehen solle das Los entscheiden, wer wen töten solle. Ist Josephus nun von der Notwendigkeit, den Tod zu wählen, überzeugt, oder plant er insgeheim, zu den Römern zu wechseln? Denn wundersamerweise überleben nur er und sein Freund Yaakov den Tötungsreigen - Zufall oder Vorausberechnung?

Nobles Auftreten

Josephus wird von den Römern gefangen genommen, aber nicht getötet. Nach dem Zeugnis des Josephus war es sein nobles Auftreten, das Titus Mitleid mit dem jüdischen Rebellenführer empfinden ließ.

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