Angriff auf Norsk Hydro

Sabotage-Akte schlagen aber fehl

Die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Norsk Hydro werden verstärkt und die Produktion erhöht. Vom Kampf um das Schwere Wasser hat Hitler angeblich nie erfahren. Ebenso wenig soll ihn Albert Speer über den Stand der atomaren Forschung unterrichtet haben.

Im Sommer 1942 steht der Rüstungsminister unter Zugzwang. Er muss entscheiden, ob die Experimente weitergehen. Deshalb bestellt er Werner Heisenberg zu einem entscheidenden Treffen nach Berlin.

Dünnes Eis

Lange rätselten Fachleute über den Inhalt jener Unterredung. Jetzt hat der amerikanische Historiker Marc Walker in russischen Archiven ein bisher unbekanntes Dokument entdeckt. Es zeigt, auf welch dünnem Eis sich Heisenberg damals bewegte. Der Physiker wollte zwar unbedingt als Erster die Kettenreaktion erreichen, aber nicht den Bau einer Bombe verantworten.




Albert Speer hingegen interessiert nur eine Frage: Wann kann die Atombombe fertig sein? Heisenbergs Antwort ernüchtert. Er rechnet mit drei bis fünf Jahren. Das Aus für die Megawaffe. Ein Großteil der Forschungsmittel geht fortan in die Raketenfertigung. Nur zwei Wochen nach dem Berliner Treffen ist die Massenherstellung der V-1 und die Entwicklung der V-2 beschlossene Sache. Dennoch laufen in den deutschen Laboren die Versuche mit Schwerem Wasser weiter. Auf Sparflamme tüfteln Physiker an der Uranmaschine.

Befehl zum Einsatz

Anfang 1943 ergeht an den norwegischen Untergrund der Befehl zum Einsatz. Die Alliierten glauben noch immer, die Deutschen stehen kurz vor dem nuklearen Durchbruch. Monatelang haben die Partisanen auf der Hochebene ausgeharrt. Am 27. Februar erreichen sie schließlich die "Norsk Hydro".

Zwei der Saboteure arbeiteten früher als Ingenieure in dem Werk. Den Stollen, der zur Konzentrieranlage führt, kennen sie genau. Die Männer tragen britische Uniformen. Sie wollen Vergeltungsmaßnahmen an der norwegischen Bevölkerung ausschließen, falls der Anschlag scheitert. Doch ein Teil der Apparatur und einige Fässer mit Schwerem Wasser können zerstört werden. Die Rebellen entkommen. Die englische und schwedische Presse feiert den Überfall. Tatsächlich aber hält sich der Erfolg der Aktion in Grenzen.

Angst vor der Superbombe

Nur wenige Wochen später sind die Schäden repariert. London erfährt: Die Norsk Hydro hat den Betrieb wieder aufgenommen. Propagandaminister Goebbels ist zufrieden, nutzt er doch jede Möglichkeit, die Angst vor einer deutschen Superbombe zu schüren.

Mit der neuen Superwaffe meinte Goebbels eigentlich die Raketen. Das amerikanische Oberkommando aber wollte kein Risiko eingehen. Am 16. November 1943 nähern sich der Norsk Hydro 140 schwere Bomber. 30 Minuten lang kreisen sie über Vermork und werfen über 700 Bomben mit jeweils 500 Pfund Sprengladung ab. Für die Bevölkerung eine Katastrophe. Die traurige Bilanz: 21 tote Zivilisten und viele Verletzte. Die amerikanischen Bomben hinterlassen zwar große Schäden am Kraftwerk, das Herzstück - die Zellen zur Produktion von Schwerem Wasser - bleibt jedoch unbeschädigt.

Konsequente Lösung

Die permanenten Attacken auf die Fabrik treiben die Verantwortlichen in Berlin zu einer konsequenten Lösung. Heimlich bereiten sie den Abtransport der gesamten Bestände an Schwerem Wasser vor. Immerhin 50 Fässer stehen damals zum Verladen bereit. In Deutschland soll das umkämpfte Destillat umgehend in die verschiedenen Atomlabore geschafft werden. Besonders Werner Heisenberg wartet dringend auf den Nachschub aus Norwegen.

Die Qualität des Schweren Wassers ist unterschiedlich. Seine Konzentration variiert zwischen einem und 99 Prozent. Die Nummern auf den Fässern sind ein spezieller Code für den jeweiligen Reinheitsgrad. Ein Außenstehender weiß nichts damit anzufangen.

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