Angriff auf Rom

Barbaren erobern die "Ewige Stadt"

Im Jahre 410 nach Christus begann der Kampf um Rom. Seit 800 Jahren hatten Roms Feinde die Stadt nur als Gefangene oder Sklaven des mächtigsten Imperiums der Antike betreten, nie aber als Eroberer.

Senat und Volk von Rom fühlten sich sicher. Kaiser Aurelian hatte etwa 140 Jahre zuvor in weiser Voraussicht neue Mauern gegen die Barbaren um Rom ziehen lassen. Die ursprünglich 19 Kilometer langen Aurelianischen Mauern stehen noch heute. Die Stadt erwies sich für die Goten als uneinnehmbar. Als die Westgoten anrückten, ließ Kaiser Honorius die Tore vor Alarichs Horden schließen. Angeblich waren zehntausende Römer bereit, die Stadt zu verteidigen. "Je dichter das Gras, desto leichter das Mähen", soll Alarich gesagt haben.

Seuchen und Hungersnot

Im August des Jahres 410 belagerten die Westgoten die ewige Stadt. Es war das dritte Mal. Diesmal machten sie ernst. Sie kappten die Wasserleitungen und riegelten Rom von der Getreideversorgung ab. Rom dürstete und hungerte. Seuchen breiteten sich aus. 60.000 germanische Sklaven warteten auf ihre Befreier. Aufruhr herrschte.

Um Schlimmeres zu verhindern, so heißt es, habe eine vornehme Dame den Westgoten ein Tor öffnen lassen. Drei Tage lang - für die Römer eine Ewigkeit - raubten, mordeten, vergewaltigten sie. Auf Geheiß Alarichs plünderten die Westgoten die Stadt. Sie legten jedoch nicht Feuer, wie wilde Völker es gewöhnlich tun, und duldeten nicht, dass die heiligen Orte entweiht wurden.

Rom ist erobert

Roma capta - am 24. August des Jahres 410 nach Christus ist Rom erobert. Während seine Krieger in Rom wüteten, erwies sich Alarich als Christenmensch. Das Pantheon, der ehemalige Tempel aller Götter, war jetzt eine römisch-katholische Kirche. Für ein Jahrtausend lang die größte der Welt. Alarich hatte alle Geistlichen unter seinen persönlichen Schutz gestellt. Ihnen durfte kein Haar gekrümmt werden. Und die Plünderung der Kirchenschätze hatte er verboten. Denn die Westgoten waren Christen. Wenn auch Arianer, so achteten sie doch die römisch-katholische Kirche und den Bischof von Rom. "Die Stadt Rom ist eingenommen, die zuvor die ganze Welt besiegt hatte", klagte der Kirchenvater Hieronymus.

Aber vielen Römern waren die christlichen Barbaren lieber als ihre Mitbürger, die noch den heidnischen Göttern blutige Opfer brachten. Die Herrschaft über das Imperium wollte Alarich nie, nur einen Platz für sein Volk im Römischen Reich. Das aber hatte der Kaiser verweigert. Ein verhängnisvoller Fehler. Das Römische Reich war längst ein Torso und ohne die germanischen Völker kaum noch lebensfähig. So stürzten die Goten nur, was bereits dem Untergang geweiht war.

Gastarbeiter auf Zeit

Erst nach weiteren acht Jahren Wanderschaft und Krieg konnten sie sich im Jahre 418 nach Christus in den römischen Provinzen Südfrankreichs niederlassen. Aber nur wenige von jenen, die als Kinder auf der Flucht vor den Hunnen über die Donau gekommen waren, lebten noch.

Die Westgoten wurden Legionäre in römischen Diensten. Als "hospites", Gastarbeiter auf Zeit, erhielten sie die Latifundien des römischen Staates und übernahmen die römischen Gesetze. Nach und nach legten sie die germanischen Sitten ab. Aber wie alle Gastarbeiter blieben sie. Historiker sind sich sicher: Die Einwanderer mussten im Einvernehmen mit den Einheimischen gelebt haben.

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