"Angst hatte ich eigentlich nie"

Dirk Steffens im Interview

Ab 26. Dezember 2010 präsentiert Dirk Steffens im ZDF sechs neue Folgen der Wissenschafts-Doku Faszination Erde. Im Interview spricht der Naturfilmer, Journalist und Moderator über seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten, die Überraschungen, die ihn dabei oft erwarteten - und das, was er am "schönsten Beruf der Welt" trotz aller Strapazen so liebt.

Dirk Steffens in der Rüstung eines Samurais
Dirk Steffens in der Rüstung eines Samurais Quelle: ZDF

Als Naturfilmer haben Sie seit fast 20 Jahren alle Regionen der Welt bereist. Ganz ehrlich: Lässt Ihre Neugierde auf andere Kulturen nicht allmählich nach?

Die hört zum Glück niemals auf. Das Reisen macht mir heute noch genauso viel Spaß wie beim allerersten Mal, als ich in ein fremdes exotisches Land gekommen bin. Und genau das macht auch die zu Recht "Faszination Erde" genannte Sendung aus: Die Redaktion und ich werden tatsächlich angetrieben von der Faszination, in ferne Länder fahren, Menschen und Kulturen kennenlernen zu können.

Für die übernächste Folge von "Faszination Erde" waren Sie in Japan. Welche Überraschungen warteten dort auf Sie?

Auf der Insel Hokkaido kamen wir in eine einsame Gegend, in der es plötzlich aussah wie in Kanada: wilde Gebirgsbäche, Braunbären und viele Lachse, die flussaufwärts wanderten. Wir haben alles live beobachtet. Ich konnte sogar einen Fisch fangen und für unsere Moderation einsetzen.

Und welche Eigenarten der japanischen Zivilisation haben Sie erstaunt?

Wenn man in einem Hotel ein sogenanntes japanisches Zimmer bucht, bekommt man einen kleinen Raum, in dem sich alle Möbel, das Futon sowieso, knapp über dem Fußboden befinden, auch der Tisch, der nur ein paar Zentimeter hoch ist.

Japanisches Hotelzimmer (Innenaufnahme)
Japanisches Hotelzimmer Quelle: ZDF

Und hinter einer Papierschiebewand befindet sich die besondere Hightech-Toilette: Das Licht geht automatisch an, der Klodeckel fährt elektrisch betrieben hoch, und man hört Wasserplätscher-Spül-Geräusche aus einem Lautsprecher. Gleichzeitig springt die Klobrillen-Heizung an, die Temperatur kann man vorwählen und einstellen mittels eines seitlich angebrachten Panels mit Bedienfunktionen: zum Beispiel Bidet-Strahl und sogar Fön. Es war ein endloser Spaß, diese Toiletten auszuprobieren.

Wie fühlten Sie sich denn in der 300 Jahre alten Samurai-Rüstung, die Sie für eine Moderation über die japanische Geschichte angelegt haben?

Da ich 1,86 Meter groß bin, war mir die Rüstung ein bisschen zu klein. Aber ich bin irgendwie reingekommen. Doch ich musste damit noch auf einem Pferd mit einem traditionellen Sattel mit Holz-Steigbügel sitzen, mich dann sogar aus diesem Sattel schwingen, vom Pferd herunterspringen und dann auch noch ganz locker moderieren in dieser 30-Kilo-Ausrüstung - das war schon ganz schön anstrengend.

Dirk Steffens in der Rüstung eines Samurais
Dirk Steffens als Samurai, stehend, mit Reiter Quelle: ZDF

Aber lange nicht so gefährlich wie der Dreh mit einer Klapperschlange in Mexiko!

Nirgendwo gibt es so viele Klapperschlangenarten wie dort in dem großen, trockenen, von Wüste geprägten Land. Um zu demonstrieren, wie die Reptilien ihre Beute jagen, wofür ihre Klapper da ist und wie sie ihr Gift einsetzen, haben wir ein Exemplar gefangen. Ich habe die Klapperschlange dann während der Moderation gemolken, um zu zeigen, wie viel Gift sie absondert. Natürlich war das ein bisschen heikel. Wehe, wenn ich nicht aufgepasst hätte!

Es gab sicher früher schon brenzlige Momente bei Drehs, oder?

Ja, aber Angst hatte ich eigentlich nie. Gleich beim Dreh für die erste "Faszination Erde"-Sendung in Alaska kamen wir in eine gefährliche Situation. Wir filmten wilde Grizzlys im Hintergrund, während ich über die Bären erzählte. Leider waren mein Kameramann und ich plötzlich von den Tieren umringt, und ich musste uns schließlich sogar mit Pfefferspray gegen sie verteidigen. Dabei traf ich den Kameramann ins Auge, der für den Rest des Tages halbblind war. Seine erste Hilfe gegen das fürchterliche Brennen: Er steckte den ganzen Kopf in den nächstgelegenen Fluss, um seine Augen zu reinigen und sie zu kühlen.

Grizzlymutter mit Bärenkindern an einem Fluss in Alaska
Grizzlys in Alaska Quelle: ZDF

Im vergangenen März hat es Sie selbst getroffen - im wahrsten Sinne des Wortes. Für Ihre "Terra X"-Sendung besuchten Sie einen Vulkan auf Santorin und wurden von einem herabfallenden Lava-Brocken mitten ins Gesicht getroffen.

Ich habe mir dabei zwölf Brüche und einen Oberkiefer-Trümmerbruch zugezogen und musste mehrfach operiert werden.

Leiden Sie bis heute unter den Folgen?

Zum Glück habe ich keine bleibenden Schäden davongetragen, auch wenn ich vor ein paar Tagen noch mit einem geschwollenen Gesicht herumgelaufen bin, weil die letzte der drei Platten, die ich damals in der Uniklinik eingesetzt bekam, entfernt wurde. Damit ist für mich dieser Unfall endgültig abgehakt.

Auch seelisch? Hat diese schlimme Erfahrung Sie nicht verändert?

Nö, eigentlich nicht. Ich hatte und habe bis heute weder Alpträume, bin jetzt weder vorsichtiger noch waghalsiger. Auch als ich gerade in Japan wieder bei einem aktiven Vulkan drehen musste, war ich so konzentriert bei der Arbeit, dass ich an den Unfall gar nicht mehr dachte. Ganz im Gegenteil. Ich werde sogar noch einen Schritt weitergehen und mich wieder von demselben Vulkan auf Santorin abseilen. Schließlich habe ich mit dem noch eine Rechnung offen und bin wild entschlossen, sie zu begleichen!

Dirk Steffens moderiert am Vulkankrater
Dirk Steffens moderiert am Vulkankrater Quelle: ZDF

Für Ihren Wissenstalk "Natürlich Steffens!" und für Markus Lanz' Sommer-Vertretung standen Sie auch in Fernsehstudios vor der Kamera. Was liegt Ihnen mehr?

Ganz klar die Arbeit draußen in der Natur. Auch deshalb, weil ich dort kein Lampenfieber habe. Im Studio, wenn ich die Anfangsmusik und das Kommando "Jetzt kommt Dirk Steffens" höre und dann raus muss vor das Publikum von 150 bis 200 Zuschauern und alle Kameras auf mich gerichtet sind, dann habe ich ganz dolles Lampenfieber.

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