Angst vor der Vampirkrankheit

Gerüchte über Todesursache verfolgen Eleonore bis ins Grab

Die letzte Phase der Krankheit lässt sich aufgrund des Obduktions-Berichtes und anderer Archivaufzeichnungen genau rekonstruieren. Ab August 1740, ein Jahr vor ihrem Tod, musste sich Eleonores Zustand extrem verschlechtert haben. Sie litt unter starken Schmerzen, konnte kein Essen mehr zu sich nehmen.

Verängstigte Dorfbewohner (Spielszene) Quelle: ZDF,P. Richardson

In diesem letzten Jahr kamen Experten aus dem ganzen Reich zu Eleonore, darunter auch Mediziner, die Erfahrung mit Vampirismus hatten. In der Nacht schienen immer öfter Lichter durch die Fenster von Eleonores Schlafgemächern. Gerüchte von der Fürstin, die nur in der Nacht lebt, machten im Ort die Runde.

Eleonore mit ihrem Leibarzt (Spielszene) Quelle: ZDF

Unpässliches Befinden

Eleonore verlangte oftmals nach Dr. Franz von Gerstorff. Gerstorff war Leibarzt von Kaiser Karl VI. und Leiter zahlreicher Untersuchungskommissionen für Vampir-Erscheinungen: "Wien, 30.4. Durch eine heute früh hier angelangte Estaffette habe ich die Nachricht erhalten, dass Ihre Durchlaucht die Fürstin sich zu Krumau unpässlich befinde, weswegen ich jetzt gleich die Veranstaltung mache, damit der Kaiserliche Leib-Medicus Herr Doktor von Gerstorff sich zu Ihro Durchlaucht Herrin begeben wolle."

Abgeriegeltes Schloss

Eleonore kurz vor ihrem Tode (Spielszene) Quelle: ZDF

Von Gerstorff war, wie viele Ärzte seiner Zeit, überzeugt von der Ansteckungsmöglichkeit durch Vampire. Eleonore bot genau jenes Erscheinungsbild, das man damals der Vampirkrankheit zuordnete: ausgezehrt, blutleer, verwirrt. Wenn die Ärzte davon ausgingen, dass die Fürstin eine Vampirerkrankung hatte, dann hätte die Obduktion auch den Zweck erfüllen können, einen Vampir unschädlich zu machen. Doch eine Pfählung durch das Team ist kaum vorstellbar. Man hat möglicherweise den wissenschaftlichen Weg gewählt, um das Gleiche zu bewirken.



Wenn die Diagnose von Eleonores Krankheit bereits zu ihren Lebzeiten feststand, dann könnten in der Bevölkerung Gerüchte über die "Vampirprinzessin" in Umlauf gewesen sein. Nach ihrem Tod wurde das Schloss abgeriegelt. Nachtwächter kontrollierten das Gebäude rund um die Uhr. Die Stimmung war ohnehin von der Angst vor den gefährlichen Seuchen der Zeit geprägt - ideale Voraussetzungen für die große Vampirhysterie, die sich während der letzten Lebensjahre von Eleonore bis auf wenige Kilometer der Stadt Krumau genähert hatte. Im ganzen Land brannten die Scheiterhaufen.

Grabplatte der Schwarzenbergs Quelle: ZDF

Große Angst muss vor allem Eleonore selbst empfunden haben. Schmerzen, Atemnot und Angstzustände hielten sie vermutlich nächtelang wach. Glaubte sie selbst, von einem Vampir befallen zu sein? Hatte sie Angst, nach ihrem Tod zu einem Vampir zu werden? Im Endstadium ihrer Krankheit hatte Eleonore Krumau verlassen und war nach Wien gereist, doch sie kehrte als Tote zurück. Üblicherweise wurden die Schwarzenbergs in jener Zeit in der familieneigenen Gruft in der Wiener Augustinerkirche beigesetzt. Pater Albin Scheuch ist heute als Archivar Herr über die Totenbücher der Gruft, die exakt darüber Auskunft geben, wer unter der schweren Gruftplatte ruht. Auch die sterblichen Überreste von Eleonores Gatten Adam Franz befinden sich hier.

"Hier liegt die arme Sünderin"

Die Überführung des Leichnams von Wien nach Krumau ist in einem Testament verfügt, das erst wenige Tage vor Eleonores Tod verfasst wurde. Ob ihr Wille in diesem Dokument tatsächlich zum Ausdruck kommt, ist fraglich. "...ZWEYTENS: solle mein Leichnam, ich mag in Wien, oder andernorts das Zeitliche verlassen, nach Krumau geführet, dort von armen Leuten in die St. Nepomuc Kapelle getragen, und allda ohne einzigen Gepränge beerdiget werden, und auf den Grabstein folgende Wörter stehen: Hier liegt die arme Sünderin Eleonora, Bittet für Sie..."

Leiche von Eleonore wird per Kutsche nach Hause transportiert (Spielszene) Quelle: ZDF

Warum transportierte man einen Leichnam mitten in der Nacht Hunderte von Kilometern vom Sterbeort weg? Glaubte man, Eleonore könne mitten in Wien selbst zum Vampir werden und ihre nächste Umgebung anstecken? "Die Toten reiten schnell" heißt es in der Ballade "Lenore" von Gottfried August Bürger. "Die Toten reiten schnell' steht auch auf dem Grabstein der österreichischen Adeligen bei Bram Stoker und als Dracula selbst zum ersten Mal im Roman erscheint, flüstert jemand entsetzt: "Die Toten reiten schnell!" Auch die tote Eleonore ritt schnell von Wien, wo sie gestorben ist, nach Krumau, wo sie begraben liegt.

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